Ungewöhnliche Makler Von Traumschlössern und Ritterburgen

Leidenschaft für historische Gebäude: Immobilienmakler Matthias Helzel aus Bruckmühl.

(Foto: Privat)

Matthias Helzel und sein Partner vertreiben von Bruckmühl aus historische Immobilien

Von Yvonne Münzberg, Bruckmühl

Romantische Burg am Rhein zu verkaufen, 800 Quadratmeter Wohnfläche, 2 850 000 Euro. Definitiv ein eher ungewöhnliches Immobilieninserat - und doch Alltag für Matthias Helzel. Der gelernte Hochbaukonstrukteur führt zusammen mit seinem Partner Bernd Neuhäuser ein Maklerbüro eigens für historische Immobilien mit Hauptsitz in Bruckmühl.

Seit seiner Jugend pflegt Helzel eine Leidenschaft für Burgen, Schlösser und derartige Bauwerke, kannte sich schon früh mit der Thematik aus. Naheliegend also, dass sein Name in der Szene immer bekannter wurde, dass immer mehr Käufer und Verkäufer an ihn herantraten. Damals vermittelte Helzel die Interessenten noch an andere Makler, bis er und Neuhäuser 2008 schließlich ihr eigenes Immobilienbüro gründeten. Damals wollten die beiden Männer es professionell angehen - der Plan ging auf. "Wir haben uns kontinuierlich immer weiter hochgearbeitet", erzählt Helzel. Das liege nicht zuletzt daran, dass ihr Büro wohl das einzige deutschlandweit sei, das ausschließlich historische Immobilien wie Burgen und Schlösser vertreibe.

Sein eigentlicher Beruf hat sich in all den Jahren immer wieder als vorteilhaft herausgestellt. Außerdem hatte Helzel bereits einem Freund dabei geholfen, dessen neu erworbene Burganlage zu sanieren. "Deswegen weiß ich auch, wie viel Aufwand das bedeuten kann", so der Makler. Neben ihm und Neuhäuser gehört auch die Architektin Anne Rose Tisje zum Hauptteam - so können die Makler ihre Interessenten "größtmöglich unterstützen". Der Kauf einer Burganlage oder eines Schlosses, so Helzel, muss genauso gut überlegt sein wie bei jeder anderen Immobilie. Dabei wolle man die Leute nicht allein lassen. Ein Käufer wird daher bis zu dem Punkt begleitet, an dem die meist baufälligen Objekte saniert werden.

Helzels Erfahrung: Mit dem Kauf erfüllen sich viele Interessenten einen lange gehegten Traum. "Der eine träumt von einem zweiten Schloss Neuschwanstein, der andere von der Keltenburg in der fränkischen Schweiz", erzählt Helzel lachend. Die Makler haben die gesamte Spannweite im Repertoire. Natürlich gehe die Abwicklung dann nicht von heute auf morgen vonstatten - diese Immobilien seien schließlich keine "Häuser von der Stange". Ein weiterer Aspekt ist der Unterhalt - "das dazugehörige Land darf nicht vergessen werden, das sind ja teilweise 30 bis 50 Hektar, die zum Gebäude dazugehören", erzählt Helzel. So ein Kauf müsse also gut überlegt sein, der finanzielle Spielraum des Interessenten "gegeben" sein.

Trotz dieser Faktoren wachse das Interesse am Markt stetig - auch wenn besonders die jüngeren Generationen heutzutage eine andere Vorstellung von Wohnen habe. "Die wollen oft ein modernes Haus in der Großstadt", was schließlich einfacher sei, als eine Tradition weiterzupflegen. Helzels Auftraggeber schätzten hingegen die Atmosphäre der historischen Immobilien, sähen diese vor allem als Rückzugsort an. Die Gebäude sind dann oft gut abgeriegelt, damit die Besitzer voll ihre Privatsphäre haben. "Das ist der Schutz hinter dicken Mauern, den der Käufer da sucht, die Zurückgezogenheit."

Viele Käufer sind auch Unternehmer, machen die Burgen und Schlösser zu Firmensitzen. "Besonders als Guesthouse für ausländische Firmenpartner und Gäste machen die Immobilien natürlich was her", weiß Helzel. Ein eigenes Seminarhaus, besonders mit eigenem Gastronomiebetrieb, werte eine Firma durchaus auf. Andere geschäftliche Anfragen erhalten Helzel und Neuhäuser ebenfalls, etwa von Fotografen und Filmteams. Diese vermittelt das Maklerbüro dann direkt an die Schlossherren weiter, denen diese Kooperationen "auch zu gute kommen". Grob geschätzt gibt es mehr als 10 000 Burgen und Schlösser allein in Deutschland - da muss man bei einer Anfrage schon genau wissen, was man will.

Auch Ferienwohnungen und Hotelzimmer in historischen Immobilien werden vermittelt, das Repertoire reicht dann von der Jugendherberge in einer Burganlage bis hin zur luxuriösen Schlosssuite. Das sei nicht nur für Urlauber, sondern auch potenzielle Käufer interessant. Denn bei so einer Übernachtung, erklärt Helzel, könne man gut austesten, wie es sich anfühlt, "in so etwas Altem zu wohnen".

Ob es schon Rückzieher gab, weil ein Käufer sich in einem alten Gemäuern gegruselt hat? "Nein", sagt der Makler und lacht. Die Leute würden sich eben mit dem Unheimlichen arrangieren, bestimmte Räume einfach nicht bewohnen, sondern nur Gästen zeigen. Außerdem: Die Geschichten und Legenden, die sich um historische Gebäude ranken, gehörten eben dazu und trügen in manchen Fällen auch zum Interesse daran bei. Hin und wieder würden sogar Kunstskelette in alten Kerkern drapiert - damit Besucher etwas zum Staunen haben.