Süddeutsche Zeitung

Vaterstetten:Ein Bus nach Norden

Mittelschüler aus den Vaterstettener Ortschaften sollen bald in Poing lernen

Der Weg in die Schule fällt nicht immer leicht, das ist bekannt. Doch wer in Parsdorf, Hergolding oder Purfing wohnt und eine Mittelschule besucht, dem fällt der Schulweg noch deutlich schwerer als den Klassenkameraden aus den südlicheren Ortsteilen Vaterstettens. Denn viele der Vaterstettener Kinder gehen in die Mittelschule in Haar, was für die Schüler aus den nördlichen Ortschaften einen sehr viel längeren Weg bedeutet. Der Schulausschuss des Gemeinderates hat darum nun beschlossen, dass die Verwaltung mit der Gemeinde Poing darüber verhandeln soll, ob man die nördlichen Ortschaften der Großgemeinde dem Sprengel der Poinger Mittelschule zuschlagen kann. Außerdem erhalten Kinder aus Vaterstetten, die bereits als Gastschüler die Anni-Pickert-Schule besuchen vom neuen Schuljahr an die Fahrtkosten erstattet.

Grundsätzlich erhalten Schüler nur dann die Fahrtkosten erstattet, wenn sie eine Schule in ihrem jeweiligen Sprengel besuchen. Für Vaterstetten ist das neben der Mittelschule in der Johann-Strauß-Straße auch die Haarer Mittelschule, denn mit der Nachbargemeinde gibt es einen Schulverbund. Nach Vaterstetten gehen die Kinder, die die gebundene Ganztagsklassen besuchen; wer sich für eine Halbtagesklasse entscheidet, besucht die Haarer Schule. Allerdings haben einige Eltern aus den nördlichen Ortschaften erfolgreich einen Gastschulantrag eingereicht, so dass derzeit zehn Vaterstettener Kinder in Poing zur Schule gehen dürfen - allerdings die Fahrt dorthin selbst zahlen müssen.

Dies sei ungerecht, befanden nun parteiübergreifend drei Gemeinderäte aus den Ortschaften: Benedikt Weber (CSU) und Sepp Mittermeier (SPD) aus Neufarn sowie Albert Wirth (CSU) aus Parsdorf. Sie hatten darum beantragt, dass Vaterstetten auch den Gastschülern die Fahrtkosten bezahlt. Eigentlich entstünden damit gar keine Mehrkosten, sagte Weber. Gingen die Kinder nämlich nach Haar zur Schule, müsste die Gemeinde ebenfalls zahlen. Tatsächlich sei "die Gemeinde bisher sehr gut damit gefahren, dass die Eltern auf ihren Kosten sitzen bleiben", ergänzte Mittermeier.

Seitens der Verwaltung wurde der Antrag allerdings kritisch gesehen. Er sei zwar grundsätzlich dafür, dass die Fahrt in die Schule kostenlos sein solle, so Bürgermeister Georg Reitsberger (FW), "aber wir haben einen Schulverbund und der sagt was anderes". Sein Büroleiter Georg Kast warnte vor möglichen rechtlichen Problemen: "Wir dürfen das eigentlich nicht", kommentierte er den Antrag. Außerdem könnten die Kosten erheblich sein. Zwar geht es derzeit nur um zehn und im kommenden Schuljahr maximal um zwölf Kinder, was Fahrtkosten von rund 4400 Euro bedeuten würden. "Das könnten aber schnell fünf Mal so viel werden." Sinnvoller sei es daher, über einen neuen Zuschnitt der Sprengel nachzudenken, empfahl Kast. Damit würde es für die Eltern auch entfallen, einen Gastschulantrag stellen zu müssen, der im Übrigen nicht immer genehmigt werde.

Trotz der Einwände der Verwaltung stimmten gegen die Übernahme der Fahrtkosten schließlich lediglich der Bürgermeister sowie Wolfgang Will (FDP) und Manfred Schmidt (FBU/AfD). Der Auftrag an die Verwaltung, mit der Nachbargemeinde über einen Neuzuschnitt der Sprengel oder einen weiteren Schulverbund zu reden, erging dagegen einstimmig.

Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) kann derzeit noch nicht sagen, ob der reguläre Schulbesuch Vaterstettener Kinder in Poing irgendwann möglich sei. "Wir müssten erst wissen, um wie viele Kinder es geht." Und ob es genug Platz in der Poinger Schule gibt.

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Quelle:
SZ vom 15.07.2015
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