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Vaterstetten:Ein Grundstück, zwei Häuser, vier Dächer

Im Baldhamer Fuchsweg kann man ein rundum gelungenes Beispiel für Nachverdichtung bestaunen

Von Anja Blum, Vaterstetten

Als gelungenes Beispiel für Nachverdichtung führen die "Architektouren" ein Doppelhaus aus Holz in Baldham an. Auf dem 670 Quadratmeter großen Grundstück im Fuchsweg stand bislang nur ein Haus, nun sind es zwei. Gelungen ist das Projekt deshalb, weil die Planer den vorhandenen Platz optimal ausgenutzt und trotzdem große Wohnqualität geschaffen haben. Sprich: Das Innere überzeugt mit schönen und zugleich praktischen Grundrissen, die Gärten haben eine ansprechende Größe, die Eingänge sowie die Terrassen liegen nicht nebeneinander, was ein großes Maß an Privatheit garantiert. Mit der grassierenden Hasenstall-Bauweise hat dieses Objekt also nichts gemein.

Zu verdanken ist dies wohl vor allem einer günstigen Konstellation: Das Grundstück gehört fünf Geschwistern, das alte Haus, dessen Markenzeichen ein geschmiedeter Fuchs an der Außenfassade war, hatte der Opa in den Fünfziger Jahren gebaut. Zuletzt aber war es leider schon sehr baufällig, außerdem musste eine Lösung her, um Eigenbedarf sowie geschwisterliche Gerechtigkeit unter einen Hut zu bekommen. Eine Schwester nämlich hatte schon im Fuchsweg gelebt und wollte dort auch wohnen bleiben. Also ersann ein Bruder, seines Zeichens Architekt, die Idee mit dem Doppelhaus. "Das ursprüngliche Gebäude war eigentlich eh viel zu klein für das Grundstück", sagt er.

Architektouren - Fuchsweg 20 Baldham

Sitzfenster sind nur eines der vielen liebevollen Details der Planung von Bernhard Kurz.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Voller Stolz führt der Bruder, Bernhard Kurz vom Münchner Architekturbüro Ifub, durch Haus und Garten. "Meine Schwester hat gesagt, sie wusste bislang gar nicht, wie schön man wohnen kann", erzählt er und fügt an: "So ein tolles Kompliment habe ich noch nie bekommen." Er selbst wiederum ist voll des Lobes für seine Bürokollegen, die ihn mit tollen Ideen unterstützt hätten, und für die beiden Familien, die nun im Fuchsweg leben: "Es ist selten, dass man Bauherren hat, die so toll mitgehen", sagt Kurz. Im Gegenzug bekamen die neuen Eigentümer Häuser, die ganz auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das zweite Bad lieber hier? Na klar! Vier Zimmer anstatt drei? Gar kein Problem! Sogar alte Möbel, Familienerbstücke, wurden kurzerhand in den durchdachten Innenausbau integriert.

Ein Hingucker aber ist vor allem der Zuschnitt des Doppelhauses: Steht man im Fuchsweg, blickt man auf vier Satteldächer von zwei Häusern und zwei Garagen. Die Volumen der Baukörper wurden dabei aber sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe gestaffelt - eine spannungsreiche Komposition. Sogar die Anordnung von Fenstern und Türen ist individuell. Und doch erscheint das Doppelhaus als Einheit - zusammengehalten von einer unbehandelten Lärchenholzschalung in der jeweiligen Dachneigung und der Querstellung der vier Baukörper zur Straße, aber auch von Details wie durchgängig quadratischen Öffnungen oder Kastenrinnen fürs Regenwasser. "Wir haben versucht, den Notwendigkeiten, die sich durch das Grundstück und die Auflagen ergeben haben, mit planerischer Gestaltung zu begegnen", erklärt Kurz. Und man muss sagen: Das ist gelungen. Sogar der Fuchs, den einst der Großvater schmiedete, fühlt sich offenbar wohl damit: Er wurde frisch lackiert und hat nun wieder seinen Platz an der Fassade eingenommen.

© SZ vom 10.07.2020

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