Mitten in VaterstettenSeid Ihr alle da?

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Ganz so menschenleer wie auf diesem Bild ist Vaterstetten zwar nicht, aber in der Großgemeinde leben weniger Leute als bislang angenommen, zumindest offiziell.
Ganz so menschenleer wie auf diesem Bild ist Vaterstetten zwar nicht, aber in der Großgemeinde leben weniger Leute als bislang angenommen, zumindest offiziell. Christian Endt

In Vaterstetten ist man unzufrieden mit dem Ergebnis des Zensus, denn daraus ergibt sich in doppelter Hinsicht ein dickes Minus.

Glosse von Wieland Bögel, Vaterstetten

Im Wilden Westen war das Ortsschild mit den nach dem jüngsten Austausch von blauen Bohnen nach unten korrigierten Einwohnerzahlen bekanntlich an der Tagesordnung, das kann man beispielsweise in den Lucky Luke-Comics nachlesen. Nun liegt Vaterstetten zwar ebenfalls im Westen, nämlich jenem des Landkreises Ebersberg, Schießereien im Saloon sind dort allerdings auch mangels letzterem keine überliefert. Dennoch wurden auch in der Großgemeinde kürzlich und sehr plötzlich die Einwohnerzahlen nach unten korrigiert – worüber man sich in Vaterstetten erst gefreut hat, dann aber doch wieder nicht.

Auslöser für Freude und auch Enttäuschung ist der im vorvergangenen Jahr abgehaltene Zensus. Demnach wohnten in der Gemeinde Vaterstetten zum Jahresende 2022 genau 24 250 Leute. Damit kommt man um eine Aufgabe herum, die Kommunen ab 25 000 Einwohnern übertragen wird: der Unterhalt von Durchgangsstraßen.

Straßen in Vaterstetten
:Immobilie in bester Lage - und mit Sanierungsbedarf

Im kommenden Jahr wird die Großgemeinde um mehr als sieben Kilometer Straße reicher - das könnte sie deutlich ärmer machen. Es gibt allerdings einen positiven Nebeneffekt.

Von Wieland Bögel

Anfang des Jahres hatte es noch so ausgesehen, als ob die Gemeinde künftig für die Pflege der gut 7,3 Kilometer Kreis- und Staatsstraßen bezahlen müsste. Laut Vorausberechnungen hätten nämlich zum Stichtag 25 530 Personen in der Großgemeinde ihren Wohnsitz gehabt. Was, so rechnete es die Verwaltung damals vor, mit erheblichem Mehraufwand verbunden wäre: Mindestens eine zusätzliche Vollzeitstelle im Bauhof und eine halbe Stelle im Rathaus seien rein rechnerisch mit der Durchgangsstraßenpflege verbunden, sonstige Kosten für Teer, Schotter und Maschinen noch nicht eingerechnet.

Darum war die Erleichterung erst einmal groß, als Ende Juni dann das Endergebnis des Zensus vorlag, eben mit der um 1280 nach unten korrigierten Einwohnerzahl. Dass diese Zahlen mit der aktuellen Realität nicht übereinstimmen, wurde schon damals ganz offen von der Verwaltung kommuniziert: Zum Frühsommer 2024 ergäbe sich laut Einwohnermeldeamt eine Zahl um die 26 000, was aber egal sei, denn nur der Zensus zählt und das für das kommende Jahrzehnt.

Demografie
:Zu klein für große Straßen

Der aktuelle Zensus bringt für Vaterstetten eine gute Nachricht: Die Bevölkerungszahl ist niedrig genug, um eine Menge Geld zu sparen.

Von Wieland Bögel

Und genau das bringt für die Gemeinde auch Nachteile, wie Kämmerer Markus Porombka in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorrechnete: Weil in Vaterstetten nicht nur weniger, sondern auch in vielen anderen Städten und Gemeinden mehr Menschen wohnen, als bislang angenommen, fallen die Schlüsselzuweisungen künftig ein gutes Stück geringer aus. Um die 1,3 Millionen Euro im Jahr weniger als bisher könnte Vaterstetten vom Freistaat bekommen – da hätte man lieber die Straßen übernommen.

Man suche zwar nach möglichen Ursachen dafür, dass die offizielle Datenlage derart von jener im Einwohnermeldeamt abweiche, so Porombka weiter, gefunden habe man aber noch keine. Ohnehin seien Klagen gegen das Zensusergebnis „so gut wie aussichtslos“. Schade, dass der Landkreiswesten halt nicht ganz so wild ist, sonst hätte man das Problem ganz einfach mit etwas Pinseleinsatz am Ortsschild lösen können.

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