Sorgen in Vaterstetten:Die riskanten Geschäfte mit der Greensill-Bank

Greensill Bank

Ein Schild mit dem Firmennamen am Eingang der Bremer Privatbank.

(Foto: Sina Schuldt/dpa)

Die Gemeinde Vaterstetten könnte bei Insolvenz der Bank 5,5 Millionen Euro verlieren.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Die Krise der Bremisch-Australischen Privatbank Greensill könnte für die Großgemeinde Vaterstetten teure Folgen haben. Wie Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) nun mitteilt, hat die Gemeinde bei dieser Bank mit deutscher Lizenz rund 5,5 Millionen Euro in verschiedenen kurz- und langfristigen Festgeldkonten angelegt.

Wie Spitzauer mitteilt, hat Vaterstetten die gemeindlichen Anlagen, etwa aus Rücklagen, Sonderrücklagen oder Betriebsmitteln der Kasse, von insgesamt circa 25 Millionen Euro entsprechend den Empfehlungen des Bayerischen Kommunalen Prüfverbands (BKPV) diversifiziert, also auf verschiedene Bankinstitute verteilt und verschiedene Laufzeiten gewählt.

Zur Vermeidung von Strafzinsen oder Verwahrentgelten wurden ebenfalls den Empfehlungen des BKPV entsprechend auch private Bankinstitute bei dieser Diversifizierung berücksichtigt, teilt die Gemeinde mit. Insofern seien so circa 20 Prozent der gemeindlichen Anlagen bei der Greensill Bank angelegt worden. Das Geld stamme zum Teil aus noch nicht abgerechneten Projekten.

Die Gemeinde Vaterstetten unterhalte seit 2014 eine Geschäftsbeziehung mit der Bank, damals noch unter deren Namen Nord-Finanz Bank AG. Man habe schon viele Verträge mit der Privatbank abgeschlossen, hohe Summen eingelegt und problemlos wieder abrufen können. Die Geschäftsbeziehung sei durch einen regionalen Finanzvermittler zustande gekommen, der viele Kommunen zu seinen Kunden zähle und der bei seiner Empfehlung auf die gute Bonität der Greensill Bank hingewiesen habe.

"Aktuell steht nicht fest, ob die Greensill Bank abgewickelt werden muss und dadurch der Gemeinde Vaterstetten ein Schaden entsteht", so der Bürgermeister. Rein vorsorglich hat die Gemeinde eine auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Münchner Rechtsanwaltskanzlei zur Wahrung der Interessen der Gemeinde eingeschaltet.

Vergangene Woche hatte die Bankenaufsicht Bafin die Greensill-Bank quasi stillgelegt. Wegen drohender Überschuldung darf die Bank weder Ein- und Auszahlungen noch Kundengeschäfte tätigen. Außerdem wurde bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Bremen eine Anzeige wegen unrichtiger Bilanzierung gestellt.

Im Raum steht der Verdacht, dass es mit dem ungewöhnlichen Wachstum der Bank in den vergangenen Jahren nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Seit die Firma des australischen Geschäftsmann Lex Greensill die Nord-Finanz 2017 übernommen hatte, ist die Bilanzsumme der Bank binnen eines Jahres von rund 665 Millionen auf 3,8 Milliarden Euro gewachsen. Gleichzeitig stiegen auch die Verbindlichkeiten des Geldhauses auf 3,3 Milliarden Euro bis Ende 2019.

Darunter sind wohl auch die 5,5 Millionen der Gemeinde Vaterstetten. Die offenbar aber die einzige Kommune im Landkreis ist, welche von der Greensill-Krise betroffen sein könnte. Nachfragen in Ebersberg, Forstinning, Grafing, Glonn, Kirchseeon, Markt Schwaben, Poing und Zorneding ergaben, dass die Kämmereien keine Geschäfte mit Greensill gemacht haben. Das gilt auch für den Landkreis, wie Kämmerin Brigitte Keller sagt: "Wir haben gar nicht so viel Geld, dass wir es irgendwo anlegen können."

© SZ vom 09.03.2021/koei
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