Unter Nachbarn Scharfe Stellungnahme

Vaterstettener Bauausschuss ärgert sich über drei Poinger Projekte und fordert von den Nachbarn, umgehend mehr in den Straßenbau zu investieren.

Von Wieland Bögel

Der Streit zwischen Vaterstetten und Poing um geplante Großprojekte geht in die nächste Runde. Nachdem die Nachbarn in der Vergangenheit die Erweiterung des Parsdorfer Gewerbegebietes kritisiert hatten, verärgern nun drei Projekte der Poinger die Vaterstettener. Mit großer Mehrheit beschloss der Bauausschuss eine sehr kritische Stellungnahme und fordert Poing auf, dringend mehr in den Straßenbau zu investieren.

"Das kann nur stattfinden, weil wir die Straßen ertüchtigt haben. Es ist unser Geld, das da drinsteckt", ärgerte sich der Vaterstettener Wirtschaftsförderer Georg Kast im Gemeinderat. "Das" - das sind der Ausbau der BayWa, der geplante Edeka-Supermarkt und die Erweiterung des Gewerbegebietes in Grub, wo sich ein Textilunternehmen ansiedeln soll. Alle drei Projekte seien nur möglich, weil ein Großteil des zu erwartenden Verkehrs über Straßen im Vaterstettener Gemeindegebiet fließen werde, ergänzte Bauamtsleiterin Brigitte Littke, "diese Entwicklungen sind höchst bedauerlich".

Mehr als bedauerlich sei, dass Poing kein tragfähiges Verkehrskonzept vorgelegt habe, erklärte Littke. Zwar gebe es eine Stellungnahme zur Verkehrsentwicklung, doch diese könne man nur als "rudimentär" bezeichnen. Weder habe der Gutachter einen Leistungsnachweis der vorhandenen Straßen erstellt, noch untersucht, wie sich die in Poing geplanten Vorhaben auf die Verkehrsbelastung umliegender Straßen in Vaterstetten auswirken werde. Es sei zudem "unverständlich", dass der Gutachter die Verkehrsknotenpunkte in Parsdorf auch mit zusätzlichem Verkehr aus Poing als "uneingeschränkt leistungsfähig" bezeichne. Denn bereits jetzt seien diese Knotenpunkte, etwa beim Möbelhaus Segmüller, überlastet, so Littke.

Um eine zusätzliche Belastung für Vaterstetten zu verhindern, sei es erforderlich, dass Poing die seit einigen Jahren für Autos gesperrte Bahnbrücke in Grub wieder so herstellt, dass sie für den Kraftverkehr geeignet sei. Dadurch könnte ein Teil des Verkehrs umgelenkt werden, ohne dass die Straßen in Parsdorf zusätzlich belastet würden. "Das ist eine Minimalforderung", meinte Littke. Alfons Hemauer (CSU) schlug vor, die Forderungen nach einem Ausbau der Münchner Straße in Poing Richtung Westen zur M1 in Heimstetten und einer Autobahnzufahrt in Angelbrechting mit aufzunehmen. Dem schloss sich die Mehrheit der Ausschussmitglieder an.

Martina Thalmeier (CSU) nannte es "unfair", dass sich Poing derart vehement gegen die Erweiterung des Parsdorfer Gewerbegebietes gestellt habe und nun auf Kosten der Vaterstettener seine Gewerbeflächen erweitern wolle. Sepp Mittermeier (SPD) sprach sich dagegen für etwas Mäßigung aus. Natürlich sei es ärgerlich, "dass wir für unser Gewerbegebiet so geprügelt worden sind, und zwar zu Unrecht". Trotzdem solle man sich auch im Hinblick auf das seit Jahren geplante interkommunale Gewerbegebiet "wieder um ein besseres Verhältnis zur Nachbargemeinde bemühen". Auch Wolfgang Will (FDP) meinte, man solle "nicht mit Schaum vor dem Mund" auf die Poinger Pläne reagieren, zumal die Einflussmöglichkeiten der Vaterstettener hier ohnehin sehr begrenzt seien.

Neben der befürchteten Verkehrsbelastung üben die Vaterstettener auch aus anderen Gründen Kritik. So verweist man im Fall der BayWa-Erweiterung auf das Raumordnungsverfahren zu Parsdorf. Dort wurde ein Baumarkt mit 12 000 Quadratmetern Verkaufsfläche genehmigt, wobei allerdings nur auf maximal 400 Quadratmetern sogenannte "nahversorgungsrelevante" Produkte verkauft werden dürfen. Die erweiterte BayWa werde nun nicht nur 226 Quadratmeter größer als der Baumarkt in Parsdorf, hier sollen sogar auf 550 Quadratmetern Produkte feilgeboten werden, die nicht zum eigentlichen Sortiment eines Baumarktes gehören. Ähnliche Bedenken gibt es für den Edeka im Baugebiet Am Bergfeld. Laut Landesentwicklungsprogramm "sind Einzelhandelsgroßprojekte nur in zentralen Orten möglich, zu denen Poing nicht gehört", heißt es in der Stellungnahme. Demnach sei nur ein Markt mit höchstens 1200 Quadratmetern Fläche erlaubt, also 800 Quadratmeter weniger als vorgesehen.