Verkehr Theoretisch sicher

Die Glonner SPD will eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Ortsdurchfahrt von Schlacht. Doch für Tempo 30, Zebrastreifen und Ampeln fehlt es an Fußgängern - eine Erfahrung, die andere Kommunen auch machen.

Von Anja Blum, Glonn

"Das Problem ist, dass meist nicht erst die Straßen entstehen, und dann die Häuser, sondern anders herum." So bringt Dirk Anders, Verkehrsexperte der Ebersberger Polizei, eine Sorge auf den Punkt, die vielerorts Bürger, Gemeinden und Behörden beschäftigt: die Sicherheit von Kindern, Senioren oder Radfahrern im Bereich von Ortsdurchfahrten. Denn dort, wo größere Straßen auf Häuser treffen, stehen meist zwei Anliegen gegeneinander: Die Autofahrer wollen ihr Ziel zügig erreichen, die Anwohner sich vor ihrer Haustür möglichst sicher bewegen.

Für die hiesigen Staats- und Kreisstraßen sind das Landratsamt und das Straßenbauamt Rosenheim zuständig, jedoch in engen Grenzen: Per Gesetz hat hier der überörtliche Verkehr Vorrang, Tempo 50 in geschlossenen Ortschaften wird laut Anders grundsätzlich als für die Sicherheit aller Beteiligter ausreichend angesehen. "Das Ortsschild gibt den eindeutigen Hinweis, dass man als Autofahrer mit Menschen entlang der Fahrbahn rechnen muss", so der Polizeibeamte.

Ausnahmen von der üblichen Höchstgeschwindigkeit gibt es nur bei "besonderen Gefahrenlagen", das macht der Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung deutlich. "Aber das muss dann schon was Erhebliches sein, etwas, mit dem man als Autofahrer normalerweise nicht rechnet", sagt Anders und nennt als Beispiel einen Kindergarten direkt an der Straße.

Eine Diskussion über diese Regelung anstoßen will nun die Glonner SPD. Sie wird in der Gemeinderatssitzung an diesem Dienstag, 16. Dezember, um 19.30 Uhr die Gemeinde auffordern, eine Anfrage zur Ortsdurchfahrt Schlacht an die Staatsregierung zu stellen. Und zwar, ob in dem Ort, durch den die Staatsstraße 2079 Richtung Oberpframmern führt, eine Beschränkung auf Tempo 30 möglich ist, da nach der Sanierung eine besondere Gefährdung der schwächeren Verkehrsteilnehmer vorliege.

"Die Verbesserung der Fahrbahn führt dazu, dass durch den Ort noch schneller gefahren wird als bisher", heißt es in dem Antrag. Außerdem sei die kurvige Straße nirgends in beide Richtungen bis in die Ferne einsehbar. Ein schwerer Unfall sei bereits passiert. Mit einer Unterschriftenliste hatten 51 Bürger aus Schlacht einen Appell an den Gemeinderat gerichtet, für mehr Sicherheit entlang der Straße zu sorgen.

Die Glonner SPD ist der Meinung, dass auch gesetzliche Vorgaben im Einzelfall kritisch geprüft werden müssen. "Für uns stellt sich die Frage, ob die Definition von ,besonderen Gefahrenstellen' noch zeitgemäß ist", sagt Gemeinderätin Renate Glaser. Schließlich habe der Verkehr im ländlichen Raum stetig zugenommen, und die Bemühungen vieler Kommunen, durch Umgehungsstraßen Abhilfe zu schaffen, gingen oft zu Lasten kleiner Dörfer.

Autos und Lastwagen fahren durchaus reichlich durch den Glonner Ortsteil Schlacht. Allein an Fußgängern fehlt es.

(Foto: Christian Endt)

Schlacht sei neben Nettelkofen bei Grafing und Forstinning ein Beispiel dafür, "wie Bürger versuchen, sich gegen den zunehmenden Verkehr zur Wehr zu setzen und mehr Sicherheit einfordern". Deswegen empfehle die SPD dem Glonner Gemeinderat, sich an dem Prüfauftrag von Landrat Robert Niedergesäß zur gleichen Thematik in Nettelkofen zu orientieren. Niedergesäß möchte der Regierung von Oberbayern den Wunsch des Kreistags nach einer Temporeduzierung in dem Grafinger Ortsteil mitteilen und diese um eine Stellungnahme bitten.

Für die Errichtung einer Ampel oder eines Zebrastreifen gibt es laut Anders klare Vorgaben, entscheidend sind hier die Zahlen der Fahrzeuge und querenden Fußgänger. "Für einen Zebrastreifen zum Beispiel müssten es in einer Spitzenstunde zwei- bis dreihundert Autos und 50 Fußgänger sein, aber so viele haben wir in Schlacht nicht ansatzweise", erklärt der Verkehrsexperte. Und für eine Ampel müssten es noch mehr sein. Einfacher zu haben - zumindest gemäß dem Gesetz - wäre laut Anders eine Querungshilfe, also eine Insel in der Mitte für Fußgänger, da diese den Verkehr nicht behindern würde. Von der Gemeinde Glonn wurde auch bereits beim Straßenbauamt in dieser Richtung angefragt.

Doch bei Querungshilfen gibt es - abgesehen von den Kosten - ein anderes Problem, nämlich, dass dafür die Straße verbreitert werden, also Grund zur Verfügung stehen muss. Doch der ist in Schlacht nicht vorhanden, das heißt, er ist bereits verbaut oder in Privatbesitz. Diese Situation verhindert dort auch den durchgängigen Ausbau der Gehwege. "So ist es oft: Keiner will etwas von seinem Grund hergeben, aber alle schreien nach der Behörde, dass sie etwas unternehmen soll", sagt Anders. Dabei ist er sich sicher: "Bloß Schilder helfen nicht. Wenn, muss man die Straße so verlegen, dass man dort nicht mehr schneller als 30 fahren kann." Aber auch dafür bräuchte man: deutlich mehr Platz.