bedeckt München 18°
vgwortpixel

Unternehmen im Landkreis Ebersberg:Schneller und mehr

Grundsätzlich sind die Betriebe mit ihrem Standort zufrieden, dennoch sehen sie in einigen Bereichen Nachholbedarf. Ob Internet, Bus oder Genehmigungsverfahren - oft geht es um Geschwindigkeit

Pünktlich zur anstehenden Kommunalwahl formulieren die Unternehmen aus dem Landkreis Ebersberg ihre Forderungen an die Politik. Ganz oben auf der Wunschliste des Ebersberger Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) steht der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Ebenso wollen die Betriebe einen besseren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und mehr Flächen, sowohl für das Gewerbe als auch für Wohnungen, in denen ihre Mitarbeiter unterkommen können. Weniger Bürokratie und mehr Einsatz für Fachkräfte stehen weiter unten auf der Liste, die die Vorsitzende des Regionalausschusses, Sonja Ziegltrum-Teubner, und der Chefvolkswirt der IHK München und Oberbayern, Robert Obermeier, vorlegen.

Im Gespräch mit den Unternehmen sei deutlich geworden, dass die Verbesserung von Mobilfunk und Festnetzanschlüssen das drängendste Thema sei, so Ziegltrum-Teubner. Das kann die Vorsitzende aus eigener Erfahrung bestätigen: Kundenfahrer ihres eigenen Blumenhandels benutzten noch ein 20 Jahre altes Scannersystem, weil es in der Region zu viele Funklöcher gebe und sich die alte Technik bewährt habe. Jetzt laufe aber der Wartungsservice aus und ein neues System, das über Mobilfunk läuft, müsse her. Ihre Fahrer seien angesichts der Netzabdeckung wenig erfreut darüber, so Ziegltrum-Teubner. Fahrer anderer Betriebe, die die neue Technik nutzen, müssten zum Teil Umwege machen, um im Empfangsbereich zu bleiben, ergänzt Obermeier. Und selbst in Vaterstetten wisse er von Fällen, in denen Bewohner nicht einmal Zuhause Empfang hätten.

Daher müssten der Landkreis und die Kommunen durch die Beteiligung an Förderprogrammen, eigene Initiativen und schnelle Genehmigungsverfahren das Aufstellen von Mobilfunkmasten unterstützen. Gleiches gilt für den Ausbau des Festnetzes, der mit Hilfe von Glasfaserleitungen vorangetrieben werden soll, wenn es nach den Unternehmen geht. Das würde die nötige Internetgeschwindigkeit sicherstellen, die heute, zum Beispiel für das Speichern von Daten in der Cloud, oft nicht reiche. Außerdem könnten so mehr Arbeitnehmer von zuhause aus arbeiten, was auch den Verkehr entlasten würde.

Beim Thema ÖPNV setzen die Unternehmen kurzfristig vor allem auf den Ausbau schneller Busverbindungen. Damit die Busse als echte Alternative zum Auto gelten können, ist es wichtig, dass sie nicht jeden einzelnen Weiler anfahren, sagt Ziegltrum-Teubner. Das könnten sogenannte Expressbusse leisten, wie sie zum Beispiel von Poing nach Riem fahren. Aus den südlichen Gemeinden des Landkreises wie Aßling sei schon der Wunsch einer solchen Verbindung nach Grafing geäußert worden. Eine bessere Vernetzung zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln sei ebenfalls notwendig, sagt Obermeier. Wenn sich ein Bus verspätet, wird der Anschlussbus automatisch informiert und kann warten. Zwischen Bus und Zug gebe es das nicht, obwohl eine Vernetzung auch hier denkbar einfach wäre.

Aber auch der längerfristige Ausbau von Straßen- und Schienennetz dürfe nicht vernachlässigt werden, so Ziegltrum-Teubner. Das zeige sich am Autobahnkreuz München Ost. "Da, wo früher die Autobahn aufhörte, fängt heute der Stau an", sagt die Ausschussvorsitzende, deren Geschäft an der alten B12 in Parsdorf liegt, über die der Verkehr dann ausweicht.

Ebenfalls leiden die ortsansässigen Unternehmen unter Flächenmangel, so die Vorsitzende des Regionalausschusses. Es gehe dabei nicht nur um Gewerbeflächen, sondern auch um Wohnungen für Mitarbeiter. Die hätten zunehmend Schwierigkeiten bezahlbaren Wohnraum zu finden - ein Problem, das in direktem Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel stünde. Es hätten schon Mitarbeiter gekündigt, um wegzuziehen, weil sie nicht mehr so viel Geld fürs Wohnen ausgeben wollten. "Wenn ich eine Wohnung zur Miete anbiete, habe ich nach zwei Stunden 200 Bewerber. Bei einer Jobausschreibung habe ich nach zwei Wochen zwei bis drei", sagt Ziegltrum-Teubner.

Die Kommunen müssten besser zusammenarbeiten, um mehr Flächen bereitzustellen, sagt Ziegltrum-Teubner. Dabei ginge es nicht immer darum ganz neue Flächen auszuweisen. Innerhalb der Kommunen müsse verstärkt über Verdichtung nachgedacht werden, zum Beispiel durch die Überdachung von Parkplätzen und Mehrgeschossbauten. Zudem könnten brachliegende Flächen und leer stehende Immobilien genutzt werden.

Zufrieden hingegen seien die Unternehmen mit der Geschwindigkeit der Genehmigungsverfahren, vor allem auf Kreisebene, sagt Ziegltrum-Teubner. Dass sich der Landkreis selbst strenge Auflagen bei der Einhaltung von Fristen gemacht hat, sei begrüßenswert. Allerdings hinke die Digitalisierung von Anträgen in den Kommunen oft noch hinterher, was die Unternehmen und die Verwaltung Zeit und Geld koste.

Nach wie vor große Sorgen mache den Unternehmen der Fachkräftemangel. "Das treibt alle um, egal, ob in der Pflege oder in der IT", sagt Ziegltrum-Teubner. Würden Kommunen stärker für Ausbildungsberufe werben und die Betreuung von Kindern und zu pflegenden Angehörigen verbessern, könnten sie dem entgegenwirken, so die Ausschussvorsitzende. Im vergangenen September begannen 271 Personen im Landkreis eine Ausbildung, 232 Lehrstellen blieben dagegen unbesetzt.

© SZ vom 24.02.2020
Zur SZ-Startseite