Verkehr:Zug um Zug wird's lauter

In den nächsten Jahren wird der Bahnausbau von Markt Schwaben Richtung Osten in Angriff genommen. Zusätzlicher Lärmschutz wird dadurch nötig, Details gibt es bei einer Informationsveranstaltung aber noch nicht

Von Barbara Mooser, Markt Schwaben

Es sind ein paar dicke rote Linien auf dem Markt Schwabener Ortsplan, welche die Menschen am meisten interessieren: Im Westen der Gemeinde setzt die Linie ein, bevor die Geltinger Straße die Bahngleise kreuzt, im Osten führt sie fast bis zur Kreuzung mit der Staatsstraße 2080. Auch südlich von Ottenhofen und bei Unterschwillach sind kürzere rote Striche zu sehen. Es handelt sich um die Bereiche, in denen es im Zuge des groß angelegten Bahnausbaus Richtung Osten voraussichtlich Lärmschutzmaßnahmen geben wird. Details sind freilich noch nicht bekannt, bei einer Informationsveranstaltung am Mittwoch in Markt Schwaben informierten die Planer der Bahn über die ersten Entwürfe zum Streckenausbau, der - läuft alles so wie vorgesehen - 2030 fertig sein soll.

Gesprochen wird über den Ausbau der Bahn Richtung Osten - die Ausbaustrecke (ABS) 38 - schon seit Jahrzehnten, nun wird das Projekt auch ernsthaft in Angriff genommen. Es ist in der aktuellen Version des Bundesverkehrswegeplans im "vordringlichen Bedarf" eingeordnet, besitzt also hohe Priorität. Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren sollen bereits Ende 2018 oder Anfang 2019 eingereicht werden, erläutert Anna Schindler aus dem Projektteam der ABS 38. Wie lange es dann dauert, bis auf der Strecke tatsächlich Züge fahren können, hängt auch davon ab, wie stark der Widerstand gegen das Projekt sein wird. Die Strecke ist Teil der Ost-West-Magistrale Bratislava-Paris und soll das Chemiedreieck besser anbinden. Geplant ist ein durchgehend zweigleisiger Ausbau zwischen Markt Schwaben und Ampfing und die Elektrifizierung der zweigleisigen Strecke zwischen Markt Schwaben und Mühldorf. Das soll nicht nur die Kapazitäten deutlich erhöhen, sondern die Züge auch deutlich schneller machen.

Verkehr: In Markt Schwaben wohnen viele Menschen direkt neben den Gleisen.

In Markt Schwaben wohnen viele Menschen direkt neben den Gleisen.

(Foto: Christian Endt)

Mehr Züge - das bedeutet für Markt Schwaben auch mehr Lärm. Wie viel mehr Schallschutz damit verbunden sein muss, soll in einem Schallschutz- und Erschütterungsgutachten geklärt werden. Zugzahlen, Zugarten oder auch topgrafische Gegebenheiten müssten dabei berücksichtigt werden, so Bahn-Expertin Anna Schindler. Erst dann wird sich auch zeigen, wo es in Markt Schwaben so genannten aktiven Lärmschutz, also beispielsweise Lärmschutzwände, geben wird und wo passiven Schutz wie Lärmschutzfenster. "Wir hören schon jetzt die Güterzüge, uns würde es halt interessieren, wie es weitergeht", sagt ein Anwohner, der östlich des Dr.-Hartlaub-Rings wohnt. Ein anderer lässt sich ausführlich von einem Bahn-Vertreter erklären, wie auch die sogenannten Flüsterbremsen den Bahnverkehr leiser machen sollen. Bei den deutschen Zügen, erläutert der Fachmann, solle die Umrüstung bis 2020 abgeschlossen sein. Für ausländische Güterzugbetreiber gilt diese Regel freilich nicht, diese müssten dann aber mehr zahlen für die Gleisnutzung, erklärt der Experte. "Das nützt uns nichts, der Lärm ist trotzdem da", sagt eine Zuhörerin.

Doch auch andere Pläne beunruhigen Besucher des Dialognachmittags. So werden die beiden kleinen Bahnübergänge östlich der Gemeinde nahe des Weilers Haus künftig auch für Fußgänger nicht mehr passierbar sein. Dies sei sehr ärgerlich, sagt eine Markt Schwabenerin. Denn ohnehin sei an der Sägmühle wegen der durch den Eigentümer abgerissenen Brücke ein sehr beliebter Spazierweg nicht mehr nutzbar, nun gehe ein weiterer Weg am Ortsrand von Markt Schwaben verloren. Dass die Gemeinde das klaglos hinnehme, verwundere sie schon sehr, sagt sie.

Verkehr: Wie es mit dem Lärmschutz weiter geht, interessiert bei den Gesprächen mit den Bahn-Vertretern nicht nur die Betroffenen, sondern auch Bürgermeister Georg Hohmann.

Wie es mit dem Lärmschutz weiter geht, interessiert bei den Gesprächen mit den Bahn-Vertretern nicht nur die Betroffenen, sondern auch Bürgermeister Georg Hohmann.

(Foto: Christian Endt)

Der Weiterbau der Gleise nach Osten ist nur eine der Maßnahmen, die die Bahn in den kommenden Jahren in Markt Schwaben plant. So wird ein weiterer Bahnsteig nur für die S-Bahn gebaut, der Bahnhof wird außerdem barrierefrei umgestaltet. Die Beseitigung von Barrieren ist auch am Bahnhof der Nachbargemeinde Poing geplant, ansonsten wird dort zum Ärger von Lokalpolitikern im Gegensatz zu Markt Schwaben nichts passieren.

Obwohl die zusätzlichen Züge zwischen München und Markt Schwaben auch durch Poing fahren, ist dort weder ein Ausbau der Gleise noch zusätzlicher Lärmschutz geplant. Die Bahn begründet das damit, dass die Strecke durch Poing von vornherein für stärkeren Zugverkehr ausgelegt war und daher weitere Maßnahmen nicht notwendig seien.

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