JugendsportMissbrauchsvorwürfe: Eltern kritisieren Aufarbeitung beim SCBV

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Gemeinsam im Verein Fußball spielen, das ist für viele Kinder und Jugendliche das Höchste. Den Eltern ist wichtig, dass ihre Kinder dabei gut aufgehoben sind.
Gemeinsam im Verein Fußball spielen, das ist für viele Kinder und Jugendliche das Höchste. Den Eltern ist wichtig, dass ihre Kinder dabei gut aufgehoben sind. Symbolbild: Marcus Brandt/dpa
  • Ein 62-jähriger Jugendbetreuer des SC Baldham Vaterstetten ist in U-Haft, ihm wird sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen.
  • Der Mann war 2010 bereits wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden und betreute trotz fehlendem erweitertem Führungszeugnis Kinder bei Jugendlagern.
  • Eltern kritisieren die mangelnde Transparenz und Aufarbeitung des Vereins, der nun Verbesserungen bei Kontrollen und Informationspolitik verspricht.
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Nicht erst seit ein Jugendbetreuer in U-Haft ist, wünschen sich Eltern mehr Transparenz und Informationen. Die Führung des Vaterstettener Vereins sagt, man werde daran arbeiten, Vertrauen zurückzugewinnen.

Von Barbara Mooser, Vaterstetten

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Wer sein Kind zum Sport in einen Verein schickt, muss davon ausgehen können, dass es dort gut aufgehoben ist und bestmöglich geschützt und betreut wird. Dass dies beim SC Baldham Vaterstetten in den vergangenen Jahren immer der Fall war, daran äußern nach der Festnahme eines Jugendbetreuers, dem nun sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen wird, einige Eltern ihre Zweifel. Sie kritisieren nicht nur, dass der 62-Jährige ohne größere Kontrollen im Verein tätig werden konnte, sie hätten sich auch eine gründlichere Aufarbeitung der Vorfälle gewünscht. Der Verein hat sich inzwischen in einer ausführlichen Stellungnahme, die auch auf der Homepage zu finden ist, zur Causa geäußert: „Uns ist bewusst, dass die derzeitige Situation viele Menschen verunsichert und das Vertrauen in den Verein belastet. Diese Sorgen verstehen wir“, unterstreicht der Vorstand darin.

Die Eltern, deren Namen der SZ bekannt sind, wollen aus Sorge, dass ihre Kinder im Verein sonst die Folgen zu spüren bekämen, nur anonym über ihre Erfahrungen und Erlebnisse sprechen. Ohnehin ist die Stimmung aufgeheizt, seit bekannt wurde, dass der heute 62-Jährige, der 2010 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden war, in den Jahren 2023, 2024 und 2025 bei Jugendlagern in Österreich als Aufsichtsperson dabei war. Offenbar war zuvor versäumt worden, ein erweitertes Führungszeugnis, wie es für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorgeschrieben ist, einzuholen.

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Im Herbst 2025 machte die Polizei den Verein auf die Vorgeschichte des Mannes und eine behördliche Anordnung, dass er Kinder und Jugendliche nicht ausbilden, anleiten oder beaufsichtigen durfte, aufmerksam. Dieses sogenannte Kontaktverbot galt für Oberbayern und war im Sommer 2025 ausgelaufen. Im November lud der Verein die Eltern der Kinder, die bei den Jugendlagern dabei waren, zu einem Infoabend ein und klärte sie über das Thema auf. Hinweise auf Missbrauchsfälle waren dem Verein zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben nicht bekannt, erst im Frühjahr dieses Jahres hat ein Elternteil Anzeige erstattet. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen.

Bei der Informationspolitik des Vereins setzt die Kritik eines Vaters an: Eltern, deren Kinder nicht bei den Trainingslagern dabei waren, seien nicht zum Infoabend eingeladen worden, sie hätten überhaupt keine Informationen auf offiziellem Weg erhalten. Dabei sei der heute 62-Jährige durchaus auch sonst auf dem Sportgelände aufgetreten. Ein Vater erzählt von einem Fall, den er persönlich mitbekommen habe: Der Betreffende habe eine Gruppe von Jungs einige Stunden lang beaufsichtigt, ohne die Anwesenheit eines anderen Trainers. Auch bei Veranstaltungen wie dem Kugler Cup, einem der größten Jugendfußballturniere der Region, sei der Mann auf dem Sportgelände involviert gewesen – Fotos, die das zeigen, finden sich immer noch im Internet.

