InstagramNach Tipp von Influencerin: Erlebnisbauernhof wird überrannt

Lesezeit: 3 Min.

Es kann wunderschön sein im Biergarten der „Landlust“ – wenn man sich nicht gerade um freie Plätze streiten muss.
Es kann wunderschön sein im Biergarten der „Landlust“ – wenn man sich nicht gerade um freie Plätze streiten muss.
Foto: Peter Hinz-Rosin
  • Der Reitsberger Hof in Vaterstetten wurde am Wochenende nach einem Instagram-Tipp einer Influencerin von Besuchern überrannt.
  • Wirtin Anna Link beklagt, dass ihr Betrieb als landwirtschaftlicher Hof nur begrenzte Kapazitäten hat und bittet um Vorabinformation bei reichweitenstarken Posts.
  • Die betroffene Influencerin hat sich bereits bei Anna Link entschuldigt und informiert normalerweise Betriebe vor der Veröffentlichung.
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Wegen eines Posts auf Instagram strömen plötzlich unerwartet viele Leute auf den Reitsberger Hof in Vaterstetten. Wirtin Anna Link hat jetzt ein paar Dinge klargestellt – und dafür viel Lob bekommen.

Von Barbara Mooser, Vaterstetten

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Tiere streicheln, Ponyreiten und ein Biergarten mit Spielplatz: Für Eltern klingt das nach dem perfekten Ausflugsziel. Die Sommerferien ziehen sich, die Ideen, die Kinder zu bespaßen, gehen langsam aus – da freut man sich doch über einen Tipp auf Instagram besonders, der einen Ausflug auf den Reitsberger Hof in Vaterstetten nahelegt: „Ein kostenloser Erlebnisbauernhof, auf dem ihr den ganzen Tag verbringen könnt!“, so schwärmt eine Familieninfluencerin in ihrem Reel, auch die kinderfreundliche Gaststätte „Landlust“ wird lobend erwähnt.

Natürlich freut sich auch Anna Link, die gemeinsam mit ihrem Mann Christoph jene Wirtschaft betreibt, über dieses Lob, sehr sogar. Einerseits. Andererseits hatte es zur Folge, dass kürzlich der Hof von Besuchern überrannt wurde und keine Rede mehr sein konnte von der entspannten Atmosphäre, von der in dem Instagram-Beitrag ebenfalls geschwärmt wurde.

Natürlich freut sich Anna Link, wenn ihr Wirtshaus empfohlen wird. Sie würde sich nur gern auf den Andrang vorbereiten können.
Natürlich freut sich Anna Link, wenn ihr Wirtshaus empfohlen wird. Sie würde sich nur gern auf den Andrang vorbereiten können.
Foto: Peter Hinz-Rosin

Wie viele zusätzliche Gäste an dem Wochenende tatsächlich kamen, kann Link nicht sagen. Sie war in der Gaststätte eingespannt. Allein dort aber seien es sicher 100 Besucherinnen und Besucher mehr als sonst gewesen – wobei auch an normalen Sommer-Sonntagen sehr viel los sei. Viele Gäste mussten teils lang warten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Arbeitstag voller Stress und Hektik bewältigen. Am Abend waren alle Beteiligten fix und fertig. Weil das nicht zum ersten Mal passiert ist, hat Anna Link nun – ebenfalls auf Instagram – einige Dinge klargestellt.

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„Wenn ein reichweitenstarker Account den Reitsberger Hof als ‚tolles kostenloses Ausflugsziel‘ oder ‚Geheimtipp für Familien‘ vorstellt, erreichen solche Beiträge innerhalb kürzester Zeit unglaublich viele Menschen – und viele davon machen sich tatsächlich auf den Weg zu uns“, schreibt sie in ihrem Beitrag. Was man in diesen Posts der Influencer hingegen nicht sehe: „Der Reitsberger Hof ist kein Freizeitpark oder klassisches Ausflugsziel, sondern ein landwirtschaftlich genutzter Hof. Und unsere Landlust ist ein Wirtshaus mit ganz normalen, begrenzten Kapazitäten. Unsere Parkplätze sind irgendwann voll. Unsere Küche und unsere Theke können nur eine bestimmte Menge bewältigen. Und auch auf dem Hof selbst gibt es eine Grenze, wie viele Menschen gleichzeitig gut Platz finden.“

