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Verkehr in Ebersberg:Ist weniger mehr?

Das sogenannte Hölzerbräu-Areal in der Kreisstadt Ebersberg. Darunter soll eine Tiefgarage entstehen.

(Foto: Christian Endt)

Ein Stadtentwickler aus München schlägt vor, die Parkplätze im Ebersberger Innenraum zu reduzieren. Anstoß für eine Debatte im Technischen Ausschuss

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Der Mangel an Parkplätzen in der Kreisstadt ist seit Jahren streitbares Thema in Ebersberg. Ein Entwickler für Stadt und Verkehrskonzepte hat nun einen Vorschlag unterbreitet, wie sich die Situation verbessern soll. Der Ansatz von "Stattbau München" dürfte nicht wenige überraschen: Statt die Anzahl an Parkplätzen im Innenbereich der Kreisstadt zu erhöhen, soll sie reduziert werden. Der Ansatz - weniger Autos, weniger Parkplätze - ist Teil eines "Mobilitätskonzeptes". Ein Berater der Münchner Entwickler präsentierte die Idee am Dienstagabend im Technischen Ausschuss des Ebersberger Stadtrats - und stieß damit eine Debatte an.

Stattbau München setzt sich zum Ziel, Siedlungen so umzufunktionieren, dass dort weniger Auto gefahren wird. Berater Christian Bitter präsentierte die Möglichkeiten: Ein effektiverer öffentlicher Nahverkehr, stationäre Car-Sharing-Angebote, eine Wechselnutzung von Stellplätzen oder die Bereitstellung von öffentlichen Lastenfahrrädern. "Es ist kein autofreies Konzept", so Bitter. Wenn aber die Alternativen besser, effektiver und mehr werden - so der Ansatz - sinkt die Anzahl an Autos, die in der Innenstadt unterwegs sind und dort einen Parkplatz brauchen.

Konkret geht es um das sogenannte Hölzerbräu-Areal mit gleichnamiger Hotel-Gaststätte und weiteren Wohn- und Geschäftshäusern. Hierzu hatte die Stadt Ebersberg einen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben und drei Preisträger gekürt. Ziel des Mobilitätskonzeptes ist es nun, die für das Vorhaben der Architekten notwendige Anzahl an Stellplätzen zu ermitteln. So soll unter das Hölzerbräu-Gebiet eine Tiefgarage gebaut werden.

Dem aktuellen Stellplatzschlüssel der Stadt nach müssten dort 195 Parkplätze entstehen. Mit seinem Konzept, so Bitter, könnten 143 eingeplant werden - also 52 Parkplätze weniger. In der Kreisstadt sind laut Ebersberger Stellplatzschlüssel derzeit 1,5 Parkplätze pro Wohneinheit nötig. Laut Konzept besteht die Chance, diese Quote auf 1,3 oder gar 1,2 zu drücken. Neben festen Car-Sharing-Standorten sei demnach auch ein Parkplatz-Sharing denkbar. Tagsüber parkt der Gewerbetreibende, nach Feierabend der Anwohner.

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss nannte Stadtplaner Bitter Referenzen, darunter die Stadt München und die Gemeinden Holzkirchen (Kreis Miesbach), Gauting (Kreis Starnberg) und Garching (Kreis München), wo Stattbau bereits aktiv ist. Inwieweit Teile der dortigen Konzepte vergleichbar mit den Möglichkeiten in der Kreisstadt Ebersberg sind, wurde in der Sitzung am Dienstagabend nicht restlos geklärt.

Deutlich wurde hingegen, dass die Parkplatz-Situation in der Stadt seit Jahrzehnten ein Politikum ist. Wenig überzeugt vom Konzept zeigte sich CSU-Stadtrat Josef Riedl: Er sehe Schwierigkeiten, das Park- und Mietmanagement organisiert zu bekommen. "Alle Wohnstraßen in Ebersberg sind überfüllt mit geparkten Autos." Das Homeoffice in der Coronazeit verstärke dieses Problem aus seiner Sicht. "Es gibt überall Streitigkeiten wegen den Räumen für Parkflächen." Riedls Prognose: "Es wird nicht funktionieren."

Die Gegenrede kam von SPD-Stadtrat Christoph Münch. Er sehe im Konzept von Stattbau ein "innovatives und fast schon visionäres Projekt", so Münch. "Das ist für Ebersberg etwas Neues." Das Phänomen Homeoffice trage aus seiner Sicht eher dazu bei, dass weniger gefahren und geparkt werde, so Münch. Seine Einschränkung: "Die bisherigen Erfahrungen und Referenzen beziehen sich auf etwas anderes."

Gerd Otter (Pro Ebersberg) und Alexander Gressierer (CSU) wogen Chancen und Risiken ab. "München ist nicht vergleichbar mit Ebersberg", so Otter. Die Flexibilisierung der Stellplätze halte er hingegen für "einen guten Ansatz". Gressierer sagte:

"Setzen wir uns doch mit diesen Konzepten auseinander und probieren aus, wie das in Ebersberg funktioniert ohne so drastisch in die Stellplatzfrage einzugreifen."

Beschlossen wurde nichts. Der Ebersberger Bürgermeister Uli Proske (parteilos) kündigte an, dass das Thema im Februar erneut behandelt werde.

© SZ vom 14.01.2021
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