Der Mann habe auch außerhalb der Trainingslager eine Rolle im Verein gespielt, sagen die Eltern

Einer ihrer größten Kritikpunkte: dass der Verein zunächst erklärt hat, der Jugendbetreuer sei im Prinzip nur Begleiter bei den Jugendlagern gewesen, er sei aber kein Mitglied gewesen und habe keine Funktion gehabt. Die Eltern haben Nachrichten aufbewahrt und der SZ vorgelegt, in denen der Betreffende sich als Organisator der Jugendlager bezeichnet und auch eine E-Mail-Adresse des Vereins verwendet. Auch in den Texten, in denen im Vaterstettener Ortsnachrichtenblatt die Jugendlager beworben wurden, wird die Telefonnummer des Mannes als Kontakt angegeben. Der Verein wolle die Rolle des Mannes herunterspielen, sagt ein Vater.

Er spricht aber auch von einem „systematischen Problem“ des Vereins. Die Tatsache, dass der Mann ohne erweitertes Führungszeugnis in der Kinderbetreuung tätig geworden sei, sei kein Einzelfall. Einer der Väter erzählt, dass auch er selbst Trainertätigkeiten übernommen und erst nach mehr als einem halben Jahr das Führungszeugnis vorgelegt habe. Seiner Kenntnis nach soll es auch Fälle gegeben haben, in denen das Dokument Jahre gefehlt habe. Weil aber viele Beteiligte sich zu dem Thema nicht äußern, ist es der SZ nicht möglich, diese Information zu überprüfen.

Nach dem Abend hatte ich mehr Fragen als zuvor.
Vater eines Jugendfußballers, der bei einem der Trainingslager dabei war

Ein Vater ist enttäuscht und auch wütend über den Ablauf und die Organisation des Informationsabends. Man habe den Eltern zwar Hilfe durch eine Beratungsstelle angeboten, aber es seien keine Vertreter der Polizei anwesend gewesen, mit denen man das weitere Vorgehen hätte ansprechen können. Man bekomme auch keine Informationen über den Stand der Ermittlungen und über mögliche Betroffenheit des eigenen Kindes. „Nach dem Abend hatte ich mehr Fragen als zuvor“, so der Vater.

Die Vereinsführung räumt bei einigen der Kritikpunkte der Eltern Fehler ein, bittet bei anderen Punkten um weitere Informationen und verteidigt sich bei weiteren – etwa gegen die Kritik am Informationsfluss. Zum Zeitpunkt der Informationsveranstaltung habe dem Verein nur der behördliche Hinweis vorgelegen, dass eine Person, die in der Vergangenheit einem Kontaktverbot zu Kindern unterlag, an Trainingslagern teilgenommen habe, erläutert Vorsitzender Daniel Leuverink.

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Vor diesem Hintergrund seien zunächst die Eltern derjenigen Kinder und Jugendlichen informiert worden, die an den betroffenen Trainingslagern teilgenommen hatten. Der Verein habe sich hierzu rechtlich beraten lassen und bei der Informationsveranstaltung die Fachberatungsstelle KIBS eingebunden, „um Eltern eine fachlich geeignete Anlaufstelle zur Verfügung zu stellen und Hinweise auf mögliche Grenzverletzungen in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen“. Die Ermittlungen lägen aber bei den zuständigen Behörden, der Verein erhalte selbst keine laufenden Ermittlungsstände, die er an Eltern weitergeben könnte.

Ob alle Führungszeugnisse vorliegen, wird derzeit überprüft

Dass der Mann im Vereinsumfeld präsent war, ist inzwischen auch dem Vorstand klar; in welchem Umfang er außerhalb der Trainingslager tatsächlich Betreuungsaufgaben wahrgenommen habe, „ist Gegenstand der laufenden Aufarbeitung“. Hinweise sammelt der Verein und gibt sie auch an die zuständigen Stellen weiter. Dass es ein Versäumnis des Vereins war, kein erweitertes Führungszeugnis zu verlangen, räumt die Vereinsführung in ihrer offiziellen Stellungnahme ein. Hier hat man laut Leuverink bereits eine Neuorganisation in die Wege geleitet und überprüft die vorliegenden Dokumente.

Es sei klar, schreibt die Vereinsführung in ihrer offiziellen Stellungnahme, dass Vertrauen nicht durch Worte allein zurückgewonnen werden könne, „sondern durch sorgfältige Aufarbeitung und durch Verantwortung dort, wo Verantwortung besteht. Genau daran arbeiten wir transparent, strukturiert und unter Einbindung externer fachlicher Unterstützung.“

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