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MVV-Tarif Vaterstetten:Keine Kurzstrecke möglich

S 7 Ausbau - S-Bahn Verlängerung nach Geretsried

Die S-Bahn bringt die Fahrgäste aus Vaterstetten oder Baldham schnell in die Stadt - allerdings werden die Fahrpreise wohl nicht so schnell gerechter.

(Foto: Hartmut Pöstges)

S-Bahnfahrten nach München bleiben für Vaterstettener wohl noch jahrelang teuer, denn die Tarifstruktur verbietet, Kurzstrecken und Zonentickets zu kombinieren. Eine Verbesserung lässt auf sich warten.

Dass Verspätungen gelegentlich zum Bahn-Alltag gehören, weiß jeder Pendler aus Erfahrung. Der Zeitrahmen bei den von der Gemeinde Vaterstetten angeregten günstigeren Fahrpreise nach München dürfte allerdings die Geduld auch des gelassensten Bahnpassagiers überstrapazieren. Zwei bis drei Jahre dauert es nach Einschätzung von Landrat Robert Niedergesäß (CSU) mindestens noch, bis eine entsprechende Tarifreform in Kraft treten kann.

Das Problem betrifft besonders Nutzer von Streifenkarten, die von Vaterstetten oder Baldham in Richtung München fahren. Diese sind von einer teuren Besonderheit des MVV-Tarifsystems betroffen: Die Fahrt nach Haar kostet einen Streifen, weil es sich um eine Kurzstrecke handelt. Von Haar nach München sind zwei Streifen zu entwerten, also sollte die Fahrt etwa von Baldham zum Ostbahnhof für drei Streifen auf der Karte zu haben sein - ist sie aber nicht. Wer zwischen Baldham oder Vaterstetten und irgendeiner S-Bahnstation hinter Haar verkehrt, muss vier Streifen stempeln - es sei denn, man springt in Haar schnell aus dem Zug und stempelt dort nach. Diese sportliche Einlage spart derzeit immerhin 1,30 Euro - pro Fahrtstrecke.

Der Verschiebung der Zonengrenze stimmt der MVV nicht zu

Um dies zu ändern, hatte der Vaterstettener Verkehrsausschuss im Oktober einen Appell gestartet. Die Gemeinde bat damals den Landrat, der auch Sprecher der MVV-Landkreise ist, sich dafür einzusetzen, dass die Vaterstettener günstiger nach München fahren können. Die Idee der Ausschussmitglieder war damals eine Verschiebung der Zonengrenze, also dass man doch die Bahnhöfe in Vaterstetten und Baldham wie Haar der Tarifzone Innenbereich zuschlagen solle. Damit wäre eine einfache Fahrt nach München dann für zwei Streifen zu haben.

Bereits kurz nach dem Antrag der Vaterstettener machte Niedergesäß klar, dass der MVV dem nicht zustimmen werde. Er zitierte aus einer Stellungnahme des Tarifverbundes, darin werden solche "Insellösungen" kategorisch abgelehnt mit der Begründung, dass man keine Präzedenzfälle schaffen wolle. Denn diese, so die Befürchtungen seitens des MVV, könnten weitere Anträge auf Verlegungen nach sich ziehen, die man dann nicht ablehnen könne. Letztlich könne dies "einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Mindereinnahmen" zur Folge haben. Daher, so Niedergesäß damals, sehe er "aktuell keine Chance auf Realisierung" für eine Verschiebung der Tarifzonen.

Eine Tarifstrukturreform könnte helfen

Langfristig, das machte Niedergesäß auch schon im Herbst klar, könne es aber durchaus eine Möglichkeit geben, den Wünschen der Vaterstettener zu entsprechen: eine Tarifstrukturreform. Dass eine solche nötig ist, und wann diese umgesetzt werden könne, hat der Landrat nun konkretisiert. In einem Schreiben an Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) nennt er den Antrag des Verkehrsausschusses "ein berechtigtes Anliegen der Gemeinde".

Für Niedergesäß ist "die bisherige Lösung nicht nachvollziehbar, und gerade der Tarifsprung zwischen Haar und Vaterstetten von zwei auf vier Streifen ist sehr ungerecht". Auf "dieses dauerhafte Ärgernis" habe er bereits 2014 hingewiesen, als es das erste Mal beim MVV um eine Tarifstrukturreform ging.

Der Landrat bittet aber um Geduld

Niedergesäß geht davon aus, dass eine solche in den kommenden Jahren umgesetzt wird, und dass dann auch die Vaterstettener davon profitieren können. Man werde "für solche Tarifsprünge - die ja im gesamten MVV-Bereich existieren und nicht nur in Vaterstetten - bessere und gerechtere Lösungen finden müssen", so der Landrat. Er sichert auch zu, sich für dieses Anliegen ganz besonders einzusetzen: "Ohne eine tragbare und bessere Lösung in dieser Frage werde ich persönlich einer Tarifstrukturreform nicht meine Zustimmung erteilen!"

Wann es soweit ist, darauf möchte sich Niedergesäß noch nicht festlegen, er bittet die Vaterstettener aber um etwas Geduld. Aufgrund der Komplexität der Reform, benötige diese "leider ein gewisses Maß an Zeit, wofür ich um Verständnis bitten muss". Im ersten Quartal 2016 soll es zunächst eine Machbarkeitsstudie geben, "mit einer Umsetzung der ersten Maßnahmen kann in etwa in zwei bis drei Jahren gerechnet werden".