Verkehr in Vaterstetten:Total blockiert

Verkehr in Vaterstetten: Vor zwölf Jahren wurde die Einbahnregelung in der Johann-Strauß-Straße am Gymnasium eingeführt - nun soll sie wieder aufgehoben werden.

Vor zwölf Jahren wurde die Einbahnregelung in der Johann-Strauß-Straße am Gymnasium eingeführt - nun soll sie wieder aufgehoben werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Über die künftige Verkehrsregelung vor dem Vaterstettener Gymnasium gibt es viel Dissens - am Ende entscheidet wohl das Landratsamt

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

In dem Wort "Verkehrsberuhigung" steckt ja auch die Beruhigung drin - genau das Gegenteil war nun im Gemeinderat zu beobachten, als es um eben dieses Thema ging: Konkret um die Frage, welches Verkehrskonzept man für die Johann-Strauß-Straße im Bereich Gymnasium, Kindergarten und Bücherei umsetzen soll. Damit hatte sich auch bereits ein Arbeitskreis befasst - dessen Empfehlung wollte die Verwaltung indes nicht folgen, auch das trug nicht unbedingt zur Beruhigung der Debatte bei.

Hintergrund ist, dass die derzeit geltende Verkehrsregelung auf der Johann-Strauß-Straße nicht beibehalten werden kann. Im Jahr 2009 war diese, um die Sicherheit für die Schul- und Kindergartenkinder zu verbessern, zur Einbahnstraße gemacht worden, seitdem darf der Autoverkehr dort nur noch in Richtung Westen unterwegs sein. Nun plant die Gemeinde, ihr Busangebot auszuweiten, dafür ist es aber nötig, dass die Johann-Strauß-Straße in beide Richtungen befahrbar ist. Außerdem, so Bauamtsleiterin Brigitte Littke in der Sitzung, sei die Einbahnstraße damals vom Landratsamt nur als Provisorium genehmigt gewesen, die Behörde habe die Gemeinde bereits darauf hingewiesen, dass diese Genehmigung längst ausgelaufen sei. Die Verwaltung schlug darum vor, die Einbahnregel aufzuheben, der Radweg und die "Kiss-and-Ride-Spur" für den Hol-und-Bringdienst zum Gymnasium solle abgebaut und die Straße insgesamt als Fahrradstraße aber mit Autoverkehr gewidmet werden.

Dies sei genau die Lösung, welche der Arbeitskreis auf gar keinen Fall umgesetzt haben wollte, zeigte sich Josef Mittermeier (SPD) sichtlich verärgert. Es sei doch das Ziel gewesen, eine für alle Betroffene annehmbare Lösung zu finden, er nannte den Verwaltungsvorschlag "einen Affront gegen den Arbeitskreis". Denn dieser hatte ein komplettes Durchfahrtsverbot für den motorisierten Verkehr zwischen Gymnasium und Kindergarten gefordert, Ausnahmen sollten für Linienbusse und Lieferverkehr gelten. Auch die Grünen sprachen sich für eine solche Sperrung aus, wenn man schon eine Fahrradstraße einrichte, so Elisabeth Mundelius, dann eine "echte", also ohne Autos.

Dass man sich mit dem Vorschlag über die Wünsche der Nutzer hinwegsetze, sei nicht ganz richtig, wandte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) ein. Denn seitens der Anwohner und der Feuerwehr habe es durchaus kritische Stellungnahmen zum kompletten Durchfahrtsverbot gegeben. Auch Landratsamt und Polizei seien sich da "ausnahmsweise einig", so Littke auf Nachfrage von Renate Will (FDP), auch diese sähen eine Vollsperrung am Gymnasium kritisch. "Das Landratsamt stellt sogar in Frage, dass wir da eine Fahrradstraße mit Autoverkehr machen dürfen", so der Bürgermeister.

Nicht zuletzt würde die komplette Sperrung erhebliche Kosten verursachen. Nur Schilder aufzuhängen würde nicht reichen, man müsste die Straße auch entsprechend umbauen - was etwa 1,4 Millionen Euro kosten werde. Damit habe sich die Sache doch eigentlich erledigt, befand Michael Niebler (CSU). Denn angesichts der angespannten Haushaltslage eine solche Maßnahme zu beschließen, "das ist unehrlich", schließlich sei die Umsetzung auf Jahre hinaus nicht möglich. "Es ist doch allen klar, dass man es nicht sofort umbaut", wandte Mittermeier ein - was indes offenbar nicht auf alle Gemeinderatsmitglieder zutrifft. "Wenn wir jetzt den Zwei-Richtungs-Verkehr beschließen, müssen wir auch die Sperrung beschließen", so David Göhler (Grüne), diese nachträglich einzuführen, würde nicht funktionieren: "Dann haben sich alle eingewöhnt und keiner hält sich dran."

Man solle das Ganze zurückstellen und bis zur Septembersitzung einen Kompromissvorschlag finden, schlug Niebler vor, "bevor wir heute einen Schnellschuss machen". Dies sei wegen der Buslinien nicht möglich, bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember soll die Linie 466 in beiden Richtungen durch die Johann-Strauß-Straße fahren, darum müsste die Einbahnregel zwingend aufgehoben werden, so der Bürgermeister, "vorher darf keiner heimgehen". Dann habe man aber wieder genau die gleiche gefährliche Verkehrssituation wie vor 2009, wandte Felix Edelmann (Grüne) ein. "Das Problem hier ist, dass jeder ein bisschen Recht hat", sagte Dritter Bürgermeister Roland Meier (FW). Er schlug vor, zwar ein Durchfahrtsverbot zu verhängen, aber nur in der Früh, wenn die meisten Schul- und Kindergartenkinder dort unterwegs sind.

Für SPD und Grüne war das indes keine Option, so dass am Ende über beide Vorschläge abgestimmt wurde. Jeweils mit zwölf zu 18 Stimmen wurde die ganztägige Komplettsperre am Gymnasium abgelehnt und jene zwischen 7.30 und 9 Uhr angenommen - vorbehaltlich, dass Polizei und Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt keine Einwände dagegen haben.

© SZ vom 24.07.2021
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