Vernissage am Freitag Verstörende Ästhetik

"Princesses and Bad Guys": Das Fotografenduo Frank Bayh und Steff Ochs zeigt beim Ebersberger Kunstvereins seine preisgekönten Arbeiten

Von Anja Blum

Künstler stehen gemeinhin in dem Ruf, eher Egozentriker denn Teamplayer zu sein. Auf Steff Ochs und Frank Bayh jedoch trifft das überhaupt nicht zu. Die zwei Fotografen, die nun in der Alten Brennerei beim Ebersberger Kunstverein zu Gast sind, arbeiten seit 14 Jahren eng zusammen - und das sehr erfolgreich. Die Liste der Ausstellungen und Auszeichnungen des Duos aus Stuttgart ist so lang wie beeindruckend. Die Arbeiten von Frank & Steff, wie die beiden sich nennen, waren schon in New York, Sao Paulo, London, Arles oder China zu bewundern und gewannen viele internationale Preise.

Dabei haben die Bilder von Ochs und Bayh durchaus das Potenzial zu polarisieren. Projektleiter Walter Voss erzählt, dass sie auch im Kunstverein nicht nur auf Zustimmung gestoßen seien, um es höflich zu formulieren. Doch für die Künstler selbst ist Ablehnung überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: Irritation gehört zu ihrem Konzept. Dieses Duo nämlich setzt auf Bilder mit Botschaft. Ziel ist eine Auseinandersetzung mit politischen, zeitgeschichtlichen oder sozialkritischen Themen, von der Umweltverschmutzung bis zum Körperkult. Allerdings arbeiten diese beiden Fotografen dabei nicht mit dokumentarischem Blick, sie zeigen Missstände nicht pur in ihrer Brutalität oder Hässlichkeit, nein: Frank & Steff setzen auf Ästhetik und die Erkenntnis auf den zweiten Blick. "Wir wollen nicht anprangern, sondern die Menschen zum Nachdenken bringen", sagt Ochs.

Die Sünden der großen Konzerne, maßloser Körperkult und die Diktatoren der Welt sind Thema der Werke.

(Foto: Frank Bayh und Steff Ochs)

Neben ihren freien Arbeiten fotografieren Frank & Steff, die sich während ihrer Studienzeit über "das Rumblödeln" kennen und schätzen gelernt haben, Werbekampagnen und Modestrecken, "Kommerz eben". Doch dessen Techniken und Gesetzen bleibt das Duo auch in der Kunst durchaus treu, die beiden Fotografen präsentieren einen modernen Look, klassische Porträtanschnitte und Kompositionen zeitgenössischer Aktfotografie, inszenieren Foto-Sets und arbeiten mit digitaler Bildmanipulation, um ihre Visionen umzusetzen. "Unsere Bilder sollen Inhalt haben - aber auch schön sein", sagt Bayh. Genau das ist denn auch die Schere, die den Betrachter staunen lässt: Hinter all der Anmut lauern Gefahr, Terror und Verblendung. Nichts, aber auch gar nichts ist hier so schön, wie es scheint. Frank & Steff zelebrieren die Lust an der Täuschung.

Alle ihre Arbeiten sind manipulierte Fotomontagen aus mehreren Schichten, doch das ist nicht sofort erkennbar. Das Auge erfasst zunächst nur eine homogene Darstellung, deren innere Widersprüchlichkeiten der Verstand erst hinzufügen muss. In einer Serie rekeln sich wunderschöne Frauen im Sixties-Style auf Bett oder Sofa, der Blick wird auf kesse Schuhe und feuerrote Haare gelenkt. Doch halt, was ist das? Da sind drei Beine und drei Arme! Und viel zu viele Finger. Der Groschen fällt, sobald der monochrome Hintergrund in den Fokus rückt: Draußen, vor der Fensterfront der schicken Wohnung, trohnt ein Atommeiler. "The bliss of nanostructure nail varnish", haben Frank & Steff diese Fotostrecke getauft.

Steff Ochs (auf der Leiter) und Frank Bayh bereiten ihre Ausstellung in der Alten Brennerei des Ebersberger Kunstvereins vor.

(Foto: Christian Endt)

Überhaupt ist der menschliche Körper ein häufig wiederkehrendes Motiv der beiden Fotokünstler: Von ästhetischen Spielereien - eine Reihe zeigt völlig verdrehte, überzogene Akte - bis hin zum Thema Schönheitskult setzen sie ihn immer wieder gekonnt in Szene. Die beiden Serien "In space no one can hear your beauty" und "Beauty is in the nostrils of the beholder" imaginieren die Möglichkeit, die menschliche Außenhaut wie Kleidungsstücke wechseln zu können - ganz ohne Aufwand oder Schmerz. Da schlüpft die Oma in den Bodybuildercorpus, der Mann wird zur Silikonbüste und Frau wächst ein behaarter Bauch.

Verstörend auch jene Montagen, für die das Duo Kinder und Jugendliche ablichtet. Sei es in einer mehrteiligen Arbeit zum Thema Gewalt im Kinderzimmer - genannt "Ruhig Brauner" - oder unter dem Titel "Some might be unicorns". Um die Wechselwirkungen von Kindlichkeit und Erwachsensein geht es hier, die jungen Models sind per Fotoshop in die jeweils eine oder andere Richtung verfremdet. Riesige Kulleraugen, etwas zu lang geratene Nasen, opulente Frisuren, ein Mädchen trägt gar ein regenbogenfarbenes Horn auf der Stirn. Was müssen diese schönen Wesen ertragen? Welche Erwartungen erfüllen?

Die Montagen des Fotografenduos haben das Potential zu polarisieren.

(Foto: Frank Bayh und Steff Ochs)

In die gleiche Richtung zielen die kindlichen Diktatoren von Frank & Steff: "Sie nehmen den ganzen Weltschmerz auf sich." Hitler, Hussein, Trump und Konsorten kann man hier begegnen - in Form verfremdeter junger Mädchen. Sie tragen Uniform und Bart, über ihre makellosen Wangen laufen dicke Tränen. Im Hintergrund dräut ihr grausames Werk: Das Militär marschiert, Raketen steigen gen Himmel, Ölfelder brennen, KZ-Kamine rauchen. Authentisches Archivmaterial haben die Fotografen hierfür verwendet und so lange bearbeitet, bis die Übergänge zwischen aktueller Aufnahme und historischem Material kaum mehr sichtbar waren. "Da sind wir schon pedantisch" sagt Bayh. Ist ein Abschnitt zu scharf? Zu grün? Oder zu hell?

Gerade in dem ersten Bild einer neuen Serie stecke oftmals eine ganze Woche Arbeit am Computer. Die Idee dazu stehe zwar immer von Anfang an fest - doch die Komposition entwickle sich meist erst langsam. "Ich zupfe gerne an den Haaren herum, er klickt ein bisschen mehr", sagt Ochs und lacht.

Doch eigentlich machten sie alles gemeinsam. Sogar wer welches Bild geschossen habe, sei unsicher, die Kamera wandere nämlich stets hin und her. Was für ein Team!

"Princesses and Bad Guys" heißt die Ausstellung.

(Foto: Frank Bayh und Steff Ochs)

Ausstellung "Princesses and Bad Guys" von Frank Bayh und Steff Ochs in der Alten Brennerei des Ebersberger Kunstvereins, Vernissage an diesem Freitag, 12. Oktober, um 19 Uhr. Zu sehen bis 4. November, geöffnet freitags 18 bis 20, samstags und sonntags 14 bis 18 Uhr.