Eine seit gut vier Jahrzehnten andauernde Vaterstettener Kontroverse könnte an diesem Donnerstag ihr Ende finden: Jene um die Ortsumfahrung für Parsdorf und Weißenfeld. Im Gemeinderat steht dann eine Vorlage des Bauamtes zur Abstimmung, diese ist bereits auf der Website der Gemeinde eingestellt und empfiehlt den Gemeinderatsmitgliedern, den Bau der Straße abzulehnen.
Eine Verkehrsentlastung für die nördlichen Ortsteile der Großgemeinde ist seit Ende der 1980er Jahre im Gespräch. Damals ging es allerdings vor allem um Weißenfeld, geplant war eine Umgehung für die Kreisstraße EBE 4, diese sollte in einem Bogen südlich um Weißenfeld herumführen. Der Kreistag stimmte zwar zu, wegen der hohen Kosten – eine damalige Schätzung nannte hier mindestens acht Millionen Mark – blieb die Straße indes auf der Warteliste.

Vaterstettener Umfahrung:Der lange Weg nach Westen
Eine Umgehungsstraße für Vaterstetten steht seit Jahrzehnten auf der Agenda
Im Juni 2007 überraschte der damalige Vaterstettener Bürgermeister und jetzige Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) mit einer neuen Idee: Die Gemeinde baut für den Landkreis eine neue Kreisstraße, eben diese Umgehung, und zwar auch für Parsdorf, wo gerade die Vorbereitungen für das neue Gewerbegebiet liefen. Die Gemeinde handelte bei dessen Investor einen Straßenbauzuschuss von 4,5 Millionen Euro heraus.
Aber nur, wenn zumindest der Parsdorfer Abschnitt bis Ende 2023 „unter Verkehr“ ist. Erst im vergangenen Dezember endete das Verfahren um den Planfeststellungsbeschluss – gewissermaßen die Baugenehmigung für die Straße – als die letzten Klagen zurückgezogen wurden, da war der Zuschuss längst verjährt. Geklagt hatte zeitweise die Nachbargemeinde Feldkirchen, dort fürchtete man mehr Verkehr auf den eigenen Straßen, sowie einige Grundeigentümer. Denn im Falle eines gültigen Beschlusses ist eine Besitzeinweisung möglich, das ist zwar keine Enteignung, aber ein unfreiwilliger Verkauf.

Verkehr im Landkreis:Gericht macht den Weg frei
Das Verfahren rund um die Umgehung Parsdorf-Weißenfeld endet nach knapp fünf Jahren im Sinne der Gemeinde Vaterstetten – wann und ob überhaupt gebaut wird, bleibt aber unklar.
In der Sitzung am Donnerstag wird das Bauamt dem Gremium vorschlagen, die erst vor einem halben Jahr erstrittene Baugenehmigung für die Straße zurückzugeben. Denn inzwischen haben sich die Baukosten auf rund 44 Millionen Euro verdoppelt, der Gemeindeanteil läge laut Bauamt bei mehr als 25 Millionen. Zudem scheint es eine für Vaterstetten kostenneutrale Option zu geben, zumindest für eine Weißenfelder Umgehung. Hintergrund ist die Sanierung und Verbreiterung der A99. Dafür muss die EBE 4, die in Feldkirchen M 18 heißt, verlegt werden. Bereits vor zwei Jahren hatte die Autobahn GmbH Varianten dazu vorgestellt, eine davon kommt der alten Weißenfelder Südschleife sehr nahe. Allerdings kann diese nur gebaut werden, wenn Vaterstetten seine eigene EBE 4-Umfahrung nicht umsetzt.

