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Unternehmervertretung:Bewährter Kurs - und ein bisschen frischer Wind

Stephan Scharnagl stammt aus einer Unternehmerfamilie und ist in Ebersberg verwurzelt.

(Foto: Christian Endt)

Stephan Scharnagl ist der neue Vorsitzende des Bunds der Selbständigen in Ebersberg

"Unternehmen sollen sich hier in Ebersberg wohl und zu Hause fühlen", sagt Stephan Scharnagl. Seit Mai ist er der neue Vorsitzende des Bunds der Selbständigen (BdS) in Ebersberg. Er folgt Martin Freundl nach, der nach 26 Jahren das Amt abgegeben hat. Bereits vor einigen Jahren habe ihn Freundl gebeten, ihm einmal nachzufolgen. "Normal bevorzuge ich ein Leben im Hintergrund, ich bin glücklich verheiratet und habe mit meinen drei Kindern schon genug Herausforderungen", sagt der 46-Jährige und lacht. In seine neue Rolle müsse er sich erst einfinden.

Scharnagl trägt das Ebersberger Wappen als Anstecker am Jackett, er ist in Ebersberg aufgewachsen und verwurzelt. Schon seine Urgroßeltern seien hier Unternehmer gewesen, erzählt er, seine Großeltern waren auch schon in einem Gewerbeverband in Ebersberg aktiv. Als Sohn einer Kaufmannsfamilie scheint ihm der Unternehmergeist in die Wiege gelegt worden zu sein: Der gelernte Bankkaufmann hat sich vor 17 Jahren als Unternehmensberater in Ebersberg selbständig gemacht. Er berät mittelständische Unternehmen beim Wachstum und Schulen und Kommunen bei der Digitalisierung.

Seit acht Jahren ist Scharnagl Mitglied beim BdS und war zunächst stellvertretender Vorsitzender. Jetzt wolle er die gute Arbeit seines Vorgängers fortsetzen: "Ich möchte eigentlich nichts anders machen." Es gehe um einen "erfolgreichen Generationenwechsel". Ihm sei es besonders wichtig, eine Plattform zu schaffen, bei der Unternehmer quer durch alle Branchen eingebunden sind. "Unser Verein soll ein lebendiger Ort für Ebersberger Unternehmer bleiben." Der Verein schenke Ebersberg "tolle Dinge". Scharnagl zählt auf: der Christkindlmarkt, der Krippenweg, der Stadtdialog, der digitale Einkaufsführer.

Um die 100 Mitglieder bei mehr als 1120 gemeldeten Gewerbebetrieben hat der Ortsverband in Ebersberg. Die Mitgliederzahlen seien zwar steigend, doch bis jetzt gebe es noch nicht genügend Unternehmer aus allen Branchen. "Das Industriegebiet ist noch etwas zurückhaltend", sagt er. Scharnagl hofft, dass bald noch weitere Mitglieder hinzukommen. Unternehmer und Unternehmerinnen seien aus verschiedenen Gründen Mitglied beim BdS. Sie bekommen über den Verein beispielsweise eine Rechtsberatung oder Hilfe bei der Datenschutzerklärung. "Viele sind aber vor allem wegen des Austauschs bei Stammtischen oder gemeinsamen Aktivitäten bei uns", erklärt Scharnagl. Ein bisschen frischen Wind wird er mitbringen: "Die Schnittstelle zwischen Mensch und Digitalisierung", sagt er, "ist meine Leidenschaft." Die versucht er nun auch beim BdS einzubringen. Dennoch will er mit Bedacht vorgehen: "Ich muss mich immer fragen: Wofür braucht das der Bäcker oder das Eiscafé hier in Ebersberg?" Er will durch neue Projekte Unternehmen in die digitale Zukunft bewegen. Wie beispielsweise durch einen digitalen Einkaufsführer, der Anfang kommenden Jahres fertig sein soll. "Das ist einfach eine Weiterentwicklung von papiergebundenen Einkaufsführern. Der führt die Unternehmen hier ein bisschen näher an die Digitalisierung heran."

Außerdem wolle er den Ebersberger Gutschein bekannter machen. Der solle den lokalen Handel stärken. "Das Geld bleibt dann hier im Ort, und die Innenstadt bleibt lebendig", erklärt er. Das sei auch ein wichtiger Punkt für die meisten Mitglieder: "Durch den gegenseitigen Austausch können sie aktiv am Stadtentwicklungsprozess teilhaben." Außerdem trage der BdS über den "Stadtdialog" zur Meinungsbildung bei und trete in Austausch mit der Stadtverwaltung. Der Stadtdialog verfügt über einen Fonds, in den Unternehmer einzahlen, die Stadt verdoppele dann jeden Euro. Davon können sie dann beispielsweise die Hütten für den Christkindlmarkt finanzieren.

Der Bund der Selbständigen organisiert jeden Montag, außer in den Ferien, von 19 Uhr an offene Treffen in der Trattoria Italiana in Ebersberg. Alle Interessierten sind willkommen.