Mehr Reichweite bedeute deshalb nicht automatisch, dass alles noch besser werde, so die Wirtin: „Manchmal bedeutet sie vor allem: sehr viele Menschen zur gleichen Zeit.“ Sie unterstreicht, dass sie niemandem verbieten wolle, Beiträge über den Reitsberger Hof im Internet zu veröffentlichen, auch darum, Inhalte zu beeinflussen, gehe es selbstverständlich nicht. Was sich Anna Link aber wünscht: dass sie vorher über solche Beiträge mit voraussichtlich großer Reichweite informiert wird – einfach deshalb, um sich besser vorbereiten zu können.

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Das unterstreicht sie auch ein paar Tage später am Telefon. Sie wolle die Arbeit der Influencer nicht gering schätzen, sagt sie:  „Im Gegenteil, ich weiß, wie viel Arbeit das ist, so einen Kanal am Laufen zu halten, wie viel Zeit die da investieren.“ Ihr gehe es nur darum, die Konsequenzen für kleine Betriebe wie den Reitsberger Hof einmal aufzuzeigen.

In einem Tierpark oder Freizeitpark sei schließlich die Situation eine ganz andere: Hier gebe es einen Zaun ums Gelände und durch das Eintrittsgeld auch einen Überblick, wie viele Leute sich dort befänden. Außerdem seien in der Regel genügend Parkmöglichkeiten und Essensstände vorhanden, die auf großen Andrang ausgerichtet seien. Bei großen, geplanten Veranstaltungen wie dem Wollmarkt könne man sich gut auf den Andrang einstellen, nicht aber, wenn man gar nicht wisse, wieso die vielen Leute jetzt auf einmal kämen.

Auf Instagram erntet Anna Link für ihren Beitrag viel Zustimmung: „So ein wichtiger und wertvoller Beitrag und noch dazu so wertschätzend geschrieben“, lautet einer der Kommentare, der Tenor der übrigen ist ähnlich. Auch „Creators“, also Vertreter von Accounts, die selbst Empfehlungen und Freizeittipps posten, stimmen der Vaterstettener Wirtin zu.

Tatsächlich können Empfehlungen in sozialen Medien auch sehr hilfreich für Betriebe in Gastgewerbe und Tourismus sein. Die Vereinigung Tourismus Oberbayern München (TOM), bei der auch viele Landkreise und Gemeinden im Umland Mitglied sind, arbeitet beispielsweise gezielt mit Influencern und Content Creators zusammen. „Im Fokus stehen Creator, die in ihren jeweiligen Themenfeldern sowohl für ihre Community als auch für die Region einen echten Mehrwert schaffen“, erläutert eine Sprecherin der externen Pressestelle.

Im Familienbereich setze der Tourismusverband bevorzugt auf kleinere bis mittlere Accounts, deren Empfehlungen häufig als besonders authentisch wahrgenommen würden. Generell achtet TOM darauf, bereits stark frequentierte Hotspots nicht zusätzlich zu forcieren, so die Sprecherin: „So lag der Fokus im vergangenen Jahr bewusst stärker auf dem Münchner Umland und weniger bekannten Ausflugszielen. Ziel ist es, auch die versteckten Schätze der Region sichtbar zu machen und die touristische Nachfrage breiter zu verteilen.“

Die Influencerin, die dem Reitsberger Hof so viele Besucherinnen und Besucher beschert hat, hat mit Anna Link bereits Kontakt aufgenommen und um Entschuldigung gebeten. In der Regel, so teilt sie auf SZ-Anfrage mit, informiere sie die Verantwortlichen in beworbenen Locations ohnehin vorher.

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