Vaterstetten Von wegen schachmatt - ein Vaterstettener sucht das 100.000. Mitglied

Walter Rädler, Vizepräsident des Deutschen Schachbundes, mit einem Schachbrett vor seinem Klassenzimmer in der Eglhartinger Grundschule.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Walter Rädler ist Vizepräsident des deutschen Schachbundes. Er möchte den Sport bei Erwachsenen beliebter machen - und eine neue Marke knacken.

Von Sandra Langmann, Vaterstetten

Schach ist für ihn nicht nur ein Hobby oder ein Denksport. Schach ist für Walter Rädler eine Leidenschaft. Das erkannte auch der Deutsche Schachbund und ernannte Rädler nun zum Vizepräsidenten in der Verbandsentwicklung. "Die suchten einen soliden und seriösen älteren Herrn", lacht Rädler.

In der Marktgemeinde Kirchseeon und in Baldham kennt ihn anscheinend jeder. Auch wenn der Grundschullehrer in der Eisdiele gemütlich sein Spaghetti-Eis isst, entgeht es ihm nicht, wenn der kleine Paul oder Viki, Schüler in Kirchseeon, mit ihren Eltern vorbeischlendern. Das fünfte Jahr unterrichtet er nun in der Gemeinde, zuvor in Frauenneuharting.

Und die Kinder mögen ihn, denn er bringt ihnen auch das Schachspielen bei. Momentan unterrichtet er eine erste Klasse. "Wirklich ganz tolle Kinder", schwärmt der Lehrer - und es gebe dort niemanden, der nicht Schach spiele. "Wenn ich eine Stunde zu spät kommen würde, fiele das keinem auf, weil die Kinder sich selbst beschäftigen würden", scherzt Rädler. Denn auch während seiner Abwesenheit würden sie bestimmt Schachspielen, ist er überzeugt.

Wie Walter Rädler verrät, hat auch er selbst sehr früh Gefallen an dem Brettspiel gefunden. "Schach ist einfach. Es gibt nur sechs Figuren, die verschieden gezogen werden müssen. Und doch ist es so komplex und vielschichtig." Als Sohn eines Professors schloss er schon als Kind Bekanntschaft damit. "Es war immer meines", erinnert er sich heute zurück. Im Alter von 14 Jahren wurde Rädler Zweiter Bayrischer Meister. "Für den Sieg hat es leider nicht gereicht", sagt Rädler und gibt zu, dass ihn das noch bis heute wurmt.

"Ich hätte gewinnen können!" Doch mit 13, 14 Jahren habe er es nicht besser gewusst - heute würde er es anders machen. "Ich habe damals nicht die richtigen Bücher gelesen", erklärt der 50-Jährige. Und Trainer habe es damals noch nicht gegeben. An die Zeit erinnert er sich trotzdem gerne zurück. Bei der bayrischen U14-Meisterschaft etwa sei lediglich ein Schiedsrichter als Aufsichtsperson dabei gewesen, ansonsten seien die Jugendlichen auf sich gestellt gewesen. "Heute wäre das undenkbar." Denn nun habe jeder einen Trainer und weitere Betreuer dabei.

Fünf Auszeichnungen für exzellente Jugendarbeit

Selbst spielen - das ist für den Schach-Fanatiker allerdings schon lange vorbei. "Heute bin ich als Funktionär tätig." Bereits als 16-Jähriger hat Rädler mit der Gründung des Schachclubs Vaterstetten begonnen. Dieser wurde vom Deutschen Schachbund schon fünf Mal für exzellente Jugendarbeit ausgezeichnet. Zehn Jahre lang war Rädler Jugendtrainer in Vaterstetten, doch dann musste er etwas kürzer treten. "Das wurde langsam zu viel", erklärt der engagierte Grundschullehrer. Als Vorsitzender der Schachclubs referiert er auch in Armenien, London, Italien, Österreich, Belgien und der Schweiz.

"Schulschach boomt so richtig", erklärt Rädler, und so einen Trend möchte er auch im Erwachsenenschach erreichen. Nun wurde er bei der Jahreshauptversammlung des Deutschen Schachbunds für zwei Jahre zum Vizepräsidenten für Verbandsentwicklung gewählt - und hat sich einige Ziele gesetzt. Unter anderem möchte Rädler von 93 000 auf 100 000 Mitglieder aufzustocken. "Im Schulschach gibt es ein hohes Niveau. Das würde ich gerne auf die Erwachsenen übertragen." In Vaterstetten gibt es Vereinskonferenzen, die er nun auch im Deutschen Schachbund einführen möchte. Generell soll die Kommunikation mit den Mitgliedern verbessert, auch Fortbildungen sollen angeboten werden.

"Kinder lieben Schach. Sie wissen einfach, dass es ihnen gut tut", sagt Rädler, dem wiederum die Arbeit mit dem Nachwuchs gut zu tun scheint. Das Schachspiel fördert die Konzentration, die Logik und das Nachdenken. "Es gibt so viele positive Facetten", erklärt der 50-Jährige. Die Schach-AG der Grundschule in Kirchseeon mit ihren 100 Mitgliedern hat er übernommen. Mit den besten darunter nimmt er an Turnieren teil.

Dabei handelt es sich um Breitenschach, daher seien die Kinder nicht so aufgeregt. Ein wenig Konkurrenzkampf gehört auch dazu, denn schließlich wolle man gewinnen. Die soziale Komponente spielt aber ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Kinder müssen sich abwechseln und kommen mit anderen in Kontakt. Als nächstes nimmt Rädler mit seinen Schülern beim Medien-LB-Grundschul-Cup in Kirchseeon teil und organisiert den Castle-Kongress in Eglharting und einen Schulschachpatentkurs in Augsburg.

Als Jugendlichen hat es Walter Rädler besonders gefreut, wenn er gegen einen Erwachsenen gewonnen hat. "Das ist natürlich toll", sagt der 50-Jährige und hat dabei ein spitzbübisches Glänzen in den Augen. Beim Schach gibt es keine Altersgrenze, das heißt, man kann gegen jeden antreten.

Auch wenn man es kaum glauben kann: Ist Walter Rädler nicht in der Schule anzutreffen oder im Verein, verbringt er seine Freizeit nicht mit dem Brettspiel. "Auch wenn man es mir nicht ansieht, ich gehe sehr gerne ins Fitnessstudio", lacht Rädler. Ansonsten zieht es ihn ins Kino oder er findet Gefallen an einem guten Buch. Sein Favorit sei übrigens "Der Herr der Ringe", verrät er noch schnell, bevor er nach dem Genuss seines Spaghetti-Eises wieder zurück in die Schule radelt. Schließlich gibt es viel zu tun und für die nächsten Turniere vorzubereiten.