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Schnelles Internet in Vaterstetten:Bitte warten

Glasfaserausbau in Zorneding, 2019

Solche Glasfaser-Kabel hätten auch in Vaterstetten verlegt werden sollen, doch keine Firma hatte Interesse. Nun könnte die Gemeinde aktiv werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

In Vaterstetten könnte die Kommune selbst den Glasfaserausbau übernehmen. Im Gemeinderat sind jedoch noch nicht alle überzeugt.

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

In der Großgemeinde könnte das erste kommunale Glasfasernetz im Landkreis entstehen. Verschiedene Versuche, das Netz von Privatfirmen bauen zu lassen, sind gescheitert, im Gemeinderat wurde nun darüber diskutiert, ob Vaterstetten selbst die nächste Generation des Datennetzes auf den Weg bringt. Dabei war zwar eine Mehrheit für das sogenannte Betreibermodell zu erkennen, ein entsprechender Beschluss wurde aber vertagt.

Ins Spiel gebracht hatte die Idee eines gemeindlichen Glasfasernetzes der Rathauschef: Bereits auf der Bürgerversammlung Anfang Oktober hatte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) die Versorgung mit schnellem Internet als kommunale Daseinsvorsorge bezeichnet, also als gleichbedeutend mit Wasser-, Kanal- und Stromnetz. Letzteres hatten sich die Kommunen im Landkreis vor knapp zwei Jahren im Zuge der Rekommunalisierung gesichert, in Vaterstetten könnte das neue Glasfasernetz gleich von Anfang an als kommunales Projekt entstehen.

Im Gegensatz etwa zur Nachbargemeinde Zorneding, wo man vor zwei Jahren die Firma Deutsche Glasfaser mit Ausbau und Betrieb betraut hat, soll nach dem Vorschlag der Verwaltung die Gemeinde Vaterstetten selbst Bauherr für das Datennetz werden. Betreiben würde die Kommune das Netz aber nicht, es soll im Rahmen einer Ausschreibung an ein Telekommunikationsunternehmen verpachtet werden.

Dass dieses nicht auch den Ausbau übernimmt, liegt daran, dass entsprechende Versuche nie zum Erfolg geführt hatten. Erst im Sommer vergangenen Jahres hatte die Firma Ropa mit ihrem Tochterunternehmen Echtschnell um Kunden für ein zu bauendes Glasfasernetz geworben. Ziel war 40 Prozent der Haushalte als Kunden zu gewinnen - am Ende waren es vier.

Was wohl auch daran lag, dass in den Ballungsgebieten schnelles Internet vorhanden ist. Laut Verwaltung seien "die überwiegenden Teile des Gemeindegebiets mit Internetanschlüssen von im Regelfall 50 bis 100 Mbit/s versorgt". Aber es gebe auch unterversorgte Gebiete, sogenannte weiße Flecke mit Übertragungsgeschwindigkeiten von sechs Mbit/s oder weniger. Die laut einer Grafik des Ingenieurbüros Ledermann fast alle in den dünner besiedelten Bereichen, etwa den Ortschaften liegen.

Ein Gesamtnetz, wie es Josef Ledermann nun im Gemeinderat vorstellte, würde gleichmäßig schnelles Internet bereitstellen. Der Plan folgt einer bereits vor gut drei Jahren erstellten Ausbaustrategie: Zwei ringförmige Basisnetze, sogenannte Backbones würden sowohl um die Ballungsräume der Kerngemeinde als auch um das gesamte Gemeindegebiet verlaufen und so die Ortschaften miteinander verbinden. Davon ausgehend würden mehrere Hauptnetze, "Cluster" entstehen, von denen wiederum die Hausanschlüsse abgehen. Im Grunde also eine Struktur, wie man sie von Strom- oder Wasserleitungen kennt.

Insgesamt etwa 250 Kilometer Kabel werde man verlegen müssen, schätzt Ledermann, was rund 25 Millionen Euro kosten werde. Allerdings soll davon nur der geringste Teil aus der Gemeindekasse kommen. Etwa 13,25 Millionen würde es kosten, das Basisnetz und die Cluster zu erstellen sowie Rathaus und Schulen anzuschließen. Nach den gegenwärtig von Bund und Land verfügbaren Förderprogrammen könnte die Gemeinde dafür 10,6 Millionen Euro erhalten. Auch für den Rest, die verbleibenden Lückenschlüsse, rechnet die Verwaltung mit rund 80 Prozent Fördermittel, so dass am Ende eine Eigeninvestition von fünf Millionen Euro bleibe.

Eine Kalkulation, die Josef Mittermeier (SPD) bezweifelte. Es gebe durchaus Firmen, die in Vaterstetten ein Glasfasernetz bauen wollten, und dann falle die Grundlage für die Förderung weg. Ledermann hingegen verwies auf die sogenannte Markterkundung, danach habe sich eben keine Firma gefunden. Mittermeier kritisierte auch, dass die Aufgabe für die Gemeinde zu groß sei: "Wir können es als Kommune nicht, wir müssten alles vergeben." Da sei es besser, das ganze Vorhaben gleich in die Hände eines Unternehmens zu legen.

Das es aber nicht gebe, sagte Spitzauer: "Ernsthafte Versuche hat es bisher nicht gegeben, wenn wir nichts tun, passiert nichts." Der Meinung war auch David Göhler (Grüne) "es gab schon genug Gelegenheiten, dass Firmen es realisieren konnten". Ähnlich äußerte sich Klaus Willenberg (FDP), der eigenwirtschaftliche Ausbau sei gescheitert. Beide erklärten aber, dass sie noch zu viele offene Fragen hätten, um gleich zustimmen zu können und beantragten eine Vertagung. "Ich will es nicht durchdrücken", sagte Spitzauer. Er schlug vor, Fragen zu sammeln und schriftlich zu beantworten. Der Fragenkatalog soll in einer kommenden Sitzung, möglichst im Dezember mit den Vorlagen zusammen verschickt werden. Ohne Gegenstimmen wurde dieses Vorgehen angenommen.

© SZ vom 24.11.2020
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