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Verkehr:Strategien gegen den Stolpertakt bei der S-Bahn

Durch einen Tausch der Linien S4 und S6 auf dem Abschnitt wäre ein 20-Minuten-Takt möglich.

(Foto: Hinz-Rosin)

Die Stadt Grafing und das Landratsamt fordern Verbesserungen auf der Bahnstrecke zwischen Grafing-Bahnhof und Ebersberg

Von Wieland Bögel, Grafing/Ebersberg

Für Bahnpendler ist es ein ebenso vertrautes wie ärgerliches Ritual: Die Vorverlegung der Endstation nach Grafing-Bahnhof. Wenn die S-Bahn zu viel Verspätung hat, dreht sie bereits zwei Stationen eher um. Wer eigentlich nach Ebersberg wollte, darf sich bis zum nächsten Zug in die Kreisstadt in Grafing-Bahnhof die Zeit vertreiben. Und wer richtig Pech hat, trifft beim unfreiwilligen Stopp genau die 40-Minuten-Lücke zwischen zwei S-Bahnen. Beide Probleme wollen die Stadt Grafing und das Landratsamt nun angehen und haben sich mit Verbesserungsvorschlägen an die Bayerische Eisenbahngesellschaft und die Deutsche Bahn gewandt.

Geht es nach Landrat Robert Niedergesäß (CSU) könnten bereits mit dem Fahrplanwechsel im Dezember erste Verbesserungen greifen - zumindest an den Wochenenden. Niedergesäß schlägt vor, dazu die östlichen Abschnitte der Linien S4 und S6 zu tauschen. Derzeit befährt die S4 als reguläre Verbindung die Strecke zwischen Ostbahnhof und Ebersberg, die S6 ist auf der Strecke zu Stoßzeiten als Verstärkung eingesetzt. Dadurch ist im Berufsverkehr zwischen Ostbahnhof und Grafing Bahnhof ein 10-Minuten-Takt möglich.

Die Idee: ein durchgängiger 20-Minuten-Takt bis Ebersberg

Für die letzten drei Stationen auf der Linie ist das aber ein "schwer merkbarer 10-10-40 Minuten Stolpertakt", wie Niedergesäß in einer Pressemitteilung schreibt. Würde nun aber die S6 regulär bis Ebersberg fahren und die S4 nur zu Stoßzeiten den Verstärkerverkehr bedienen, wäre ein 20-Minuten-Takt bis Ebersberg möglich. Außerdem könnte man dadurch die S-Bahnen besser auf den Stundentakt des Filzenexpress abstimmen. Zum Fahrplanwechsel Ende 2017 soll der 20-Minuten-Takt dann auch Wochentags eingeführt werden.

Die Forderung nach einem 20-Minuten-Takt bis Ebersberg wurde kürzlich auch vom Grafinger Stadtrat formuliert. Auf Antrag der Grünen votierte das Gremium auch für weitere Verbesserungen. So soll die Bahn dafür Sorge tragen, dass es künftig nicht mehr zu den regelmäßigen Zugausfällen in Grafing-Bahnhof kommt. Außerdem wünscht man sich mehr Züge nach Wasserburg: Der Filzenexpress soll künftig alle 30 Minuten verkehren.

Auch an den Bahnübergängen gäbe es einiges zu tun

Dass diese Verbesserungen nicht so bald umzusetzen sind - zumindest nicht alle -, ist auch den Antragstellern klar. "Das ist sicher nichts, was in den nächsten Jahren kommt", so Grünen-Stadtrat Josef Biesenberger. Kurzfristig könne man aber etwa durch eine Verbesserung der Signaltechnik einen schnelleren Takt ermöglichen. Laut Biesenberger plant die Bahn ohnehin, das mehr als 40 Jahre alte Stellwerk in Grafing Bahnhof nachzurüsten - allerdings ist noch unklar wann dies geschieht, der Schienenkonzern setzt sich hier nämlich einen komfortablen Zeitkorridor von 18 Jahren. Aber wenn es einmal so weit ist, "sollten wir uns einklinken", so Biesenberger und deshalb bereits jetzt eine entsprechende Forderung stellen.

Für eine bessere S-Bahn-Verbindung gebe es "dringenden Handlungsbedarf", befand auch Thomas Huber (CSU), schon alleine aufgrund der Bevölkerungszunahme. Sein Fraktionskollege Sepp Carpus regte Verbesserungen an den Bahnübergängen an: "Wenn alle 20 Minuten die S-Bahn kommt und alle halbe Stunde der Filzenexpress, gehen die Schranken gar nicht mehr auf." Natürlich gehörten auch verbesserte Bahnübergänge zu dem Gesamtkonzept, so Biesenberger, genau wie ein Ausbau der Strecke, etwa mit einem Ausweichgleis. Allerdings gehe es zunächst um ein politisches Signal, dass an der Bahnlinie überhaupt etwas passieren soll. "Die Details wollten wir ganz bewusst noch nicht diskutieren." Dies hielt auch Gabriela Wischeropp (FW) für verfrüht: "Es muss keiner befürchten, in zwei Jahren geht die Schranke nicht mehr auf." Denn bis irgendetwas gebaut werde, "da sitzt schon der nächste Stadtrat hier - mindestens."

Im Landratsamt macht man sich bereits Gedanken, wie es in den kommenden Jahren weitergehen könnte. So ist für Niedergesäß der "Ausbau der Schieneninfrastruktur im Nadelöhr zwischen Grafing und Ebersberg unabdingbar". Nötig sei ein Begegnungsgleis. Auch die "Anforderungen zur Anbindung der Strecke nach Wasserburg" würden in den kommenden Jahren zunehmen, so Niedergesäß. Wünschenswert und notwendig sei hier der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung.

© SZ vom 03.06.2016/moo

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