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Vaterstetten/Winterthur:Die Braut, die sich trotzdem traut

Bryan und Judith Begiebing bei ihrer Standesamtlichen Hochzeit am 19. Mai 2020 in Ismaning.

19. Mai 2020 in Ismaning: Trotz allgemeiner Ansteckungsgefahr dürfen sich Judith und Bryan Begiebing die Trauringe anstecken.

(Foto: Privat)

Wie zwei Baldhamer ihrer Tochter im Lockdown die Hochzeit retten - und was der Abgeordnete Andreas Lenz damit zu tun hat.

Von Korbinian Eisenberger, Vaterstetten/Winterthur

Lassen sie uns rüber? Oder scheitert diese Hochzeit an der Grenze? Am Vorabend der Trauung sitzen Judith - damals noch Schäfer - und ihr Verlobter Bryan Begiebing, 33, in einem Auto, das sie von der Schweiz über die Grenze bei Konstanz nach Deutschland bringen soll. Heiraten in Coronazeiten. Fast hatten sie diesen Plan schon verworfen. Ein in der Schweiz lebendes Paar, sie Deutsche, er Amerikaner. Ihren Zukünftigen ins Land zu bringen, als Nicht-EU-Bürger - in der Pandemie unmöglich. So lautete die sinngemäße Antwort von allen Behörden. Und doch brechen sie am Vorabend ihrer Hochzeit auf zur Grenze.

Sie haben sich trotzdem getraut. Judith und Bryan Begiebing sind seit gut zwei Wochen Eheleute. Ihnen gelang das so gut wie Unmögliche. Ringe anstecken trotz Ansteckungsgefahr. Es ist nur deswegen so geschehen, weil sie Beistand hatten. Von den Brauteltern aus Baldham, den Schäfers. Und vom Bundestagsabgeordneten aus Frauenneuharting, Andreas Lenz, von der CSU. Ein Mann, der Unions-Erfahrung aus Berlin mitbringt.

Zwei Wochen sind seit der Hochzeit vergangen, Judith Begiebing hat die Momente noch vor Augen. Bei einem Telefonat am Dienstag nach Pfingsten erzählt die 24-Jährige von dem schönen Schloss in Ismaning, dort sollte die standesamtliche Trauung stattfinden. Ursprünglicher Termin: 14. April. Die Flüge der Verwandten des Bräutigams aus den USA waren bereits gecancelt. "Dann kam der Lockdown und wir mussten auch den anderen Gästen absagen", erzählt sie. Und dann, wie aus heiterem Himmel das Angebot für einen Ersatztermin einen Monat später. Hoffnung kam auf, aber auch ein Problem: die Grenze.

Die frohe Botschaft: Ilona, der Lenz ist da

Das Paar lebt und arbeitet im schweizerischen Winterthur, beide sind Physiotherapeuten. Die Hochzeit im Ismaninger Schloss war lange geplant. "Es ist sehr schwer, dort überhaupt einen Termin zu bekommen", erzählt Ilona Schäfer, die Mutter. Sie und ihr Mann Michael versuchten nun alles, telefonierten sich von Gesundheitsämtern über die Bundespolizei bis zum Auswärtigen Amt durch. "Die Leute waren freundlich und verständnisvoll", erzählt Michael Schäfer. In einer Sache waren sich jedoch alle einig: Eine Hochzeit ist in diesen Zeiten kein - wie es so schön heißt - triftiger Grund für eine Einreise. Ausnahmegenehmigung? Fehlanzeige.

Es ist der Punkt, an dem der Brautvater eine letzte Trumpfkarte zieht. Er schreibt dem Wahlkreisabgeordneten Andi Lenz und bittet um Unterstützung. Und die sagt Lenz ihm zu. Schäfer kann seiner Frau die frohe Botschaft überbringen: Ilona, der Lenz ist da. Der Wirtschaftspolitiker Lenz tätigt einige Anrufe, unter anderem bei der Konstanzer Grenze. Es habe dort mehrere Anfragen gegeben, "wegen einer Eheschließung war den Beamten dort aber neu", sagt Lenz. "Ich habe gesagt, dass es in dem Fall nicht schlecht wäre, wenn der Mann einreisen darf. So sah es auch der Grenzer. Voraussetzung: die Unterlagen zum Trauungstermin. Und das Brautpaar hält sich maximal 48 Stunden - die Quarantäneauflagen Mitte Mai - in Deutschland auf.

Und so kommt es am 18. Mai 2020 zu diesem Abend im Auto, dem Abend der Entscheidung. Drei mögliche Szenarien: Judith Begiebing erzählt. Im Idealfall werden sie einfach durchgewunken. Im zweiten Fall werden sie - weil stichprobenartig kontrolliert wird - angehalten. Sie weisen den Grenzbeamten auf die Trauung, die Unterlagen und die Vorgespräche hin und dürfen weiterfahren. Im schlimmsten Fall treffen sie auf einen schlecht aufgelegten Grenzer, der die Sache anders sieht. Judith Begiebing sagt: "Wir konnte uns bis zum Schluss nicht sicher sein, ob das klappt."

Zwei Minuten später ist es geschafft. Niemand hält sie an, niemand hält sie mehr auf. Sie heiraten am Wunschort, dem Schloss in Ismaning. Beim Eintreten in den Trausaal des Standesamts müssen alle Schutzmasken tragen, auch das Brautpaar. Von den ursprünglich knapp 30 zugesagten Gästen, sind noch drei dabei. Der Vater, der Bruder und die Mutter der Braut. Die frisch vermählte Tochter danach: "Mama, ich hätte nicht gedacht, dass es so schön wird."

© SZ vom 03.06.2020/koei
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