Diskussionsabend der PetrikircheLieber Schnäppchen statt Spende

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Eine ausreichende Menge an Lebensmitteln und helfenden Händen ist bei der Vaterstettener Tafel nicht immer gegeben.
Eine ausreichende Menge an Lebensmitteln und helfenden Händen ist bei der Vaterstettener Tafel nicht immer gegeben. Felix Kästle/dpa

Wegen der kriselnden Wirtschaft sinkt auch die Unterstützung der Unternehmen für die Tafeln, das ist selbst in Vaterstetten spürbar. Außerdem wird die Personaldecke dort immer dünner.

Von Mariella Kleebinder, Vaterstetten

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Dass die Tafel mehr als nur eine Organisation ist – nämlich ein wichtiger Teil der Gesellschaft – zeigt sich auch in Baldham und Vaterstetten. Zwar sieht es von außen in der Gemeinde nicht so aus, als gäbe es viele Menschen, die auf gespendete Lebensmittel angewiesen sind, doch die Zahl der Kunden der Vaterstettener Tafel wächst stetig – auch unter Kindern und Jugendlichen.

Diese Aussage zum Zustand der Vaterstettener Essensausgabe stammt von Oliver Westphalen, seit 2013 Leiter der örtlichen Nachbarschaftshilfe, also dem Träger der Tafel der Gemeinden Vaterstetten/Grasbrunn. „Aufgetischt: Welche Bedeutung hat die Tafel für unsere Gesellschaft?“ Unter diesem Motto hatte die Petrigemeinde Baldham zu einer interkonfessionellen Diskussionsrunde eingeladen.

Aktuell, so Westphalen, könne die Lebensmittelausgabe in Vaterstetten noch vollständig durch Ehrenamtliche gedeckt werden – doch die Personaldecke sei dünn. „Um die Versorgung der aktuell 290 Tafelkunden – wovon 104 Kinder und Jugendliche sind – sicherzustellen, braucht es dringend mehr Ehrenamtliche“, so Westphalen. Denn perspektivisch werde die Zahl der Bedürftigen nicht kleiner, sondern größer.

Die Zahl der Bedürftigen steigt, während die Menge der Lebensmittelspenden sinkt

Immer geringer wird jedoch die Menge der Lebensmittelspenden an die Vaterstettener Tafel. Zwar spenden laut Westphalen große lokale Betriebe wie ein Feinkosthändler aus Parsdorf große Mengen an Lebensmitteln, 200 bis 300 Kilogramm pro Woche, und unterstützen Menschen in Not damit maßgeblich. Doch bei anderen Betrieben in der Umgebung nehme die Unterstützung spürbar ab. Immer mehr Supermärkte und Bäckereien fänden andere Wege, wie sie nicht verkaufte Waren oder Produkte, die nah am Mindesthaltbarkeitsdatum sind, noch zu reduzierten Preisen vermarkten könnten, anstatt sie an die Tafel zu spenden.

So setzten Bäckereien beispielsweise auf das „Yesterday Geschäft“ und verkaufen Backwaren vom Vortag für den halben Preis. Eine Entwicklung, die Peter Zilles – Vorsitzender der Tafel Bayern – zwar einerseits begrüßt, da so weniger Lebensmittel im Müll landen. Andererseits kämen deswegen Produkte, die früher den Tafeln zugutegekommen wären, heute nicht mehr dort an. „Das führt zu einer geringeren Menge an Lebensmitteln, die uns zur Verteilung zur Verfügung stehen. Das ist für uns ein großes Problem“ , so Zilles.

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Eines wird bei dem Diskussionsabend in der evangelischen Petrikirche klar: Der Erfolg der Tafeln ist stark von einer erfolgreichen lokalen Wirtschaft und gesellschaftlichem Engagement abhängig. Bei letzterem sieht Pfarrer Hans-Joachim Brennecke, Leiter des katholischen Pfarrverbands Vaterstetten, die Kirchen in der Pflicht. „Was könnten, müssten wir tun, um die Solidarität mit den Bedürftigen aufrechtzuerhalten, um Menschen dazu zu bewegen, sich bei der Tafel zu engagieren?“, fragt Brennecke in den Raum hinein – und liefert gleich selbst eine Antwort.

Der Landrat plädiert für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr nach der Schule

Der Pfarrer schlägt vor, dass Institutionen wie der Tafel im Firm- und Konfirmandenunterricht eine größere Bedeutung zugemessen werden soll. Vorstellen könne er sich etwa einen verpflichtenden Tag bei der Tafel, um die Kinder und Jugendlichen für diese wichtige ehrenamtliche Arbeit zu sensibilisieren. Robert Niedergesäß, Landrat des Landkreises Ebersberg, wünscht sich die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres nach der Schule. Er sieht in dem sozialen Dienst Potenzial für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt, Empathie und Engagement für Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen.

Vonseiten der Gäste wird dem Podium die Frage gestellt, wie man versteckte Armut entlarven und hilfsbedürftige Menschen besser erreichen könne. Das Angebot der Tafel in Anspruch zu nehmen, sei vielen unangenehm, heißt es. Zilles sagt, er habe schon oft bemerkt, dass Kunden der Lebensmittelausgabe fernblieben – aus Angst davor, dort von Nachbarn oder anderen Bekannten erkannt zu werden. Auch darüber, wie die Tafel kaum oder nicht mobile Menschen erreichen und versorgen kann, wird gesprochen. Aktuell, so Westphalen, sei die Personaldecke in Vaterstetten noch dick genug, um auch Kunden, die nicht selbst zur Lebensmittelausgabe kommen können, zu versorgen. Sollte indes die Anzahl der Ehrenamtlichen abnehmen, könnte auch die Versorgung dieser Menschen in Not schwierig werden.

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