Statistik für den Landkreis EbersbergWeniger Unfälle, mehr Verletzte

Lesezeit: 3 Min.

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Ebersberg hat bereits wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht.
Die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Ebersberg hat bereits wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Marcus Brandt/dpa

Die Bilanz der Verkehrsunfallstatistik für den Landkreis Ebersberg fällt gemischt aus. Dass der Verkehr nach dem Ende der Corona-Pandemie wieder deutlich zugenommen hat, hat Konsequenzen.

Von Barbara Mooser, Ebersberg

Die Zahl der Verkehrsunfälle hat im vergangenen Jahr im Landkreis Ebersberg zwar abgenommen, dennoch fällt die Bilanz für 2024 nicht ausschließlich positiv aus: Denn die Zahl der Menschen, die bei den Unfällen verletzt wurden, hat dennoch zugenommen – und vor allem gab es bei der Zahl der Verkehrstoten eine Steigerung. Waren 2023 noch zwei Menschen bei Unfällen im Landkreis Ebersberg gestorben, waren es 2024 fünf. Das zeigt die neue Statistik des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord.

Amtsgericht Ebersberg
:In der Mitte liegt die Wahrheit

Ein Vater und sein Sohn sollen gemeinsam einen 18-Jährigen beleidigt, attackiert und geschlagen haben. Nun stehen die beiden wegen gefährlicher Körperverletzung in Ebersberg vor Gericht.

SZ PlusVon Andreas Junkmann

Betrachtet man einen längeren Zeitraum zeigt sich freilich, dass es immer wieder Höhen und Tiefen gab: 2018 und 2019 waren demnach schlimme Jahre, was die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr betrifft. Neun beziehungsweise zwölf Menschen starben in diesen Jahren. Die Zahl der Unfälle ist ebenfalls Schwankungen unterworfen. „Seit 2016 ging die Zahlen der Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen stetig zurück, bis sie 2021 mit 399 Unfällen – auch Corona-bedingt – ihren bisherigen Tiefstand erreichten“, erläutert Stefan Kreimoser, Verkehrsfachmann bei der Ebersberger Polizei. In den Corona-Jahren 2020 und 2021 waren aufgrund der verschiedenen Lockdowns weniger Menschen auf den Straßen unterwegs, die Unfallzahlen sanken entsprechend deutlich. Bereits 2023 war das Vor-Corona-Niveau bei den Unfallzahlen wieder überschritten, 3829 Unfälle – der laut Kreimoser bisherige Höchststand – wurden damals von der Polizei registriert. 2024 lag die Gesamtunfallzahl 5,5 Prozent darunter bei 3619 Fällen.

Die Zahl der Schulwegunfälle ist angestiegen

Bei 475 der Unfälle im vergangenen Jahr kamen Personen zu Schaden, 607 insgesamt. 88 Menschen wurden laut Statistik schwer- und 514 leichtverletzt. Auffällig ist in der Statistik, dass die Zahl der Schulwegunfälle deutlich zugenommen hat. Waren es im Jahr 2023 nur zwei derartige Fälle, wurden im vergangenen Jahr sieben Schulwegunfälle registriert, bei denen neun Kinder verletzt wurden. Schlussfolgerungen, dass es für Kinder auf den Straßen im Landkreis deutlich gefährlicher geworden ist, lassen sich daraus allerdings nicht so einfach ziehen, darauf weist Kreimoser hin – oft steckten schlicht unglückliche Umstände hinter den Fällen.

Tatsächlich sind die Gründe für die Schulwegunfälle recht vielfältig, wie ein genauerer Blick in die Statistik zeigt. In einem Fall lief ein Kind plötzlich auf die Straße und wurde leicht angefahren, in einem anderen musste ein Autofahrer verkehrsbedingt in der Kreuzung halten und übersah dann beim Räumen der Kreuzung ein Schulkind. Einmal stürzte ein Kind auf dem Weg zur Schule mit dem Fahrrad, einmal fuhr ein Kind ein anderes an, einmal kam eines ins Straucheln, als es neben dem Bus herlief, der gerade langsam in die Haltestelle fuhr. In einigen Fällen saßen einfach Kinder bei Unfällen im Auto.

