Verkehr in VaterstettenOrtskern mit Risiko

Lesezeit: 3 Min.

Die Kreuzung zwischen Dorf-, Fasanen- und Carl-Orff-Straße ist nicht besonders übersichtlich. Nun gibt es einen neuen Anlauf, die Verkehrssituation zu entschärfen.
Die Kreuzung zwischen Dorf-, Fasanen- und Carl-Orff-Straße ist nicht besonders übersichtlich. Nun gibt es einen neuen Anlauf, die Verkehrssituation zu entschärfen. Peter Hinz-Rosin

Alle Fraktionen im Vaterstettener Gemeinderat fordern mehr Sicherheit an der Kreuzung beim Maibaum - doch umsetzen können sie es nicht

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

SZ bei Google bevorzugen

Dass sich die Großgemeinde manchmal schwer tut, geht es um ihre Mitte, ist bekannt. Die aktuellen Schwierigkeiten mit der Mitte haben aber ausnahmsweise nichts mit dem Umbau des Platzes vor dem Rathaus zu tun, sie bestehen ein paar Hundert Meter weiter nördlich. Dort, an der Kreuzung beim Maibaum, lag früher, als Vaterstetten noch ein kleines Dorf war, das Ortszentrum. Die Straße heißt bis heute noch Dorfstraße. Nun, da Vaterstetten eine große Gemeinde ist, liegt dort ein Problem.

2009 gab es neue Verkehrsinseln

Dieses beklagt man in Vaterstetten bereits seit einiger Zeit, seitens der Gemeinde wünscht man sich mehr Sicherheit für Radler und Fußgänger. Doch die Dorfstraße ist gleichzeitig die Kreisstraße EBE 17, weshalb sämtliche Umbauten mit dem Landkreis abzustimmen sind. Im vorvergangenen Jahrzehnt gab es den bislang letzten erfolgreichen Anlauf, die Kreuzung zwischen Dorf-, Fasanen- und Carl-Orff-Straße sicherer zu machen: 2009 war das, damals einigten sich Landkreis und Gemeinde auf den Einbau zusätzlicher Verkehrsinseln.

Was vielen in Vaterstetten indes nicht reicht. Zehn Jahre später gab es die Anfrage eines Bürgers ans Landratsamt, ob man die Kreuzung entweder mit einer Ampel versehen oder gleich zu einem Kreisverkehr umbauen könnte. Denn im aktuellen Zustand sei die Kreuzung durch die unübersichtliche Einfahrt für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich, es sei auch bereits zu Unfällen gekommen. Beim Landratsamt stufte man indes die Straße als nicht gefährlich genug ein. Ein Ortstermin im Juni 2020 mit Vertretern von Polizei, Staatlichem Bauamt und der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes habe ergeben, dass die Kreuzung kein Unfallschwerpunkt sei.

Die Fraktionen werden in ihrem Antrag recht deutlich

In der Bürgerversammlung im vergangenen Monat kam dazu dann allerdings Widerspruch - den die Fraktionen des Vaterstettener Gemeinderates offenbar teilen. Denn im aktuellen Bau- und Straßenausschuss stand ein gemeinsamer Antrag von CSU, Grünen, SPD, Freien Wählern und FDP auf der Tagesordnung, in dem die 2019 gestellte Anfrage des Bürgers aufgegriffen und noch erweitert wird. Das gemeindliche Bauamt soll mit dem Landratsamt in Kontakt treten, um verschiedene Maßnahmen an der Kreuzung zu prüfen. Zum einen, ob und wie ein Umbau zum Kreisverkehr besonders für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer die Sicherheit erhöhen kann und welche Art von Kreisel an der Stelle am besten geeignet sein könnte. Aber auch andere Möglichkeiten, etwa die Ampel, sollen geprüft werden.

In ihrer Begründung werden die Fraktionen sehr deutlich: "Wir sind als gewählte Vertreter verpflichtet, Missstände, zumal wenn sie zur Gefährdung von Leib und Leben führen, abzustellen." Denn entgegen der Einschätzung von Landratsamt und Polizei sei die Kreuzung durchaus gefährlich: "Solche Situationen kann man jeden einzelnen Tag dort erleben. Bürgerinnen und Bürger setzen sich beim Überqueren der Kreuzung immer wieder einer erheblichen Unfallgefahr aus."

Eine Untersuchung der Verwaltung scheint dies zumindest teilweise zu bestätigen. Das Rathaus hatte bei der Polizei nachgefragt, wie viele Unfälle sich an der Maibaumkreuzung in den vergangenen fünf Jahren ereignet hatten. Drei gab es demnach 2017, bei einem davon wurde ein Motorradfahrer schwer verletzt, bei den anderen beiden blieb es bei Sachschäden. Ebenso wie bei den zwei Unfällen 2018, im Folgejahr krachte es an der Kreuzung vier Mal, eine Person wurde leicht verletzt. Vergangenes Jahr gab es zwei Unfälle, bei einem verletzte sich ein Radler schwer - allerdings sei er "alleinbeteiligt gestürzt". Nicht so aber jener Radfahrer, der heuer an der Stelle in einen Unfall verwickelt und schwer verletzt wurde.

Der Umbau soll ergebnisoffen geprüft werden

Das Landratsamt schätze die Unfallgefahr als zu niedrig ein, sagte daher Benedikt Weber (CSU), als er den Antrag im Ausschuss vorstellte. Darum solle man im Frühjahr erneut eine Verkehrsschau mit den Zuständigen machen. Außerdem solle man den Maibaum- und den Veteranenverein - das Kriegerdenkmal befindet sich ebenfalls an der Kreuzung - einbeziehen, um den Umbau auch optisch ansprechend zu gestalten. Dies begrüßte Zweite Bürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD), welche die Sitzung leitete. Mehr Verkehrssicherheit an der Stelle sei unbedingt nötig - allerdings sei die Kreuzung eben auch "so was wie unser historischer Ortskern", weshalb ein Kreisel vielleicht nicht die beste Lösung sei - und zudem "für Radfahrer oft ein Nachteil".

Weiter südlich, wo die Dorfstraße dann Möschenfelder Straße heißt, ist bereits ein Kreisel geplant.
Weiter südlich, wo die Dorfstraße dann Möschenfelder Straße heißt, ist bereits ein Kreisel geplant. Peter Hinz-Rosin

Auch die Kosten sprächen eher für eine andere Maßnahme, sagte Bauamtsleiterin Brigitte Littke. Im Straßenbau-Budget für 2022 seien zunächst 50000 Euro für Planungskosten eingestellt - würde aber ein Kreisel gebaut, könnte das sehr viel mehr kosten: Littke erinnerte daran, dass die Gemeinde auch den an der Kreuzung Möschenfelder und Zugspitzstraße geplanten Kreisverkehr finanzieren müsse, Kostenpunkt etwa 900000 Euro. Ob und wie viel die Gemeinde am Ende aber zahlen muss, hängt nun davon ab, wie man sich mit dem Landkreis einigt. Den Versuch, dies zu tun, beschloss der Ausschuss ohne Gegenstimmen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

SZ Stellenmarkt
:Entdecken Sie attraktive Jobs

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: