Wenn jemand von den eigenen Genossen als „sozialdemokratisches Urgestein“ bezeichnet wird, ist das durchaus als Ehrerbietung zu verstehen. So wie im vergangenen Herbst, als die Vaterstettener SPD eben jenes Urgestein in Person von Günter Lenz aus dem Vorstand verabschiedete. Nach fast vier Jahrzehnten hatte er sich nicht mehr um ein Amt im Ortsverein beworben. Nun legt der 76-Jährige auch sein Gemeinderatsmandat nieder, kommende Woche wird er sich nach 35 Jahren aus dem Gremium verabschieden. Nachrücker ist der ehemalige Ortsvorsitzende Raphael Melcher.

Wer sich nur am Rande für Gemeindepolitik interessiert, dürfte Günter Lenz vor allem als Gründer des bis heute jedes Jahr abgehaltenen Dreikönigslaufs durch alle Ortsteile ein Begriff sein. Dieses Sportereignis war ursprünglich ein Wahlkampfauftritt: Lenz kandidierte 2002 für die SPD als Bürgermeister, wohl aufgrund der damals in den USA sehr populären Wahlkampfläufen – was dort aufgrund der Doppelbedeutung von „to run“ als kandidieren und als laufen sehr viel eingängiger ist –, entstand die erste Auflage von „Lenz rennt“.
Die Lage für die Genossen war damals alles andere als gut, 2001 hatte ihr seit 1989 amtierender Bürgermeister Peter Dingler deutlich mit 38,4 zu 57,6 Prozent gegen Robert Niedergesäß von der CSU verloren. Als man in Vaterstetten beschloss, die damals außer der Reihe laufende Bürgermeisterwahl mit jener zum Gemeinderat zu synchronisieren, und Niedergesäß sich darum schon 2002 zur Wiederwahl stellte, sollte der Finanzbeamte und Steuerfahnder Günter Lenz für die SPD das Bürgermeisteramt zurückerobern. Was allerdings nicht von Erfolg gekrönt war: Niedergesäß konnte sein Ergebnis auf 77 Prozent ausbauen, für Lenz gab es nur 19,7 Prozent.
Manch anderer hätte sich von so einer Klatsche vielleicht entmutigen lassen und der Politik den Rücken gekehrt, Günter Lenz indes blieb dabei. Er trat auch bei den kommenden drei Kommunalwahlen an und gewann jedes Mal sein Gemeinderatsmandat, war zwischen 2014 und 2020 Dritter Bürgermeister, vertrat die SPD außerdem mit Unterbrechung 15 Jahre im Kreistag – und den Dreikönigslauf gibt es weiterhin. Was sicher auch daran liegt, dass Lenz selbst ein begeisterter Sportler ist, schon seit seiner Jugendzeit in Ingolstadt – wo Lenz zusammen mit einem gewissen Horst Seehofer im Basketballteam seiner Schule gespielt hatte. Der Dreikönigslauf ist mittlerweile übrigens ausdrücklich nicht als Wettbewerb, sondern als fröhliche Zusammenkunft für Leute aus allen Vaterstettener Ortsteilen gedacht.

Sportlich ins Jahr:"Wenn man ins Ziel einläuft, ist das natürlich schon immer grandios"
Zum 20. Mal heißt es am Dreikönigstag in Vaterstetten "Lenz rennt". Der Initiator des Laufs Günter Lenz über Blitzeis, einen Gast aus Poing und hinderliche Zipperlein.
Wer sich etwas mehr für Gemeindepolitik interessiert, dürfte bei Günter Lenz vielleicht an das Gemeindeschiff denken. Dieses segelt, ausweislich des SZ-Archivs, mindestens seit der Haushaltsdebatte im März 2000 durch die Redebeiträge des Gemeinderates Lenz. Damals lobte er die gute Haushaltslage mit den Worten „Das gemeindliche Schiff ist wieder mit vollen Segeln unterwegs“ – als Vaterstetten 2021 im Zuge der Greensill-Pleite 5,5 Millionen Euro verlor, bescheinigte Lenz dem Gemeindeschiff „es trotzt nicht nur dem Corona-Sturm, sondern auch den schmerzhaften Übergriffen australischer Seeräuber“. Wen wundert es, dass ihn seine Genossen nun unter dem Motto „Günter Lenz geht von Bord des Gemeindeschiffs“ aus dem Gremium verabschieden.
„Günter Lenz war für unsere Fraktion ein echter Teamplayer mit großer Verwaltungserfahrung. Für sein kommunalpolitisches Engagement gebührt ihm allergrößter Dank und Anerkennung“, schreiben Fraktionschef Sepp Mittermeier und Zweite Bürgermeisterin Maria Wirnitzer nun zu seinem Abschied.

