Urlaub im Landkreis Ebersberg Kulturperlen im Aufschwung

Idyllisch gelegen und gut erschlossen. Der Landkreis Ebersberg, hier ein Blick auf Grafing und die Alpen, wird bei Touristen immer beliebter.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Trotz eines leichten Rückgangs bei den Übernachtungszahlen wächst das touristische Interesse am Landkreis stetig. Die meisten Urlauber kommen im Sommer, zum Wandern, Radeln und zum Baden

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Wer im Landkreis Ebersberg Urlaub macht, kommt lieber im Sommer als im Winter. Das zeigen die neuesten Tourismus-Zahlen des Landesamts für Statistik. Demnach belaufen sich die Übernachtungen zwischen Januar und Mai 2018 auf 161 300, das ist ein geringer Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 4,3 Prozent. Aber kein Grund zur Sorge, meint jedenfalls Wolfram Staude, erster Vorsitzender des Tourismus-Verbands Grafing: Urlaub innerhalb von Deutschland werde immer beliebter, so Staude. "Das merken auch wir im Landkreis Ebersberg."

Da 50 Prozent der übernachtenden Gäste Urlauber seien, hätten diese bei ihrem Aufenthalt ganz unterschiedliche Pläne im Kopf, sagt Staude: Manche kommen nach Ebersberg, um nach dem Kulturgenuss in München ein wenig zu entspannen; andere genießen die vielfältige Landschaft oder das gastronomische Angebot, das etwa ein Städtchen wie Grafing zu bieten hat. "Vor allem immer mehr junge Familien haben das Wandern in der Region entdeckt", sagt Staude. Hoffnung setzt der Verbandsvorsitzende auch in die zwei neuen überregionalen Radwege: den Ring der Regionen sowie den Wasserradelweg Oberbayern. Letzterer verbinde Radeln mit Baden in den Naturseen, wie etwa dem Kastensee bei Glonn. "Das bringt unserer Region auch nochmal mehr Interesse", sagt Staude.

Generell müsse man auch feststellen, dass private Anbieter wie die Internetplattform Airbnb den Hotels und offiziellen Vermietern Gäste wegschnappten "in nicht kontrollierbaren und nicht klassifizierbaren Regionen", so Staude, "diese Anbieter schaden dem organisierten Tourismus." Im Tourismus-Verband Grafing bieten derzeit rund 25 Vermieter etwa 100 Betten an, vor allem im südlichen Landkreis. Und auch hier ist alles auf Wachstum ausgelegt: Der Verband sucht derzeit nach neuen Vermietern - offenbar mit Erfolg. Auf eine Anzeige, so Staude, hätten sich bereits etliche Interessenten gemeldet.

"Man hält es gut ein paar Tage aus bei uns im Landkreis", fasst Augustinus Meusel vom Landratsamt Ebersberg die aktuellen Tourismus-Entwicklungen zusammen, "Ebersberg ist an sich eine attraktive Gegend, außerdem ist man schnell in München oder in den Bergen." Trotz des leichten Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr seien die Übernachtungszahlen insgesamt angestiegen, und auch immer mehr internationale Gäste würden sich für einen Aufenthalt in der Region interessieren.

Ein Grund für den Anstieg der Tourismuszahlen ist für Meusel unter anderem die Mitgliedschaft des Landkreises beim Verein Tourismus Oberbayern München (TOM), die seit 2014 besteht. Diese biete eine überregionale Klammer, so Meusel, und sorge dafür, dass der Landkreis Ebersberg beispielsweise bei internationalen Messen wahrgenommen werde. Außerdem fördere er die Zusammenarbeit der Regionen des Münchner Umlandes durch eine lockere Arbeitsgemeinschaft. Etwa 9000 Euro im Jahr zahlt der Landkreis Ebersberg für die Mitgliedschaft bei TOM und profitiert dabei etwa von speziellen Fortbildungen für Mitglieder. Besonders aktuell sind dabei die Themen Digitalisierung oder soziale Medien.

Der geringe Rückgang der Übernachtungszahlen dürfe nicht schwerwiegend beurteilt werden, findet Oswald Pehel, Geschäftsführer von TOM: "Ebersberg hat seinen Tourismus-Schwerpunkt eher in der Zeit von Juni bis September." Insgesamt und über mittlere Sicht gewinne das gesamte Münchner Umland enorm: Schon jetzt sei es in Sachen Übernachtungen die zweitstärkste Region nach München selbst, so Pehel. Dabei bestimmten nicht nur die Zugpferde Erding und Freising das Bild; auch die übrigen Landkreise richteten sich mit großem Erfolg touristisch aus. Kleinvermieter, die unter zehn Betten anbieten, sowie Tagesbesucher erzeugten laut Pehel eine enorme Wertschöpfung, fielen aber derzeit noch durch das statistische Raster. "Es muss nicht immer das Schloss Neuschwanstein sein", so Pehel, "auch über nicht so bekannter Kulturperlen wie etwa die Heldenallee oder den Aussichtsturm auf der Ludwigshöhe lassen sich oft tolle Geschichten erzählen."