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Vaterstetten:Kunde droht mit Auftrag

Blockheizkraftwerk - Baustillstand Vaterstetten

Dornröschenschlaf auf der Baustelle: Momentan geht es mit dem Blockheizkraftwerk in Vaterstetten nicht voran.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vaterstettens Nahwärmenetz macht ein Lieferengpass bei der Technik zu schaffen

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Der Artikel ist zur Zeit nicht lieferbar. Über diese Ansage ärgern sich nicht nur Onlineshop-Kunden auf der Suche nach nützlichem Krimskrams - sogar für schweres Gerät gilt er zuweilen. Diese Erfahrung musste man kürzlich in Vaterstetten machen, wo der Ausbau der Nahwärme schon seit geraumer Zeit auf der Agenda steht - aber nicht so recht vorankommt. Der Grund: Ein für das Vorhaben wichtiger Artikel ist einfach nicht lieferbar.

Konkret geht es um nicht weniger als das Herzstück der Anlage: das Blockheizkraftwerk (BHKW). Dabei handelt es sich streng genommen um einen ganz gewöhnlichen Verbrennungsmotor - nur eben mehr als nur eine Nummer größer. Das Gas-Aggregat - zum stolzen Preis von 900 000 Euro - sei bereits bestellt, so Georg Kast, Vaterstettens Wirtschaftsförderer und kaufmännischer Vorstand des Kommunalunternehmens. Dieses plant den Ausbau des in der Siedlung an der Baldhamer Straße bestehenden Nahwärmenetzes. In einigen Jahren soll der gesamte Bereich rund um das Sportzentrum mit warmem Wasser von den Gemeindewerken beheizt werden.

Dieses Gebiet gilt als besonders attraktiv für ein Nahwärmesystem, schließlich gibt es dort in enger Nachbarschaft zahlreiche potenzielle Abnehmer für warmes Wasser - und zahlreiche mehr werden noch dazukommen. Aktuell läuft die Akquise in den umliegenden Siedlungen, auch die Versorgung der Hochhäuser der Bayernbodensiedlung am Gustav-Mahler-Weg wäre nach einer Studie aus dem vergangenen Jahr ein profitables Geschäft. Im Herbst 2019 könnte dann die neue Grund- und Mittelschule samt Schwimmbad und Turnhalle angeschlossen werden. Einige Jahre später, wenn das alte Schulgelände zu einem neuen Wohngebiet geworden ist, könnte auch dort warmes Wasser aus dem kommunalen Kraftwerk die Häuser heizen.

Nötig ist dafür aber eben ein ausreichend großes Heizwerk, und hier gebe es eben derzeit Lieferprobleme, erklärt Kast. Denn in der ersten Jahreshälfte seien die Hersteller ausschließlich mit anderen Aufträgen ausgelastet gewesen, Grund ist eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Denn auch bei der Nahwärme wird die Förderung derzeit stark zurückgefahren, seit Mitte diesen Jahres gibt es daher keine Fördermittel für bestimmte kleinere BHKW mehr. Dies alleine wäre kein Problem für die Gemeindewerke, erläutert Kast, "da sind wir mit der Leistung sowieso drüber".

Trotzdem bekommt man in Vaterstetten die Auswirkungen der geänderten Förderpraxis zu spüren, denn die Hersteller hätten ihre Produktion nahezu komplett auf die kleineren Anlagen verlegt. Diese seien sehr nachgefragt, um vor dem Stichtag noch in den Genuss der Subventionen zu kommen. Zwei Mal habe man den Auftrag ausschreiben müssen, im November vorigen Jahres - wo es gar keine Resonanz gab - und noch einmal in diesem Februar. Und nicht nur das Kraftwerk selbst sei von dem Engpass betroffen, sagt Kast, auch die übrige Ausrüstung der Heizzentrale sei wegen der EEG-Umstellung zunächst nicht lieferbar gewesen.

Inzwischen sei die Vergabe aber geglückt, so Kast, bis Jahresende soll die Technik eingebaut und der erste Teil des das Nahwärmenetzes mit dem neuen Aggregat betrieben werden. Für das kommende Jahr ist dann der Zusammenschluss des Netzes mit jenem in der Gluckstraße geplant - wenn die dafür nötigen Teile lieferbar sind, versteht sich.

© SZ vom 17.08.2016
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