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Vaterstetten:Anpfiff ohne Anstoß

Sportgelände Parsdorf NORD Erweiterung

Aktuell trainiert der FC Parsdorf auf seinem Platz an der Purfinger Straße, der Vaterstettener Gemeinderat hat nun beschlossen, ein Grundstück für eine Erweiterung des Sportgeländes zu kaufen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Vaterstettens Gemeinderat beschließt den Kauf eines Grundstücks zur Erweiterung des Parsdorfer Sportplatzes samt Vereinsheim. Wie bald auf der Fläche aber gebaut werden kann, ist offen

Von Wieland Bögel, Vaterstetten

Beim Sport ist das richtige Timing oftmals entscheidend für den Erfolg - bei der Planung eines Sportplatzes offenbar auch. Zumindest in Parsdorf, wo sich nach Ansicht der Vaterstettener Gemeindeverwaltung gerade eine Gelegenheit auftut, die schnelles Handeln erfordert. Nur noch bis Februar sei ein Grundstück verfügbar, das man für die Erweiterung des Sportgeländes benötigt. Der Gemeinderat sah diese Steilvorlage ebenfalls und befürwortete den Grundstückskauf bei einer Gegenstimme.

Diese kam von Axel Weingärtner (Grüne) und auch seine Begründung hatte mit Timing zu tun: "Ich glaube nicht, dass wir es uns in absehbarer Zeit leisten können." Er verwies darauf, dass die Gemeinde bereits eine Reihe von Großprojekten auf der Agenda habe, alleine in der aktuellen Sitzung habe man bereits Vorhaben für rund zehn Millionen Euro beschlossen, nämlich die neue Turnhalle der Wendelsteinschule, die Sanierung der Gemeindewohnhäuser in der Baldhamer Straße sowie des Feuerwehrhauses. Anderes, wie etwa die Digitalisierung der Schulen, werde ebenfalls viel Geld kosten und das alles in der wegen Corona unsicheren Finanzlage.

Dabei störte sich Weingärtner gar nicht mal so sehr am Grunderwerb selbst. Dessen Preis wurde in der Sitzung zwar nicht genannt, in einer vorab veröffentlichten Stellungnahme der Verwaltung ist aber von 700 000 Euro die Rede. Was bei einer Fläche von 23,5 Hektar knapp 29 Euro pro Quadratmeter entspricht. "Aber der Kauf ist ein Versprechen", so Weingärtner, nämlich auf Ausbau des Sportgeländes und das werde für die Gemeinde sehr teuer. Tatsächlich geht auch die Verwaltung in ihrer Stellungnahme von etwa fünf Millionen Euro aus. Auch was entstehen soll, steht in der Sitzungsvorlage: "Geplant ist eine Sportanlage bestehend aus Fußballplätzen (u.a. Kunstrasen), einem Kleinfeld (Training), Beachvolleyballplätzen, einem Trimm-Dich-Pfad und einem Vereinsheim (incl. Sanitäreinrichtungen)."

Was ja nicht heiße, dass dies sofort umgesetzt werde, versicherte Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU): "Versprochen ist hier noch nichts, wir können ja keine Wunder bewirken." Darum habe man sich für ein Förderprogramm des Bundes zum Bau von Sportstätten beworben, erläuterte Bauamtsleiterin Brigitte Littke. Auch hier gebe es ein Zeitlimit, Chancen auf Fördergeld habe nur, wer sich jetzt bewerbe - um aber eine Bewerbung abgeben zu können, brauche man einen Grundsatzbeschluss des Gemeinderates für die Erweiterung, und dazu brauche es ein Grundstück, wo die neue Sportstätte hin soll. Dass die Gemeinde die fünf Millionen alleine aufbringt, gilt als wenig wahrscheinlich. Oder, wie Kämmerer Markus Porombka sagte: "Ohne Fördermittel wird es schwierig."

Zur Sicherheit werde man sich parallel für ein zweites Förderprogramm bewerben, laut Porombka könne man im Erfolgsfall mit einem Zuschuss von etwa der Hälfte der Kosten rechnen. Nicht zuletzt spare die Gemeinde an anderer Stelle, sollte der FC Parsdorf sein neues Vereinsheim bekommen, sagte Spitzauer. Denn aktuell teilt sich der Verein zusammen mit der Mittagsbetreuung Räume in der benachbarten Grundschule. Allerdings reichen diese schon lange nicht mehr aus, "die Mittagsbetreuung braucht die Räume, die der FC Parsdorf nutzt", sagte auch Albert Wirth (CSU). Der Bürgermeister verwies noch auf einen weiteren positiven Aspekt des neuen Sportplatzes: Der alte wird dann frei und könnte für andere Nutzungen zur Verfügung stehen "das hat auch finanzielle Aspekte".

Was an das Vorgehen erinnert, das die Gemeinde auf dem alten Schulgrundstück an der Gluckstraße plant: Von Mitte des Jahrzehnts an soll dort in mehreren Schritten ein neues Wohngebiet entstehen. Insgesamt könnte die Gemeinde bis zu 15 Millionen Euro einnehmen.

Wie lukrativ die Bebauung des alten Sportplatzes in Parsdorf werden könnte, wurde zwar nicht erörtert, der Erwerb der Flächen im Norden sei aber "sicher kein Fehlkauf", meinte Michael Niebler (CSU). Wann dort tatsächlich einmal eine Erweiterung der Sportstätten oder ein neues Vereinsheim gebaut werde, "das hängt von den Haushaltszahlen ab". Aber damit dort überhaupt einmal etwas gebaut werden könne "müssen wir diesen Schritt gehen" und die Fläche erwerben. Er habe ja nicht mehr gedacht, dass die Stadt München verkaufen wolle, "und auch noch zu diesem Preis." Darauf verwies auch Maximilian Mack (CSU), außerdem sei es ein Zeichen des Respekts gegenüber dem Verein und seiner guten Jugendarbeit, jetzt zumindest grundsätzlich die Erweiterung zu beschließen.

"Sport ist wichtig", sagte auch Klaus Willenberg (FDP) und die Bevölkerungsprognosen zeigten, dass in Parsdorf künftig mehr Bedarf für Sportangebote bestehe. Darauf weist auch die Verwaltung in ihrer Stellungnahme hin, aus "städtebaulichen Erwägungen und im Zusammenhang mit der Einwohnerzahl" sei die Erweiterung der Sportanlage nötig. Oder, wie es Wirth formulierte: "Die Ortschaften dürfen auch mal was abkriegen - nicht nur Gewerbegebiete."

Weingärtner überzeugte das nicht, er wolle "kein Votum gegen den FC Parsdorf" abgeben, "meine Sorge gilt dem Haushalt". Eine Sorge, die der Rest des Gremiums nicht teilte und für den Kauf und die Bewerbung bei den beiden Förderprogrammen stimmte.

© SZ vom 29.09.2020

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