Energiewende:Heiß auf Erdwärme

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Die Preise für heißes Wasser aus der Erde können sich doch nicht derart erhöhen, glauben viele Kunden der Geothermie. (Foto: Florian Peljak)

Die Pläne der Bundesregierung zur Heizungsumstellung befeuern das Interesse der Vaterstettener an der Geothermie. Wenn alles nach Plan läuft, geht es 2026 los.

Von Barbara Mooser, Vaterstetten

Die Ungeduld ist groß. In diesen Tagen hat der Vaterstettener Wirtschaftsförderer Georg Kast immer wieder Bürgerinnen und Bürger am Telefon, denen es einfach nicht schnell genug geht mit der Geothermie in ihrer Gemeinde. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung zum Heizungsaustausch haben das ohnehin hohe Interesse nach der nachhaltigen Wärmeversorgung weiter befeuert. "Aber wir können halt mal nicht alle Straßen gleichzeitig machen", sagt Kast. Das Geothermieprojekt treiben die Vaterstettener weiter voran, gemeinsam mit Haar, Grasbrunn und Zorneding, die sich ebenfalls beteiligen wollen. Wann aber die Wärme aus der Tiefe tatsächlich genutzt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab - läuft alles nach Plan, könnte es laut Kast und Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) im Jahr 2026 so weit sein.

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Im Gemeinderat und seinen Gremien ging es zuletzt um die Rechtsform für das Geothermieprojekt, dabei gibt es laut Kast ganz klare Präferenzen: Man wird wohl eine GmbH oder eine GmbH & Co. KG gründen. Dies würde auch einen Einstieg von privaten Investoren in das interkommunale Projekt möglich machen, erläutert Kast. Derzeit sei man in der Abstimmung mit den Partnergemeinden, dann soll die Gesellschaftsgründung eingeleitet werden, idealerweise noch vor der Sommerpause. Wie Spitzauer unterstreicht, will man die Möglichkeit schaffen, dass sich weitere Gemeinden zu einem späteren Zeitpunkt dem Projekt anschließen können. Die Gesellschaftsgründung ist auch deshalb wichtig, weil nur mit ihr auch die notwendigen Zuschüsse für das Vorhaben abgerufen werden können.

Der Rückhalt im Gemeinderat ist groß

Und diese sind dringend nötig, schließlich ist die finanzielle Belastung für die Gemeinde erst einmal groß. In der Vergangenheit war von Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro die Rede gewesen, allerdings stammt die Datenbasis für diese Berechnung aus der Zeit vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, wie Spitzauer betont. Baukosten und Zinsen sind seitdem deutlich angestiegen, allerdings auch die Wärmepreise und somit die prognostizierten Erlöse. Natürlich, so Kast, könne das Projekt nur realisiert werden, wenn es wirtschaftlich sei, die Berechnungen müssten also an die aktuelle Situation angepasst werden.

Die Zuversicht, dass alles klappt, ist allerdings groß - und auch der Rückhalt im Gemeinderat, wie Spitzauer unterstreicht. Fraktionsübergreifend sei in den jüngsten Haushaltsberatungen die Bedeutung des Projekts betont worden: "Es gibt eine breite Basis."

Noch gibt es allerdings viel zu tun, einer der nächsten Schritte ist laut Spitzauer und Kast, der Antrag auf bergrechtliche Erlaubnis für die Bohrung. Dann kann auch der Bohrplatz hergerichtet werden, für den die Grundstücksverhandlungen derzeit noch nicht ganz abgeschlossen sind. Das Areal, auf dem voraussichtlich gebohrt werden wird, befindet sich laut Spitzauer zwischen Weißenfeld und Vaterstetten auf der Ostseite der Autobahn. Die Bohrung soll 2025 erfolgen. Die Fachleute rechnen damit, dass etwa 3300 Meter unter der Erde Thermalwasser gefördert werden kann. "Wir hoffen, dass die Temperatur über 90 Grad liegt", sagt Kast. Je nachdem, wie die Pumpversuche laufen und wie lang die notwendigen Analysen dauern, könnte schon 2026 ein Teil der Vaterstettener mit Erdwärme heizen.

Manche müssen sich wohl eine Übergangslösung einfallen lassen

Rein rechnerisch sollen mit der Geothermie Vaterstetten und Baldham komplett versorgt werden können. Weil aber noch nicht jeder Haushalt über einen Fernwärmeanschluss verfügt, wird man die Wärme auch andernorts schnell vermarkten. Große Abnehmer, so Kast, gebe es ja unter anderem in Grasbrunn.

Die Straßen in Vaterstetten werden schrittweise angeschlossen, sechs bis acht Jahre könnte es dauern, bis jeder, der möchte, mit Erdwärme versorgt werden kann. Das heißt also, dass einige Vaterstettener, die dringend darauf hoffen, dass sie ihre alte Öl- oder Gasheizung bald durch Fernwärme ersetzen können, enttäuscht werden müssen. "Momentan ist es so, dass jeder meint, er muss Druck machen", sagt Kast, aber man können nun einmal nicht das kleinste Sträßchen sofort anschließen, nur weil es einige Anwohner forderten: "Das muss alles mit Hirn geplant werden." Es werde sich für einige Hausbesitzer wohl nicht vermeiden lassen, über eine Übergangslösung für die Heizung nachzudenken. Das Ausbaukonzept für die Gemeinde will man laut Kast bis Herbst fertigstellen und kommunizieren.

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