UN-Klimakonferenz:Mit gutem Beispiel voran

Joshua Steib - UN Klimabotschafter

Aus 8600 Bewerbern ist der 18-jährige Joshua Steib ausgewählt worden, um Deutschland bei der UN-Klimakonferenz zu vertreten.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der 18-jährige Joshua Steib wird Deutschland als Jugenddelegierter bei der UN-Klimakonferenz in Glasgow repräsentieren. In vielen Gesprächen hat der Vaterstettener zuvor die Wünsche und Visionen seiner Generation ausgelotet.

Von Jonas Braun, Vaterstetten

Engagiert, so könnte man Joshua Steib aus Vaterstetten wohl am besten beschreiben. Der 18-Jährige will mit gutem Beispiel vorangehen und sich für mehr Jugendpartizipation in klimapolitischen Entscheidungsprozessen einsetzen. Dies kann er nun auf einer großen Bühne tun. Anfang Oktober wird er, zusammen mit einer weiteren Jugendlichen aus Deutschland, zur UN-Klimakonferenz nach Glasgow reisen. Davor werden die beiden die Interessen der deutschen Jugend bei der sogenannten Pre-COP26, der Vorbereitungskonferenz in Mailand, vertreten und gemeinsam mit Jugendlichen aus mehr als 140 Ländern einen Draft erarbeiten, der dann in Glasgow vorgestellt wird.

Steib, frischgebackener Abiturient, trägt ein graues Polo-Shirt und eine weiße Hose. Er redet bedacht und man merkt ihm seine Debattiererfahrung an. In der 9. Klasse habe sein Engagement begonnen, als er das erste Mal bei "Jugend debattiert" teilnahm, erzählt er. "Ich habe gemerkt, wie spannend es sein kann, sich mit Politik auseinanderzusetzen." 2019 wurde er sogar Bundessieger. Nun setzt er sich vor allem für das Thema Klimaschutz ein.

"Es gibt eigentlich kaum Jugendliche, die sich keine Sorgen um das Klima machen", sagt Joshua Steib. Er sitzt im Wohnzimmer seines Elternhauses, die Sonne scheint durch die Fenster herein. Dennoch, findet er, kann in Sachen Jugendpartizipation deutlich mehr getan werden. "Das Grundproblem ist, dass den meisten der Zugang zur Politik fehlt", erklärt er, "Politik erfährt man nicht durch Auswendiglernen in der Schule." Formate des interaktiven Wettbewerbs, wie "Jugend debattiert" oder gemeinsame Seminare seien eine bessere Möglichkeit, Jugendlichen einen Zugang zur Politik zu verschaffen. Dass viele Gleichaltrige meist andere Dinge als Politik im Kopf haben, wisse er. "Die Seminare haben ja auch alle eine soziale Komponente", sagt Steib, "Das schließt sich gegenseitig also nicht aus." Die behandelten Themen betreffen jeden und gemeinsam könnte man neue Ideen erarbeiten und die Jugend mehr in Entscheidungsprozesse einbinden.

Um da anzusetzen und jungen Menschen eine Stimme zu geben, versuchte Joshua Steib vor der Konferenz mit vielen Jugendlichen zu sprechen und ihre Wünsche und Visionen in den Grundvorschlag miteinzuarbeiten. Die vielen Organisationen und Verbände, in denen er tätig ist, waren ihm da eine Hilfe. Steib ist zusätzlich Jugendbotschafter der Evangelischen Akademie in Tutzing, wo er unter anderem auch das "Zukunfts-Lab", eine online Tagung der Akademie, moderierte. Außerdem ist er neben seinem Ehrenamt bei der "young leaders GmbH" tätigt und veranstaltet Bildungsveranstaltungen für Jugendliche. Das sind zwar alles Menschen, die ihren Zugang zur Politik schon gefunden haben und sich in ähnlichen Kreisen wie Steib bewegen, er ist sich aber dennoch sicher, ein repräsentatives Bild erhalten zu haben.

"Ich freue mich über die Möglichkeit", sagt er stolz. Steib und Johanna Schwarz wurden von 8600 Bewerbern in Deutschland ausgewählt. Natürlich sei er auch aufgeregt, erzählt er, "immerhin trage ich die Verantwortung Deutschland zu repräsentieren". In der Untergruppe "Non State Actors Engagement" wird er sich vor allem mit dem Thema Ernährung und dessen Zusammenhang zum Klimawandel auseinandersetzen. "Das große Thema Klima ist viel zu komplex, um zusammen über alle Punkte zu diskutieren", erklärt er. Deswegen wurden Untergruppen gebildet, die gemeinsam den Grundvorschlag verbessern und ergänzen werden. Wenn er dann beschlossen ist, wird er vor der UN-Klimakonferenz den Ministern vorgestellt.

Doch da endet Steibs Arbeit als UN-Jugenddelegierter nicht. Sie planen, ihre Forderungen zu konkretisieren und mit dem Rückhalt von Umweltorganisationen an Entscheidungsträger heranzutreten und zu fragen: "Was wird getan, um die Forderungen zu erfüllen?" Denn momentan, sagt Steib, geht sehr viel schief. Das wichtigste Thema ist seiner Meinung nach der Handel mit CO₂-Emmissions-Zertifikaten. "Das ist das Mittel zur Klimaneutralität", erklärt er, "und leider funktioniert das momentan noch nicht." Er wisse auch, dass es nicht leicht werden wird, so etwas global umzusetzen. Dennoch ist er zuversichtlich, dass man es gemeinsam schaffen könnte. "Ich habe die Hoffnung, dass alle Nationen zusammenkommen - auch wenn man auf manche Druck ausüben muss."

Wissen hat man genug, sagt er. Laut Steib mangelt es eher am Umsetzungswillen. Da ist es passend, dass die Jugendkonferenz den Namen "Youth4Climate: Driving Ambition" trägt. "Bei der Konferenz geht es darum, den Ehrgeiz anzutreiben", erklärt er den Namen, "es muss nämlich dringend etwas getan werden." Neben den CO₂-Zertifikaten liegen Joshua Steib noch einige andere Themen am Herz. Er fordert zum Beispiel, dass vegane Ernährung in der Gesellschaft akzeptiert und von der Politik mehr gefördert werden soll. "Es kann doch nicht sein, dass pflanzliche Produkte teilweise immer noch teurer sind als tierische, obwohl sie viel schonender für die Umwelt sind", sagt er. Auch in Sachen Jugendpartizipation gibt es noch viel zu tun. "Man muss vor allem die Teilhabe von jungen Menschen steigern", sagt Steib. Es sei wichtig, die Stimme der Jugend hörbar zu machen.

Er wird sich auf jeden Fall weiterhin Gehör verschaffen und ist optimistisch, dass seine Plattform ihm die Möglichkeit gibt, an wichtige Entscheidungsträger herantreten zu können. "Ich werde so viel wie möglich daraus machen", ist der Vaterstettener überzeugt, "ich bin mir der Verantwortung bewusst."

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