S-Bahn Unternehmer will Bahnstrecke von Kirchseeon nach Ebersberg bauen

Der Ebersberger S-Bahnhof ist oft schwer zu erreichen. Die neuen Pläne könnten daran etwas ändern.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Sein Antrag auf eine direkte Verbindung könnte schon bald ans Verkehrsministerium gehen. Es gibt zwei Szenarien.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Klaus Wagenstetter ist wahrlich nicht das, was man einen leidenschaftlichen Bahnfahrer nennen könnte. Nicht nur, dass er sein Geld als Transportunternehmer eher auf der Straße verdient, fährt er nach eigener Aussage auch privat nicht sonderlich häufig mit dem Zug.

Eine Idee aber geistert schon seit längerem in seinem Kopf herum - und diese könnte den Bahnverkehr im Landkreis Ebersberg grundlegend verändern: eine direkte Zugverbindung zwischen Kirchseeon und der Stadt Ebersberg. An diesem Dienstag werden sich Stadt- und Gemeinderat in Ebersberg und Steinhöring mit dem Vorschlag befassen. Anschließend könnten die Pläne ans Verkehrsministerium gehen - deren Umsetzung scheint dennoch kaum realisierbar.

"Als Unternehmer macht man sich automatisch immer Gedanken, was man verbessern kann", sagt Wagenstetter, der für die Freien Wähler Forsting im Gemeinderat von Pfaffing (Landkreis Rosenheim) sitzt. Im Zuge der geplanten Elektrifizierung der Zugtrasse Wasserburg-Ebersberg sieht er die Chance, durch den Lückenschluss gleichzeitig auch die Fahrtzeit nach München deutlich zu verkürzen. Müssten die Züge des "Filzenexpress" nicht mehr den "Umweg" über Grafing und Grafing-Bahnhof nehmen, ließen sich laut Wagenstetter etwa zehn Minuten pro Fahrt einsparen.

Zwei Szenarien sind nach Wagenstetter denkbar

Für ihn sind deshalb zwei Szenarien denkbar: Erstens, die Züge kreuzen von Kirchseeon kommend die Bundesstraße B 304 südlich von Hörmannsdorf und wechseln kurz vor Ebersberg wieder auf die bisherige Strecke, oder aber die Trasse verläuft südlich der Straße und geht nördlich von Wiesham wieder auf die bestehenden Gleise über. "Man könnte die ganze Strecke dadurch noch attraktiver machen", ist sich Wagenstetter sicher.

Dabei denkt er vor allem an die Gemeinden im nordwestlichen Landkreis Rosenheim, die dadurch deutlich besser an die Landeshauptstadt angebunden wären. Aber natürlich könnten auch die Fahrgäste in Ebersberg und Steinhöring von der "Abkürzung" profitieren. Für die Bahnfahrer in Grafing würde sich Wagenstetter zufolge dagegen nur wenig ändern. "Hier gäbe es ja nach wie vor die normale S-Bahn-Anbindung."

Wagenstetter selbst weiß, dass es schwierig sein wird, seine Pläne umzusetzen. Von der Bahn sei ihm bereits mitgeteilt worden, das Vorhaben habe keine Priorität. Dennoch möchte er nichts unversucht lassen. Durch die Elektrifizierung der Strecke sei jetzt die große Gelegenheit, um auf den Zug aufzuspringen. "Wir haben nichts zu verlieren. Also können wir nur gewinnen."

Auf das Vorhaben angesprochen, klingt Pfaffings Bürgermeister Lorenz Ostermaier (Freie Wähler Forsting) zwar etwas skeptisch, zeigt sich aber durchaus offen dafür, die weitere Entwicklung abzuwarten. Man müsse sehen, ob sich das Ganze auch tatsächlich umsetzen lässt, so der Rathauschef.

Aus Ebersberg gibt es für das Vorhaben bereits positive Signale

Nachdem Wagenstetters Antrag im Gemeinderat behandelt worden ist, habe man beschlossen, die Meinung der umliegenden Gemeinden einzuholen. Dazu gehören neben Edling und Wasserburg auch Ebersberg und Steinhöring. "Wenn wir feststellen, dass es da eine Einheitlichkeit gibt, werden wir die Sache an das Staatsministerium weiterleiten", sagt Ostermaier. Man wolle nun die Reaktionen abwarten "und schauen dann wie es weitergeht".

Zumindest aus Ebersberg gibt es für das Vorhaben bereits positive Signale. "Für unsere Bürger würde das natürlich nur Vorteile mit sich bringen", sagt Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU), der das Thema auf die Tagesordnung des Technischen Ausschusses am Dienstag gebracht hat.

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Der Ebersberger Rathauschef würde sich laut eigener Aussage zwar freuen, wenn seine Stadt noch besser an München angebunden werden würde, doch an die Umsetzung der Pläne mag er nicht so recht glauben. "Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das realisiert werden kann." Aus Ebersberger Sicht will man den Plänen aber keine Steine in den Weg legen. "Wir sind natürlich dafür", sagt Brilmayer.

Ob man in Steinhöring der gleichen Meinung ist?

Ob man in Steinhöring der gleichen Meinung ist, wird sich ebenfalls an diesem Dienstagabend zeigen, denn auch dort sind die Pläne Thema im Gemeinderat. Man müsse sehen, wie sich dessen Mitglieder entscheiden und werde den Beschluss dann nach Pfaffing weitergeben, so Geschäftsleiterin Kerstin Schönfelder.

In einer anderen Gemeinde, die ebenfalls unmittelbar betroffen wäre, hat man von den Überlegungen aus dem Nachbarlandkreis dagegen bislang nichts mitbekommen. "Davon habe noch nie im Leben etwas gehört", sagt Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel (CSU). Er selbst könne auch nur schwer glauben, dass sich diese Pläne tatsächlich umsetzen ließen. Und selbst wenn das Ganze konkret werden würde, könne es Ockel zufolge Jahre dauern, bis an der Strecke tatsächlich etwas passiert.

Sollten sich die Gemeinden entlang der Bahnlinie geschlossen für den Vorschlag aussprechen, würde Pfaffing einen offiziellen Antrag beim Bayerischen Verkehrsministerium stellen. Die Bahn ist bei diesem Vorgang zunächst noch außen vor, wie ein Sprecher auf Nachfrage mitteilt. Über Neubauprojekte entscheide ausschließlich der Bund als Betreiber. Wenn dieser ein Vorhaben für wirtschaftlich sinnvoll erachtet, wird dieses in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Erst dann komme die Bahn als ausführendes Organ ins Spiel, so der Unternehmenssprecher, der deshalb zu einer möglichen Trasse zwischen Kirchseeon und Ebersberg - Stand jetzt - keine weiteren Auskünfte geben konnte.

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