Dennoch hat die Polizei ein besonderes Augenmerk auf Unfälle, die sich auf dem Schulweg zutragen. Jeder Schulwegunfall werde mit den zuständigen Jugendverkehrserziehern besprochen, unterstreicht Kreimoser: „Die Jugendverkehrserzieher gehen bei geeigneten Fällen in die entsprechende Schulklasse und besprechen sowohl den Unfallhergang als solches – um Gerüchten vorzubeugen – als auch die Umstände die dazu geführt haben und erläutern, wie der Unfall hätte vermieden werden können.“

Die Strecke durch den Forst ist sicherer geworden

Es gibt auch Positives in der Statistik: So hat sich die Zahl der Fahrradunfälle im Landkreis im vergangenen Jahr um immerhin etwa zehn Prozent verringert. Insgesamt ereigneten sich 2024 im Landkreis 173 von der Polizei registrierte Unfälle mit Fahrrad- oder Pedelec-Fahrern, wie Kreimoser erläutert: „Hierbei wäre anzumerken, dass in circa Dreiviertel der Unfälle, der Fahrrad- beziehungsweise Pedelec-Fahrer als Unfallverursacher geführt wird.“

Und noch eine positive Entwicklung: Die Zahl der Verkehrsteilnehmer, die nach Unfällen die Flucht ergriffen haben, hat deutlich abgenommen. Wurden 2023 noch 817 Unfallfluchen registriert, waren es 2024 noch 712, das ist ein Minus von 12,9 Prozent. Und es haben sich weniger Menschen alkoholisiert ans Steuer gesetzt und einen Unfall verursacht, die Zahl der Fälle sank um 21,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.  Die Zahl der Unfälle, bei denen ein Beteiligter andere berauschende Mittel konsumiert hat, stieg um 150 Prozent – was aber in absoluten Zahlen weniger drastisch wirkt: 2023 waren es noch zwei Fälle gewesen, 2024 wurden fünf Fälle registriert.

Seit einigen Jahren ist das Überholen im Forst stark eingeschränkt - unter anderem durch durchgezogene Linien. Die Unfallzahlen sind seither zurückgegangen.
Seit einigen Jahren ist das Überholen im Forst stark eingeschränkt - unter anderem durch durchgezogene Linien. Die Unfallzahlen sind seither zurückgegangen. Foto: Peter Hinz-Rosin

Unfallschwerpunkte gibt es laut Kreimoser im Landkreis nicht – und eine Strecke, an der sich in der Vergangenheit immer wieder schwere Unfälle ereignet hatten, scheint deutlich sicherer geworden zu sein: Im Jahr 2019 wurde die St2080 zwischen Forstinning/Schwaberwegen und Ebersberg saniert, dabei wurden auch Überholverbote sowie durchgezogene Linien angebracht. „Ein Vergleich der Unfallzahlen zeigt, dass diese Veränderungen sich äußerst positiv auf das Unfallgeschehen auswirkten. So hat sich 2024 auf der St2080 in Ebersberger Forst kein Unfall mit Personenschaden ereignet. Die Unfälle mit Sachschäden reduzierten sich von 35 auf 25. Hierbei ist anzumerken, dass darunter auch 16 Wildunfälle erfasst wurden“, so Kreimoser. Erfreulicherweise sei auch bei keinem der Unfälle im Jahr 2024 die Geschwindigkeit als Unfallursache angesehen worden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Nach Angriff auf demokratiefördernde Initiativen
:„Die AfD ist aus unserer Sicht keine normale Partei“

Zwei Vertreterinnen demokratiefördernder Initiativen im Landkreis Ebersberg sprechen über die zersetzende Kraft solcher Unterstellungen, über ihre persönlichen Hoffnungen und Befürchtungen. Sogar Ausreisepläne sind Teil des Gesprächs.

SZ PlusInterview von Anja Blum

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: