Unterschätzte Gefahr Aktionstag gegen Glücksspielsucht

Die Caritas bietet im Landkreis Präventionskurse für Schüler an

Von Annalena Ehrlicher, Grafing

Nur noch einmal auf Schwarz setzen, ein letztes Spiel machen, einmal noch eine Wette abschließen - etwa 33 000 Menschen in Bayern sind der Landesstelle Glücksspielsucht zufolge süchtig nach dem Kick, den ihnen das Zocken gibt. Heruntergerechnet auf den Landkreis Ebersberg gehören hier entsprechend mehr als 350 Menschen zu den pathologischen Spielern. Die Dunkelziffer ist ebenso wie der Kreis derjenigen, die bereits ein problematisches Spielverhalten haben, jedoch deutlich höher.

"Die Spielhallen in Bayern machen nach wie vor guten Umsatz", sagt Alexander Trenn, der seit vergangenem Jahr für die Suchtprävention der Caritas Ebersberg zuständig ist. "Aber bei Onlinespielen ist die Hemmschwelle noch mal niedriger, weil man sich eben nicht aus dem Haus bewegen muss, um zu zocken." Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene ist die Option, im Internet gemeinsam mit anderen Spielern die - in ihren Grundfunktionen häufig frei zugängigen - Onlinespiele zu durchlaufen, reizvoll. Allerdings sind auch dort Elemente des klassischen Glücksspiels verbaut: So können Spieler beispielsweise mit realer Währung digitale Boxen erstehen, in denen sich Wertgegenstände befinden - oder eben nicht. In Belgien wurden die sogenannten "Lootboxen" vor Kurzem verboten, da die psychologische Abhängigkeit durch diese Form des Spiels ebenfalls ausgelöst werden kann.

"Ich glaube nicht, dass Verbote besonders sinnvoll sind", so Trenn. Was er vorschlägt? "Den Jugendlichen müssen möglichst früh die Kompetenzen vermittelt werden, mit Spielen richtig umzugehen", sagt er. Der Workshop "Deine Zeit. Deine Entscheidung", den die Caritas auch im kommenden Schuljahr wieder speziell für Bildungseinrichtungen anbietet, soll genau diese Fähigkeiten vermitteln.

Der von Trenn angeleitete Workshop beschäftigt sich nicht nur mit Online-Gaming, sondern grundsätzlich mit dem Umgang mit "allen zu konsumierenden Medienarten", wie der Caritasmitarbeiter erläutert. Dabei geht es nicht nur um Online-Poker oder Fantasyspiele wie "League of Legends", sondern unter anderem auch um Chats und soziale Netzwerke.

Wichtig dabei sei, durchaus auch für Eltern, stets auf dem Laufenden zu bleiben. Der Markt für Online-Spiele ist immens und verändert sich rasant. "Es gibt im Moment einen großen Hype um das Spiel Fortnite", erläutert Trenn. Im Kontext von "Fortnite" findet nun ein sechswöchiges Event statt, bei dem zehn Millionen Euro ausgespielt werden - "um solche Dimensionen geht es da mittlerweile". Um jungen Menschen einen guten Umgang mit derartigen Angeboten beizubringen, sei es wichtig, dass sich Erziehungsberechtigte ebenso wie Pädagogen selbst ein Bild der Lage verschafften.

"Das Gefahrenpotenzial ist aufgrund der neuen Medien viel höher als früher, weil alles ständig verfügbar ist", fügt Trenn hinzu. Eltern sollten bemüht sein, den Jugendlichen ein gutes Vorbild zu sein und auch den eigenen Medienkonsum bewusst zu steuern. "Klare Regeln und eine offene Kommunikation sind essenziell", so Trenn.

Der Aktionstag gegen Glücksspielsucht am Donnerstag, 26. September, soll der Caritas zufolge der Sensibilisierung gegenüber der psychischen Erkrankung der Spielsucht dienen: "Für die Betroffenen sind die Folgen verheerend, seelisch, sozial, aber auch körperlich", sagt Trenn. "Gerade der letzte Aspekt wird häufig unterschätzt."