Vernissage am Freitag Holzköpfe, Trinker und Liebende

Der Bastler Roland Dittel stellt im Poinger Rathaus seine technisch komplexen Figuren aus

Von Valentin Tischer, Poing

Bürgermeister Albert Hingerl als Holzfigur.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bürgermeister Albert Hingerl gibt es jetzt in doppelter Ausführung im Poinger Rathaus. Einmal als Mensch aus Fleisch und Blut und einmal als Holzfigur. Diesen Kameraden gebaut hat der Poinger Rentner Roland Dittel. Seine Figur des Bürgermeisters ist eckiger und kantiger als das Original, trotzdem tut es die Puppe der lebendigen Version gleich und wirbt mit dem Gemeindeblatt um Wahlhelfer und kündigt die "SPD-Shop-Poing-Week" an. "Den Albert veräppel ich halt gern ein bissl", sagt Dittel.

Eine große Vitrine im Rathaus ist den Figuren des Rentners nun gewidmet. Rund 40 Stücke stehen nach Themen sortiert hinter der Scheibe. Die Komplexität und technische Raffinesse der Konstruktionen unterscheiden sich: Angefangen hat Dittel mit Pappfiguren, die er am Computer entworfen hat, um sie dann auszudrucken und entlang perforierter Linien zu falten und zu verkleben. Diese können nur die Arme bewegen, weswegen sie Personen zeigen, für die bestimmte Handbewegungen typisch sind: einen Polizisten etwa oder einen Boxer. Dittel hat auch sich selbst als Pappfigur verewigt, mit einem Glas Rotwein in der Hand, aus dem die Figur trinkt, wenn man an einer Schnur zieht. Die Motivauswahl sei zufällig, erklärt der Bastler: "Wenn mir eine Figur einfällt, dann baue ich sie, und bei der nächsten genauso."

Ein ganzes Orchester aus Holz hat Hingerl gestaltet, zumeist von einem Drehmechanismus angetrieben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Früher war Dittel Konstrukteur und Techniker, er hat in der Trickabteilung der Bavaria Filmstudios und beim Max-Planck-Institut für Astrophysik gearbeitet. Aufgrund einer degenerativen Muskelkrankheit war er jedoch gezwungen, früher in den Ruhestand zu gehen. Um sich die viele Zeit zu vertreiben, begann er mit dem Basteln von Figuren. "Ich bin nicht mehr so mobil. Was kann man denn da anderes machen? Ich kann ja nicht den ganzen Tag fernsehen", erklärt er. Sein technisches Know-How wird spätestens dann offensichtlich, wenn man seine Holzfiguren betrachtet. Dittel sagt, dass ihm die Pappfiguren irgendwann ein bisschen zu langweilig wurden. Deshalb beschloss er, kompliziertere zu bauen.

Ein ganzes Orchester hat der Rentner aus Holz gestaltet, zumeist von einem Drehmechanismus angetrieben. Die Holzmusiker vollziehen dann typische Bewegungen, beispielsweise drückt der Pianist auf die Tasten und der Akkordeon-Spieler zieht sein Instrument auseinander, zudem wippt er mit Kopf und Fuß. Die Mechanik hält Dittel zwar etwas im Hintergrund, will sie aber nicht verstecken. "Gerade Jüngere sollen sie sehen und sich davon begeistern lassen", erklärt er. Neben den Musikern hat Dittel auch einige Spielereien gebaut. Eine Konstruktion zeigt zwei Katzen, die versuchen eine Maus zu fangen, eine weitere einen "Bachelor", der über Büchern brütet und aufsteht, wenn man an der Kurbel dreht. Für einen guten Zweck zieht Dittel mit der "Schneckenkasse" Leuten Geld aus der Tasche: Er fordert sie auf, ein Zwei-Euro-Stück auf ein Schneckenhaus zu legen. Dann streckt das Tier den Kopf aus dem Haus und zieht das Geldstück hinein.

Roland Dittel verkauft seine Holzfiguren nicht, er verschenkt sie.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Dittel verkauft seine Figuren nicht, sondern verschenkt sie. Mehr als zwanzig Mal schon hat er "Romeo und Julia" weitergegeben: zwei Holzfiguren auf einer Bank, die sich küssen, wenn man kurbelt. Vielen Bekannten aus Poing hat Dittel Figuren geschenkt, einige Ausstellungsstücke sind Leihgaben von Familien. Manche Arbeiten sind personalisiert, zum Beispiel fährt ein Paar zusammen auf einem Motorrad. Hier zeigt sich aber, dass die Mechanik durchaus etwas grob sein kann: Was die Fahrbewegungen imitieren soll, sieht unfreiwillig eher nach Bettgymnastik aus.

Auch über Poing hinaus hat Dittel schon Figuren verschenkt. Eine hat er einer Bekannten mitgegeben, die jetzt in Kalkutta lebt, einem Comedy-Duo hat sein Geschenk so gut gefallen, dass es ihm eine private Führung durch die Comödie Fürth versprochen hat und der Bayerische Rundfunk freut sich über einen mechanischen Hund. Nur Lena Meyer-Landruth muss ihre Figur noch entgegennehmen.

Als Kunst aber mag Dittel seine Figuren nicht bezeichnen. "Künstler wollen etwas ausdrücken. Ich will nichts vermitteln, ich bin einfach nur Bastler", erklärt er. Aber zumindest einige exzentrische Verhaltensweisen scheint er sich angeeignet zu haben: Zur Vernissage will Dittel verkleidet kommen.

"Roland Dittel und sein Figurenkabinett" im Rathaus Poing, Vernissage am Freitag, 15. März, um 17.30 Uhr.