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Vaterstetten:Ein bisschen Maut

Von der Anschlussstelle Haar bis nach Vaterstetten müssen Zwölftonner ab sofort zahlen.

(Foto: Christian Endt)

Die Bundesstraße 304 zwischen Autobahn und Vaterstetten ist jetzt mautpflichtig - auf 1,4 Kilometern.

Die Maut ist da. Seit dem 1. Juli müssen Lastwagenfahrer, die die Bundesstraße 304 nutzen, zahlen. Und zwar auf dem vierspurigen Stück von der Autobahnanschlussstelle Haar bis nach Vaterstetten Mitte. Denn das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) hat die Zahl der mautpflichtigen Bundesstraßen erhöht. Insgesamt 1100 zusätzliche Kilometer sind demnach seit Juli zahlpflichtig - darunter die etwa 1,4 Kilometer auf der B 304 von der A99 nach Vaterstetten. Die Kontrollen erfolgen durch das BAG.

"Wir haben das mal ausgemessen", sagt Hermann Ziegler von der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt Ebersberg. "Nur etwa 50 Meter der Strecke liegen bei uns." Der Rest der vierspurigen Bundesstraße gehört zum Landkreis München. Zudem ergab die Straßenverkehrszählung 2010, dass zwischen der Anschlussstelle Haar und der Einmündung Vaterstetten täglich etwas mehr als 1000 Fahrzeuge des Schwerverkehrs fahren. Doch viele verließen laut Ziegler die Straße, bevor sie die kurze Strecke im Landkreis Ebersberg erreichen. Die Anzahl der LKW hält sich also in Grenzen und im Landratsamt habe man wenig mit der Mautstrecke zu tun.

Auch in Vaterstetten findet die neue Mautstrecke wenig Beachtung. Denn die Gemeinde konnte die bundesgesetzliche Regelung lediglich zur Kenntnis nehmen. Umgesetzt hätten sie ja die Landratsämter München und Ebersberg in Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt Rosenheim. "Da sich die Maut nur auf den Schwerlastverkehr bezieht, ist wohl nicht mit einem Rückgang der Verkehrszahlen zu rechnen", äußert sich Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (FW). Diese Einschätzung sei aber "nur rein subjektiv", schiebt er noch hinterher. Auch eine zusätzliche Belastung für ansässige Gewerbetreibende könne man in der Gemeinde nicht erkennen. Zumal nur wenige Firmen mit Fahrzeugen dieser Größenordnung in Baldham und Vaterstetten tätig seien.

Zu Beginn gilt die Mautpflicht erst einmal nur für Lastwagen mit einem Gesamtgewicht von mehr als zwölf Tonnen. Doch von Oktober an müssen dann auch Fahrer von 7,5 Tonnen schweren LKW zahlen. Die Kosten, die je gefahrenen Kilometer anfallen, belaufen sich auf durchschnittlich etwa 17 Cent. Der Betrag richtet sich danach, welche Schadstoffklasse und wie viele Achsen das Fahrzeug besitzt und liegt so zwischen zwölf und 21 Cent pro Kilometer.

"Wir reden hier ja nur über Centbeträge", sagt auch Udo Ockel (CSU), Bürgermeister in Kirchseeon. "Da schließe ich aus, dass das jemanden davon abhält, die Bundesstraße zu nutzen." Vermutlich sei das Gerät, mit dem die Kontrollen durchgeführt werden, teurer als die Einnahmen durch die Maut, fügt Ockel noch hinzu. Allerdings habe er sich bisher noch nicht detailliert mit der Maut auseinandergesetzt, da er nicht von "dramatischen Auswirkungen" dieser kurzen Strecke ausgeht. Auch der Frage, ob es für den vierspurigen Abschnitt der B 304 in Kirchseeon Änderungen geben wird, möchte Ockel noch nachgehen.

Hermann Ziegler kann da beruhigen. Die Strecke in Kirchseeon sei zu kurz und entspreche deshalb nicht den Mindestanforderungen für die Maut. Doch auch die längere Strecke, so vermutet Ziegler, werde jetzt nicht plötzlich von LKW-Fahrern gemieden.