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Photovoltaik im Kreis Ebersberg:Vaterstetten: Pioniere bei der Sonnenenergie

Auf vielen Dächern im Landkreis entstanden in den vergangenen Jahren Solaranlagen, der Landtag entscheidet an diesem Dienstag darüber, ob neue Dächer künftig nur noch mit Solaranlagen gebaut werden sollen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

An diesem Dienstag berät der Bauausschuss des Landtags über eine Solarpflicht bei Neubauten. Eine Gemeinde im Landkreis Ebersberg setzt bereits darauf.

Von Karin Pill, Ebersberg

In Corona-Zeiten arbeiten immer mehr Menschen von zu Hause aus. Doch Home-Office, ein höherer Warmwasserverbrauch und das selbstgekochte Mittagessen lassen den Strombedarf steigen. Die klimafreundliche Antwort darauf ist Stromversorgung aus erneuerbaren Energien. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich im Juli dafür aus, dass es von 2021 an für alle gewerblichen und von 2022 an für alle privaten Neubauten eine Photovoltaikpflicht in der Bauplanung geben solle. Seitens der CSU gab es bisher jedoch keine Initiativen, die umweltfreundliche Vision ihres Chefs auch umzusetzen.

Der Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag dauert all das nun zu lange. Sie sehen Handlungsbedarf. Am 23. September hat die Grünen-Fraktion einen Änderungsantrag des Gesetzentwurfs der Staatsregierung zur Vereinfachung baurechtlicher Regelungen gestellt. Darin fordern sie, dass Bauherren zukünftig verpflichtet sein sollen, auf mindestens 50 Prozent der freien Dachflächen Solarthermie zu nutzen. Die Novelle, also die Ergänzung der Bayerischen Bauordnung, wird an diesem Dienstag im Bauausschuss des Landtags diskutiert. Eine zweite Lesung in der Vollversammlung soll im Dezember stattfinden.

Doch wie sieht es bisher im Landkreis Ebersberg mit erneuerbaren Energien aus? Einige Kommunen haben auch ohne verpflichtende Vorgaben bereits Initiativen für die Energiewende gestartet. Eine obligatorische Ausstattung mit Photovoltaik oder Solaranlagen bei Neubauten gibt es jedoch in den wenigsten Gemeinden. Die Stadt Ebersberg, seit 2016 Solarstadt, weist zwar Bauherren darauf hin, dass sie bei Neubauten Solarenergie berücksichtigen sollen, aber eine Verpflichtung gibt es nicht.

"Wir bieten verschiedene Beratungen und Veranstaltungen zum Thema Solarenergie", sagt der Klimaschutz- und Energiemanager der Stadt Ebersberg, Christian Siebel. Die Solarstadt erzeugte im Jahr 2016 gemessen am Gesamtverbrauch insgesamt 37,3 Prozent erneuerbaren Strom. Davon waren 14,9 Prozent Strom aus Photovoltaik, dem zweitstärksten erneuerbaren Stromlieferanten nach Biomasse. Bei einer "Photovoltaik-Bündelaktion" der Stadt, einer freiwilligen Aufrüstung von Bestandsbauten mit Photovoltaik, beteiligten sich 30 Haushalte.

Vaterstetten: Solarpflicht bereits Teil der letzten drei Bebauungspläne

Auch in der Stadt Grafing fand die Bündelaktion Anklang. Dort beteiligten sich 55 Haushalte an der Nachrüstung. Doch all dies ist eben erst einmal nur freiwillig. Denn auch in Grafing gibt es keine Photovoltaik-Pflicht. In Orten wie Glonn und Oberpframmern spielt eine ortseigene Handhabe von Solarpflicht bisher noch gar keine Rolle. Doch der Bürgermeister der Gemeinde Oberpframmern, Andreas Lutz (CSU), sagt, dass Solarpflicht bei der zukünftigen Ausweisung von Neubaugebieten definitiv berücksichtigt werde.

Konkreter wird es hier schon in der Gemeinde Vaterstetten. Dort war die Solarpflicht bereits Teil der letzten drei Bebauungspläne. Klimaschutzmanager Tobias Aschwer bestätigt, dass Bauherren in Gebieten, für die ein neuer Bebauungsplan aufgestellt wird, dazu verpflichtet sind, Solaranlagen auf ihren Dächern anzubringen. "Für Bestandsgebiete, für die es schon einen Bebauungsplan gibt, haben wir allerdings keine Handhabe."

"Trotzdem konnten wir durch einen städtebaulichen Vertrag zuletzt etwas bewirken. Im Neubaugebiet Vaterstetten Nord-West verpflichteten wir die Investoren und Eigentümer, 50 Prozent der nutzbaren Dachfläche mit Photovoltaik auszustatten", sagt Aschwer. Die 50 Prozent beziehen sich auf eine Fläche, die übrig bleibt, wenn man Flächen für Schächte, Dachluken, Dachfenster oder ähnliches abzieht. "Das kam damals so gut an bei den Investoren, dass die sich nicht nur an die 50 Prozent hielten, sondern gleich alle Dächer des Bauvorhabens komplett mit Photovoltaik bestückt haben.

Weil das so gut funktioniert hat, haben wir beim Neubaugebiet Vaterstetten Nord-Ost deshalb im städtebaulichen Vertrag gleich 100 Prozent Solarpflicht verankert", sagt Aschwer. Dem Klimaschutzmanager sind diesbezüglich noch keine negativen Reaktionen zu Ohren gekommen. Im Gegenteil: "Bei jüngeren Projekten wurde sogar auf Flyern damit geworben, dass Solaranlagen auf den Dächern vorhanden sind", erzählt Aschwer.

Die Photovoltaik-Bündelaktion fand in Vaterstetten sogar so guten Anklang, dass Aschwer und seine Kollegen Interessenten für die Info-Veranstaltung wieder nach Hause schicken mussten, weil einfach zu viele Leute da waren. "80 Haushalte konnten bei der Bündelaktion mitmachen und bei 80 Haushalten wurde dann auch tatsächlich eine Nachrüstung durchgeführt", freut sich Aschwer.

Auch sonst gibt die Gemeinde sich große Mühe, ihren Bürgern umweltfreundliches Bauen beziehungsweise Nachrüsten näher zu bringen. Bürger, die keinen Zugang zu Internet haben und dadurch Angebote wie den Solar-Kataster, der ausschließlich online funktioniert, nicht nutzen können, werden im Umweltamt der Gemeinde persönlich beraten.

Wenn es nach bayerischen Solar- und Umweltverbänden geht, sollen Gemeinden wie Vaterstetten bald keine einsamen Vorreiter mehr sein. In einem offenen Brief vom 1. Oktober forderten mehrere Solar- und Umweltverbände Bayerns eine rasche Umsetzung der von Ministerpräsident Söder angekündigten Solaroffensive. In ihrem offenen Brief begrüßten die Unterzeichnenden, darunter auch der Bund Naturschutz in Bayern, dieses Vorhaben. Zugleich forderten sie jedoch, dass diesen Ankündigungen nun auch endlich Taten folgen sollten. Wann genau der nun diskutierte Gesetzentwurf dann jedoch tatsächlich in Kraft treten wird, hängt vom Verlauf der Beratungen ab.

© SZ vom 20.10.2020/koei

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