Er hat ja nun schon Erfahrung und weiß, wie Menschen zu mobilisieren sind: Erst im August 2024 hatte der Vaterstettener Behindertenbeauftragte Jens Möllenhof zum „Barrierekrawall“ aufgerufen, weil fast ein Jahr lang der Aufzug am Baldhamer Bahnhof nicht funktionierte und somit Menschen mit Behinderung oder auch nur mit schwerem Gepäck oder Kinderwagen unmöglich ohne fremde Hilfe zum Bahnsteig kamen. An die 200 Menschen machten damals bei der Demo mit. Jetzt gibt es erneut einen Krawall am Bahnsteig – nur eine Station weiter, aber aus demselben Grund: Auch am Bahnhof Vaterstetten ist der Aufzug stillgelegt, und wann er wieder funktionieren wird, ist völlig unklar.


„Es stehen noch Prüfungen und Abnahmen aus, die Voraussetzung für die Wiederinbetriebnahme des Aufzuges sind. Da wir die Anlage von der Gemeinde übernommen haben und sich die Technik entsprechend von unseren übrigen DB-Aufzügen unterscheidet, nehmen die Prüfungen und Abnahmen durch den TÜV leider mehr Zeit in Anspruch. Aktuell können wir noch keine genaue Prognose zur Inbetriebnahme geben“, teilt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage mit.
Schon seit Ende November ist der Aufzug stillgelegt. Damals hatte die DB InfraGo AG die Gemeinde Vaterstetten informiert, dass die Anlage tags zuvor aufgrund von erheblichen Mängeln außer Betrieb gesetzt worden sei und ein Rückbau und Austausch nicht vor März 2025 geplant sei. Die Gemeinde hatte damals freilich auch in ihrer Pressemitteilung auf die lange Vorgeschichte hingewiesen. Bereits am 2. Dezember 2022 hätten die Gemeinde Vaterstetten und die DB Station & Service AG (DB), deren Rechtsnachfolgerin zwischenzeitlich die DB InfraGO AG sei, über die dringend notwendige Erneuerung der Aufzugsanlage gesprochen. Demnach sollte die Aufzugsanlage von der DB im dritten und vierten Quartal 2023 erneuert werden. „Bis dato wurden weder die vertraglich vereinbarten Termine zur Erneuerung der Aufzugsanlage in Vaterstetten von der DB gehalten, noch ein verbindlicher Termin benannt“, kritisierte die Gemeinde damals.

Auch Jens Möllenhoff hat kein Vertrauen mehr in die Zeitpläne der Bahn, schließlich hat sich beim Baldhamer Aufzug von November 2023 bis zum Spätsommer 2024 nichts getan. Erst im September 2024 funktionierte dieser wieder – gerade einmal eine Woche nach der Protestveranstaltung, die Jens Möllenhoff organisiert hatte, aber laut Bahn nicht aufgrund dieser Veranstaltung.
„Man ist nicht behindert, man wird behindert“
Wegen des Vaterstettener Aufzugs ist Möllenhoff nach eigenen Angaben regelmäßig in Kontakt mit der Bahn. Ihm werde seit Monaten mit immer weiter nach hinten gelegten Fristen die Wiederinbetriebnahme des Aufzugs versprochen, so Möllenhoff: „Selbst nach zweimonatiger Schließung wussten die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn noch nicht einmal, dass der Aufzug in ihrem Zuständigkeitsbereich liegt.“ Außerdem seien bei regelmäßigen Besuchen bis dato keine Arbeiten am Aufzug erkennbar. „Dies alles ist ein großes Ärgernis für die Bevölkerung“, unterstreicht der Vaterstettener Behindertenbeauftragte.
Von der Schließung des Aufzugs seien immerhin viele Tausend Einwohner im direkten Einzugsbereich der S-Bahnstation Vaterstetten sowie täglich viele Pendlerinnen und Pendler aus den Nachbarortschaften betroffen. So hindere der defekte Aufzug einen großen Teil der Bürgerinnen und Bürger an der Benutzung der S-Bahn und schränke ihren Bewegungsradius und ihr tägliches Leben erheblich ein. Vielen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sei es nicht möglich, die S-Bahn vor Ort zu nutzen. „Hier bewahrheitet sich einmal mehr: Man ist nicht behindert, man wird behindert“, so Möllenhoff.
Er ruft daher erneut zu einer Kundgebung, dem „Vaterstettener Barrierekrawall 2025“ auf. Die Veranstaltung findet am Samstag, 17. Mai, von 14 bis 16 Uhr am S-Bahnhof Vaterstetten statt. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die per Bahn anreisen, stehen nach Angaben Möllenhoffs Helferinnen und Helfer zur Verfügung. Energisch und laut, aber friedlich und bunt, so soll der Protest seiner Hoffnung zufolge verlaufen.

