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Vaterstetten:Biomüll-Tüten stinken Kompostbauern

Beutel aus Maisstärke sind praktisch - verrotten aber nur langsam. Ein Verbot ist dennoch problematisch.

Vaterstetten - Sie sehen aus wie typische Müllbeutel, doch sie sind nicht aus Plastik, sondern aus Maisstärke und für den Biomüll gedacht. "Ich bin kompostierbar", steht in großen Lettern auf den Tüten, die viele Bürger im Landkreis für ihre Bioabfälle verwenden - im Vertrauen auf deren Umweltverträglichkeit. Doch nun will Vaterstetten als erste Gemeinde im Landkreis die Bio-Tüten nicht mehr erlauben. Denn die Beutel erfüllen ihr Versprechen nur halb: Sie verrotten zwar, aber häufig so langsam, dass viele Kompostbauern sie aussortieren müssen.

Mindestens drei Monate dauert es, bis die Bio-Tüten aus Maisstärke verrottet sind, so viel Zeit hat Kompost-Bauer Johann Hackl aus Vaterstetten nicht.. __________________________________________

(Foto: EBE)

"Die kompostierbaren Beutel sind eine riesige Sauerei", beschwert sich Landwirt und Komposthof-Betreiber Walter Unkelbach aus Hergolding. Die Botschaft, mit der die Tüten verkauft werden, lasse die Verbraucher glauben, sie entsorgten ihre Bioabfälle umweltverträglich. "Die Hersteller gaukeln vor, dass die Beutel problemlos abbaubar sind." Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Auf Unkelbachs Komposthof verursachen die Bio-Abfalltüten viel Ärger.

Das Problem sei, dass die Tüten mindestens drei Monate brauchen, um zu verrotten, erklärt Vaterstettens Umweltreferent, Wolfgang Kuhn. Kompostbauer Unkelbach hat aber nur sechs Wochen Zeit. Dann muss aus den Küchen- und Gartenabfällen, die bei ihm angeliefert werden, Kompost geworden sein. "Es dauert eine Ewigkeit, bis die Beutel abgebaut sind", klagt der Bauer. Und Kompost mit Tütenfetzen lässt sich nicht verkaufen, weiß Andreas Duscher vom Vaterstettener Umweltamt.

"Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Leute die Kompostbeutel oft zubinden und wir dann jeden Beutel einzeln öffnen müssen", moniert Unkelbach. Denn die Kompostbauern müssen den Bioabfall auf Störstoffe wie Plastik durchsuchen. "Doch das Aufreißen ist sehr schwierig", hat Unkelbachs Kollege Johann Hackl vom Reitsberger Hof in Vaterstetten festgestellt: Die Maisstärke-Tüten seien sogar reißfester als normales Plastik.

Ein weiteres Problem für die Bauern: Es ist teilweise sehr schwierig, die Maisbeutel von Plastiktüten zu unterscheiden: "Wenn sich die Schrift ablöst, erkennt man die kompostierbaren Tüten nicht mehr. Und bei Aldi gibt es kompostierbare Beutel, die aussehen wie normale Aldi-Tüten", sagt Andreas Duscher vom Vaterstettener Umweltamt. Zudem stellen die Beutel ein eigenes Müllproblem dar, erklärt Bauer Unkelbach: "Beim Sieben des Komposts bleiben sie hängen und der Wind treibt sie in die Büsche. Das lässt natürlich auch unsere Personalkosten steigen." Kosten, die letztlich die Bürger über die Müllgebühren tragen müssen.

Die Vaterstettener Kompostbauern haben sich deshalb an die Gemeinde gewandt. Im Umwelt- und Entwicklungsausschuss haben sie den Gemeinderäten ihre missliche Lage geschildert und Gehör gefunden:

Im Mai wird das Umweltamt die Bürger im Gemeindeblatt informieren, dass die kompostierbaren Beutel aus Maismehl in der Gemeinde Vaterstetten nicht erlaubt sind. Als Alternative empfiehlt das Umweltamt Papiertüten. "Oder am besten gar nichts - schließlich kann man den Bioabfall auch einfach so in die Tonne werfen", sagt Duscher.

Um ein echtes Verbot handelt es sich bei dem Aufruf der Gemeinde trotz der Formulierung nicht. "Die Gemeinde hat keine rechtliche Handhabe", gibt Umweltreferent Kuhn zu. Man könne die Bürger nur aufklären und darum bitten, die Beutel nicht mehr zu verwenden. Die Beutel verbieten, könnte nur das Landratsamt. Kuhn meint deshalb: "Wir sollten deshalb ein landkreisweites Verbot diskutieren."

Im Landratsamt Ebersberg hält man davon wenig: Laut der Abfallwirtschaftssatzung des Landkreises seien die Maismehl-Beutel erlaubt, sagt die Pressesprecherin des Landratsamts, Evelyn Schwaiger. "Die Tüten sind kompostierbar, daher ist nicht geplant, die Beutel zu verbieten. Außerdem könnten die Hersteller klagen", befürchtet sie. Schließlich sind die Tüten nach EU-Norm zertifiziert. Es wird also bei einzelnen Appellen bleiben.