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Vaterstetten:Schlüsselfertig

Auf diesem Acker im Norden Vaterstettens soll einmal das Baugebiet Nordwest entstehen, geplant ist auch ein Einheimischenmodell.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vaterstettens Gemeinderat beschließt Bauträgerlösung für das geplante Einheimischenwohngebiet. Über die Kriterien für die Bewerber kann man sich dagegen nicht einigen

Wer in der Gemeinde in den Genuss verbilligten Baulands kommt, muss das zugehörige Haus gleich mit kaufen. Im geplanten Einheimischengebiet Vaterstetten Nordwest soll ein Bauträger 31 Reihen-und sechs Doppelhäuser sowie eine Tiefgarage errichten. Das derzeit noch in Gemeindebesitz befindliche Bauland soll den künftigen Hauseigentümern zu 50 Prozent des Marktpreises überlassen werden. Für wen das Angebot überhaupt in Frage kommt, steht aber noch nicht fest, die Entscheidung über den Kriterienkatalog wurde vertagt.

Die Verwaltung hatte die Bauträgerlösung empfohlen. Diese biete sich an, so Bauamtsleiterin Brigitte Littke, weil man für das Wohngebiet auf jeden Fall eine Tiefgarage für alle dort entstehenden Häuser benötige. Da diese ohnehin von einem Bauträger ausgeführt werde, sei es sinnvoller, diesen gleich die Häuser bauen zu lassen. Diese sollen, so der Plan in mehreren langen Riegeln um einen zentralen Hof angeordnet werden. Zwar gibt es auch eine Planvariante, die kleinere Reihen von Häusern vorsieht, für diese könnten theoretisch die künftigen Bewohner selbst als Bauherrn agieren. Diese Planvariante habe allerdings den Nachteil, dass dadurch die Grundstücke größer und damit teurer wären, außerdem würde sich auch die Zahl der Häuser reduzieren, so dass weniger Einheimische in den Genuss von verbilligtem Wohnraum kämen. Nicht zuletzt sei die Lösung mit dem zentralen Hof auch städtebaulich besser und hätte den Vorteil, dass die Tiefgarage insgesamt einfacher und damit billiger ausfallen würde.

Stefan Ruoff (Grüne) sprach sich dafür aus, zumindest für einen Teil der Häuser auf das Bauträgermodell zu verzichten. Zwar sehe er auch das Problem, die Tiefgarage an die dann weiter auseinanderliegenden Häuser anzuschließen, "aber das kann man sicher hinkriegen." Zumal er, im Gegensatz zur Verwaltung, die Anordnung um einen zentralen Hof eher nicht so schön finde, "mir gefällt es besser mit der lockereren Bebauung." Zudem gehe es bei Einheimischenbauprojekten auch darum, dass die künftigen Bewohner "so individuell wie möglich bauen können, von der Stange haben wir in Vaterstetten schon genug." Außerdem lasse sich durch Eigenleistung viel Geld sparen.

Aus den Fraktionen von SPD und CSU kam Verständnis - und Ablehnung. Als "sehr sympathisch" bezeichneten Jo Neunert (SPD) und Zweiter Bürgermeister Martin Wagner (CSU) übereinstimmend die Idee des Selberbauens, dies habe jedoch auch einige Nachteile. So sei es ihm wichtig, dass möglichst viele Bewerber zum Zuge kämen, sagte Neunert, und dafür müsste man die Häuser eben enger zusammenrücken. Außerdem garantiere eine Bauträgerlösung einen "zeitlich konkreten Ablauf", was bei Eigenleistung nicht der Fall sei. Neunert erinnerte an das bislang letzte Einheimischenmodell, "da hat es teilweise bis zu fünf Jahre gedauert, bis die Häuser standen, und die Nachbarn haben auf der Baustelle gelebt." Wagner betonte vor allem die niedrigeren Grundstückspreise bei kleineren Parzellen. "Was man da vielleicht am Gebäude spart, geht dann fürs Grundstück drauf." Außerdem wolle man ja "keiner Baufirma, die nur Geld scheffeln will", den Auftrag erteilen, sondern einer Wohnbaugenossenschaft. Entschieden sei dies allerdings noch nicht, sagte Littke auf Nachfrage Ruoffs, aber man könne die Ausschreibung durchaus entsprechend gestalten.

Weniger Diskussionsbedarf gab es zur Frage, wie viel Rabatt die Gemeinde auf die Grundstücke gewähren soll. Bei einer Gegenstimme von Manfred Schmidt (FBU/AfD) wurde der Maximalnachlass von 50 Prozent auf den Bodenrichtwert beschlossen, das entspricht einem Quadratmeterpreis von 559 Euro.

Kein Ergebnis gab es dagegen beim Kriterienkatalog. Besonders bei der Frage, wie lange das Haus nicht verkauft werden darf, gab es Dissens. Die Verwaltung hatte 15 Jahre Bindungsfrist vorgeschlagen sowie einen frühzeitigeren Ausstieg bei Rückzahlung des Grundstücksrabatts an die Gemeinde. Aus allen Fraktionen kam jedoch die Forderung, die Bindung auf mindestens 20 Jahre zu erhöhen und den vorzeitigen Ausstieg möglichst zu verhindern. Ob dies überhaupt möglich ist, konnte die Verwaltung nicht beantworten, daher wurde der Punkt auf eine kommende Sitzung vertagt.

© SZ vom 10.10.2015
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