Diversität:"Akzeptanz statt Toleranz"

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Diversität: Der "Diversitree" ist eine kleine Birke geschmückt mit bunten, aus Papier ausgeschnittenen Pinguinen. Unter dem Baum steht eine Bank in Regenbogen-Farben, auf der Marla Hantschel (vorne) und Paula Bette sitzen.

Der "Diversitree" ist eine kleine Birke geschmückt mit bunten, aus Papier ausgeschnittenen Pinguinen. Unter dem Baum steht eine Bank in Regenbogen-Farben, auf der Marla Hantschel (vorne) und Paula Bette sitzen.

(Foto: Christian Endt)

Am Gymnasium Vaterstetten setzen Schüler ein Zeichen für gegenseitiges Verständnis. Es geht ihnen um Themen wie Geschlechtsidentität oder Homosexualität. Im Zentrum steht ein bunter Baum.

Von Merle Hubert, Vaterstetten

Beim Betreten der Eingangshalle des Vaterstettener Gymnasiums, fällt etwas direkt ins Auge: Der "Diversitree", eine kleine Birke geschmückt mit bunten, aus Papier ausgeschnittenen Pinguinen, dem Maskottchen der Schule. Unter dem Baum steht eine Bank in Regenbogen-Farben, auf der die Schüler in der Pause sitzen können. Der "Diversitree" ist ein Projekt des Arbeitskreises "AK Diversity" und vermittelt eine Botschaft: Hier ist Jede und Jeder willkommen - unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, Sexualität und Geschlechtsidentität.

"Wir glauben, dass Diversität, respektvoller Umgang miteinander und Akzeptanz für eine angenehmen Schulatmosphäre extrem wichtig sind", sagt Paula Bette. Die 16-Jährige ist zusammen mit Marla Hantschel aus der zehnten Klasse Vertreterin des Arbeitskreises. Jeden Donnerstag um 15.30 Uhr gibt es einen offenen Treff. Hier können Schülerinnen und Schüler Kontakte knüpfen, sich über Diversität informieren und Gedanken austauschen.

Eine feste Mitgliederliste gibt es nicht. "Der AK-Treff ist anonym und soll ein 'Safe Space' sein", erklärt Lehrerin Laura Henschke, die den Arbeitskreis zusammen mit zwei Kolleginnen betreut. "Jeder, der Austausch, Input und Rückhalt sucht, kann kommen." Der AK ist zudem eine Anlaufstelle für Schüler, die ausgegrenzt oder gemobbt werden. "Wir möchten den Schülern zeigen, dass sie nicht alleine sind und, dass es an unserer Schule Unterstützung gibt", sagt Paula Bette.

Das Thema Diversität kommt den Initiatoren im Unterricht oft zu kurz

Den AK gibt es seit Beginn des laufenden Schuljahres. Paula Bette und Marla Hantschel sind seit Anfang mit dabei. Schon jetzt wurden viele Projekte umgesetzt. Dazu gehören der "Diversitree" und ein eigenes Bücherregal in der Schulbibliothek. "Hier kann man verschiedene Bücher ausleihen", sagt Marla Hantschel. Etwa zu den Themen Diversität, Rassismus, Feminismus, Homosexualität, Bisexualität und Transgender.

Die Mitglieder des AKs haben Rezensionen zu den jeweiligen Büchern geschrieben. "Das Angebot wird gut angenommen", sagt Marla Hantschel. Deshalb soll die Sammlung bald vergrößert werden. Mit einem Kuchenverkauf hat der AK bereits Geld für weitere Bücher gesammelt. Es gibt einen eigenen Instagram-Account und ein Fan-Ausstattung: Pullis und Jutebeutel mit dem Logo des AK Diversity.

Diversität: Das Logo des Arbeitskreises: Ein bunter Pinguin.

Das Logo des Arbeitskreises: Ein bunter Pinguin.

(Foto: Christian Endt)

Als nächstes ist eine besondere Aktion in den siebten Klassen geplant. Im Rahmen des "Respekt-Projekts" am Vaterstettener Gymnasium darf der AK eine Unterrichtsstunde über Diversität halten. Denn: "Das Thema kommt im Unterricht bei vielen Lehrern oft zu kurz", finden die AK-Leiterinnen. "Ich persönlich würde mir sehr wünschen, dass Diversität im Unterricht und im Lehrplan größer geschrieben wird", sagt Paula Bette. Vielen Lehrern falle es schwer, die Thematik in den Unterricht zu integrieren und mit Situationen, in denen Schüler diskriminiert werden, umzugehen.

"Unser Credo lautet: Akzeptanz statt Toleranz", erklärt Lehrerin Laura Henschke. "Toleranz ist zwar die notwendige Basis, aber eigentlich wollen wir Normalität erzielen." Vielfalt an Schulen sei schließlich eine Selbstverständlichkeit. Deshalb, so Henschke, solle Diversität nicht nur als Sonderthema behandelt, sondern in allen Fächern mitgedacht werden.

"Jeder kleine Schritt ist ein Fortschritt"

Mit dem Arbeitskreis wollen Paula Bette und Marla Hantschel über Vaterstetten hinaus inspirieren. "Wir würden uns freuen, wenn an anderen Schulen ähnliche Projekte umgesetzt werden", sagt Marla Hantschel. "Man muss drüber reden", sagt Lehrerin Henschke. "Je mehr man drüber spricht, desto bewusster wird einem, dass es noch viele Baustellen an Schulen gibt. Aber: Es gibt auch viele Schüler, die etwas bewegen wollen."

Ein Wandel könne nicht von heute auf morgen geschehen. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns - und wir als AK sehen das und sind bereit, auch länger dafür einzustehen", sagt Paula Bette. "Aber jeder kleine Schritt, den wir machen, ist ein Fortschritt."

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