Verärgerte Kunden Aufzug in Grafing-Bahnhof ist seit drei Wochen defekt

Ein Fahrgast drückt vergeblich. Der Aufzug in Grafing-Bahnhof ist zwischen den Geschossen stecken geblieben und funktioniert nicht mehr. Für Reisende, die nicht gut Treppen steigen können, ist das ein Problem.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Für Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen wird die Treppe vom Tunnel zum Gleis zum Hindernis. Warum? Die Bahn lässt sich mit ihrer Antwort Zeit.

Von Daniela Gorgs, Grafing

Für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, einen Kinderwagen oder Rollator bei sich haben, gehbehindert oder mit schwerem Gepäck unterwegs sind, gerät der Tunnel in Grafing-Bahnhof derzeit zur Falle. Der Aufzug, der zur Ausgangsebene führt, ist defekt. Eine Treppe, die vom Tunnel nach oben führt, wird zum nahezu unüberwindbaren Hindernis, wenn sich nicht hilfsbereite Passanten finden.

Rolf Baumann begleitet nicht nur die 93-jährige schwer gehbehinderte Mutter der Taglachinger Wirtin zwei- bis dreimal die Woche zum Gleis zwei und drei. Wenn er in Grafing-Bahnhof ist, bietet er auch anderen Reisenden, die sich mit Treppensteigen schwer tun, seine Schulter an, trägt Rollatoren hinauf oder hinunter und packt bei Kinderwagen mit an. Vor drei Wochen schrieb er die Bahn an, um den defekten Aufzug zu melden und zu beschreiben, wie mühsam es etwa für eine 93-jährige Frau sei, die Treppen mit Krücken zu bewältigen. Er fragte die Bahn, wann dieser "unhaltbare Zustand" beendet werde.

Weil Baumann außer einer automatisch erstellten Eingangsbestätigung keine Antwort erhielt, hakte er in den vergangenen Wochen noch ein zweites und ein drittes Mal nach. Wieder hieß es von Seiten der Bahn nur: "Vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir werden uns schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung setzen und Ihre Anfrage gerne beantworten."

Wenn man mit Baumann über das Thema spricht, hört man eine Mischung aus Ohnmacht, Hilflosigkeit und Zorn in seiner Stimme. Er übt Kritik an der Deutschen Bahn als Betreiberin der Einrichtungen. Er ist wütend über den Umgang mit ihm als Kunden. Er fühlt sich nicht ernstgenommen. "Eine automatische Antwort und mehr nicht. Über mehrere Wochen", klagt er. "Das ist ignorant." Seine Empörung ist groß. Wie es in der heutigen Zeit möglich sein könne, dass ein Aufzug so lange ohne Reparatur bleibe, fragt sich Baumann.

Laut Bahn beginnen die Reparaturarbeiten kommende Woche

Eine Antwort dazu gibt die Bahn: Ein Sprecher der DB Bayern sagt, die Bahn arbeite mit drei Aufzugsfirmen zusammen, deren Auftragsbücher wegen des Baubooms gut gefüllt seien. Kleinere Reparaturen könne die Bahn innerhalb von 48 Stunden noch selbst in die Hand nehmen. Wenn es technisch aufwendig sei oder Ersatzteile bestellt werden müssten, sei die Bahn auf die Aufzugsfirmen angewiesen, eine schnelle Abhilfe könne man nicht garantieren. Die Instandsetzung wie jetzt in Grafing-Bahnhof dauere dann mehrere Wochen.

Wie der Bahn-Sprecher versichert, werden die Reparaturarbeiten in der kommenden Woche beginnen und hoffentlich auch abgeschlossen. Die Bahn entschuldigt sich für die Verzögerung bei ihren Fahrgästen und empfiehlt im Falle einer Störung, den Kundendialog telefonisch zu benachrichtigen. Wer ein Android-Smartphone oder iPhone hat, kann zudem mit der App "Bahnhof live" sehen, ob es an Bahnhöfen Rolltreppen und Aufzüge gibt und ob sie gerade funktionieren.

Rolf Baumann schmunzelt. Ob ein älterer Mensch, der kein Handy hat, das leisten könne, bezweifelt er. Ein Rollstuhlfahrer etwa, der mit der S-Bahn am Gleis 2 ankommt und mit dem Aufzug hinunterfährt, sitzt dann im Tunnel erst einmal in der Falle. Vielleicht ist es generell zielführender und empfehlenswerter, die Grafinger Bürgermeisterin zu kontaktieren, wenn ein Aufzug nicht mehr funktioniert. Angelika Obermayr (Grüne) sagt, sie habe einen "guten Draht" zur Bahn und erreiche dort auch zur Not jemanden außerhalb der Geschäftszeiten.

Auch weiß die Bürgermeisterin, dass der barrierefreie Ausbau am Regionalbahnsteig, Gleis vier und fünf, für das kommende Jahr geplant ist. Auf der Webseite www.bahnausbau-muenchen.de wird der Beginn des 4,5-Millionen-Bauprojekts für März 2019 angekündigt. Von kommendem Juli an kann die Mutter der Taglachinger Wirtin dann auch mit dem Meridian nach Grafing reisen und von Gleis vier mit dem Aufzug hinunter fahren.

Und bevor es kalt wird, so verspricht die Bahn, wird auch der Kiosk wieder geöffnet sein. Eine neue Pächterin, die dort eine Verkaufstelle für Fahrkarten anbietet und auch Kaffee für wartende Reisende, sei bereits gefunden, teilt die Bahn mit. Nach dem Umbauten der Räume fehlt nur noch die brandtechnische Abnahme. Diese soll zeitnah erfolgen.

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