bedeckt München
vgwortpixel

Verhandlung am Landgericht:Im Wahn Laster auf B 304 entführt

Junger Mann muss wohl länger in der Psychiatrie bleiben

Zur Zeit baut Valentin E. Laster für einen Spielzeughersteller zusammen. Er tut das im Rahmen einer Arbeitstherapie im Isar-Amper-Klinikum in Haar, wo er in einer geschlossenen Abteilung einstweilig untergebracht ist. Spielzeuglaster, stellt Richter Martin Hofmann, der Vorsitzende der 3. Strafkammer am Landgericht München II, am Dienstagmorgen fest und meint: "Das passt ja." In der Tat. Gegen 4 Uhr am Morgen des 27. Mai dieses Jahres stellte Valentin E. (23) ein Umleitungsschild mitten auf die Straße der Kreuzung der B 304/Karl-Böhm-Straße. Kurz danach kam ein Laster. Allerdings kein Spielzeuglaster, sondern ein Sattelzug. Am Steuer saß der 30-jährige Kevin K. Er musste wegen des Schildes anhalten. Valentin E. ging in diesem Moment auf die Beifahrerseite und versuchte die Türe zu öffnen. Da es ihm nicht gelang, kletterte er auf das Dach des Führerhauses.

Valentin E. stand zu diesem Zeitpunkt unter dem Einfluss von Drogen. Kurz vor dem Vorfall war er aus dem Isar-Amper-Klinikum ausgebrochen, wo er wegen seiner Drogensucht behandelt wurde. Nach Einschätzung von Ärzten durchlebte er zum Zeitpunkt der Tat eine manische Phase. Da er deshalb strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, geht es in dem Prozess um die Frage, ob E. auf unbefristete Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss.

Nachdem der Elektro-Helfer auf das Dach des Sattelzuges gestiegen war, eskalierte die Situation und es kam zu einem größer angelegten Polizeieinsatz. Zwei Streifenbeamte wurden auf den 23-Jährigen aufmerksam. Sie sprachen ihn an. E. sagte zu ihnen unter anderem, dass er von der NSA sei und warf Sand auf die Beamten, den er zuvor auf einem Kinderspielplatz eingesteckt hatte. Als daraufhin einer der Polizisten nach seinem Pfefferspray griff, um sich zu schützen, drohte der Elektro-Helfer, er werde schießen, sollte er besprüht werden. Außerdem kündigte er an, er werde auch dann schießen, sollte der Lkw nicht losfahren. In diesem Augenblick formte E. die Finger seiner rechten Hand zu einer Pistole. Da er einen schwarzen Lederhandschuh trug, glaubten die Polizisten tatsächlich, dass es sich um eine Pistole handelt. "Wenn der Lkw nicht weiterfährt, schieße ich", drohte Valentin E. ein weiteres Mal. Einer der Beamten zog seine Dienstwaffe. Gemeinsam zogen sie sich zurück und suchten Deckung hinter ihrem Einsatzwagen. Doch die Situation eskalierte weiter.

Valentin E., der sich noch immer auf dem Dach des Führerhauses befand, beugte sich zum Beifahrerfenster hinunter und fuhr den Fahrer Kevin K. an mit den Worten: "Fahren oder schießen." Der 30-Jährige legte aus lauter Angst den Gang ein, fuhr los, erhöhte das Tempo auf circa 50 Kilometer in der Stunde. Während der Fahrt hatte sich Valentin E. noch einmal zum Beifahrerfenster hinunter gebeugt und gedroht: "Fahren oder schießen." Der Sattelzug legte eine Strecke von etwa acht Kilometern zurück. Dann wurde er von mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten gestoppt. Valentin E. konnte festgenommen werden. "Sie hatten Glück", sagte Richter Hofmann zu dem 23-Jährigen. Er könne sich bei den Polizisten bedanken. Sie hätten ihn auch "runterpusten können." Valentin E. räumte die Tat über seinen Verteidiger Berthold Braunger ein. Konkrete Erinnerungen daran hat er nicht. Ein Urteil in dem Prozess wird noch in dieser Woche erwartet.