SZ-Serie: Kuriose Geschenke:"Da hätten's g'schaut, wenn ich den eingelöst hätt'!"

SZ-Serie: Kuriose Geschenke: Ob die Person auf dem Bild ihre Yoga-Übungen nackt gemacht hat, ist nicht ganz genau zu erkennen. Georg Reitsberger hingegen hatte bisher noch nie eine Yoga-Stunde. Vielleicht wird er es irgendwann einmal probieren - dann aber auf jeden Fall angezogen.

Ob die Person auf dem Bild ihre Yoga-Übungen nackt gemacht hat, ist nicht ganz genau zu erkennen. Georg Reitsberger hingegen hatte bisher noch nie eine Yoga-Stunde. Vielleicht wird er es irgendwann einmal probieren - dann aber auf jeden Fall angezogen.

(Foto: Carles Navarro /Imago/Addictive Stock)

In seiner aktiven Zeit als Vaterstettener Rathauschef bekam Georg Reitsberger einmal einen Gutschein der besonderen Art: für die Teilnahme an einer Nackt-Yoga-Stunde.

Von Michaela Pelz, Vaterstetten

Der eine verschenkt traditionell selbst gestrickte Schafwollpullover - und sorgt damit bei den Empfängern für gemischte Gefühle, die andere wurde als Veganerin schon mal mit einem Metzgerei-Abo bedacht ... Die SZ Ebersberg hat für ihre Serie "Kuriose Geschenke" Menschen aus dem Landkreis nach ihren Erfahrungen mit unerwarteten Gaben gefragt.

In einem Rathaus auf dem Land ist ja immer viel los. Bürger und Bürgerinnen schätzen den kurzen Draht zum Gemeindeoberhaupt, werden auch immer wieder persönlich vorstellig mit ihren Anliegen. So auch bei der Episode, an die sich Vaterstettens Altbürgermeister Georg Reitsberger, 70, aus seiner aktiven Zeit erinnert.

"Der zur Tür hereinkam, war neu im Ort, kannte mich aber schon ewig lang, darum waren wir gleich per du." Nach einer besonderen Garage habe der Mann gesucht, für seine Stretchlimousine und hoffte, der Rathauschef könne ihm ein geeignetes Mietobjekt vermitteln.

Dem war leider nicht so, doch habe sich dann ein Gespräch über die sonstigen Aktivitäten des Besuchers angeschlossen. Dabei erzählte dieser, er sei unter anderem im Nackt-Yoga-Business und suche dafür ebenfalls Räumlichkeiten. Schließlich müsse man als Gemeinde ja schon weltoffen sein.

"Daraufhin haben wir herumgeflachst und ich hab' gesagt, dass das ja genau das Richtige für mich wäre, als Bürgermeister mit bayerisch-barocker Statur, der kein Kostverächter ist, gern sein Bier trinkt und Gemütlichkeit mag", sagt der Politiker und Landwirt und lacht.

SZ-Serie: Kuriose Geschenke: Auf dem Bulldog fühlt sich Georg Reitsberger am wohlsten. Dieser stammt aus dem Jahr 1954; ein noch um drei Jahre älteres Exemplar, auf dem er als Sechsjähriger Traktor fahren gelernt hat, bekam er als Geschenk von seinen Geschwistern. Das löste deutlich mehr Begeisterung aus als der Nackt-Yoga-Gutschein.

Auf dem Bulldog fühlt sich Georg Reitsberger am wohlsten. Dieser stammt aus dem Jahr 1954; ein noch um drei Jahre älteres Exemplar, auf dem er als Sechsjähriger Traktor fahren gelernt hat, bekam er als Geschenk von seinen Geschwistern. Das löste deutlich mehr Begeisterung aus als der Nackt-Yoga-Gutschein.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Am nächsten Tag war die Überraschung groß, als ein entsprechender Gutschein abgegeben wurde. "Ich dachte, den muss ich sofort verstecken vor meinen Mitarbeiterinnen und der Familie, das ist ja peinlich! Außerdem: Da hätten's g'schaut, wenn ich den eingelöst hätt'! Da wäre die Gruppe ja vor Schreck erblasst!" Es sei daher völlig ausgeschlossen, dass er das Geschenk annehmen könne, habe er den Gewerbetreibenden wissen lassen. Worauf dieser konterte, dass es sich um einen übertragbaren Gutschein handele.

Auch als er erzählt, was dann passierte, kann Reitsberger sein Lachen nicht unterdrücken. "Ich dachte sofort an meinen Schwiegersohn. Der hat eine ähnliche Einstellung wie ich, darum überraschte ich ihn mit dem Gutschein als Geschenk zum Geburtstag." Die Überraschung gelang - der mit der Nackt-Yoga-Freistunde bedachte sei absolut sprachlos gewesen - vor allem wohl, weil es sich bei dem Schenker um seinen Schwiegervater handelte. Einlösen allerdings wollte auch der junge Mann ("im Unterschied zu mir rank und schlank") den Gutschein nicht, habe ihn postwendend zurückgegeben.

Am Ende kam es, wie es kommen musste: "Wir haben den Termin 'übersehen‛ und sind nicht hingegangen." Den Mann, von dem der Gutschein stammte, hat Reitsberger später übrigens wiedergetroffen. "Er hat schon mitgekriegt, dass ich das Geschenk hab' verfallen lassen und meinte, dass er sich das schon gedacht habe. Für den war es eine Gaudi, den Bürgermeister in Verlegenheit zu bringen."

Wo genau der Gutschein abgeblieben ist, weiß Reitsberger nicht. Woran er sich aber noch gut erinnert, ist das dazugehörige Foto: "Es war ein anständiges, wo man nichts weiter gesehen hat, kein Sittenverstoß. Es ging nur darum, eine Vorstellung zu haben, wie Yoga geht."

Bisher hat der 70-Jährige diese Meditationsform noch nicht praktiziert, vor allem aus Zeitmangel. Aber er schließt nicht aus, dass er es doch einmal probieren wird. Allerdings definitiv in angezogenem Zustand.

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