Umzugspläne Ebersberger Finanzamt auf Standortsuche

Das Arbeiten in einem alten Schloss mag seinen Reiz haben, doch die Fluchtwege sind im Brandfall lang. Auch gibt es keine Aufzüge.

(Foto: Christian Endt)

Derzeit läuft die Marktsondierung. Dabei ist auch der Name Grafing gefallen

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Wer in einem Schloss residiert, hat in aller Regel kein großes Interesse daran umzuziehen. Das gilt jedoch nicht für das Finanzamt Ebersberg. Die Behörde ist derzeit noch im alten Ebersberger Schloss untergebracht, sucht aber dringend nach einem alternativen Standort - und schaut sich dabei auch außerhalb der Kreisstadt um. Offenbar ist sogar eine Verlegung nach Grafing eine der möglichen Optionen.

Das bestätigt auf Nachfrage zumindest Behördenleiter Alexander Ulbricht. Derzeit würden Gespräche mit der Stadt Ebersberg über einem neuen Standort laufen. "Und da ist wohl auch der Name Grafing gefallen", sagt Ulbricht. Er selbst und seine Behörde sind in den Suchprozess eigentlich gar nicht eingebunden. Das sei Sache des Finanzministeriums und von Immobilien Freistaat Bayern, die Gebäude und Grundstücke der bayerischen Behörden verwaltet. Ulbricht kann aber bestätigen, dass sich die Marktsondierung nicht nur auf die Kreisstadt beschränkt. "Man schaut sich auch im Umland um."

Rein rechtlich wäre ein Wegzug der Behörde aus Ebersberg kein Problem. "Das ist theoretisch möglich", sagt Ulbricht. "Hier ist das Tabu schon gefallen." Der Amtsleiter verweist auf die Finanzbehörden in Burghausen und Waldsassen, die beide ihren Sitz nicht in der jeweiligen Kreisstadt haben. Ebersberg könnte somit der dritte Landkreis in Bayern werden, in dem ein Finanzamt in das Umland abwandert.

Ein Umzug nach Grafing scheint dabei eine durchaus attraktive Lösung zu sein. Das Schammacher Gewerbegebiet - wo die Behörde Gerüchten zufolge einen Standort im Blick haben soll - liegt fußläufig von Grafing-Bahnhof und ist dadurch auch mit der S-Bahn gut zu erreichen. Das trifft zwar auch auf den jetzigen Standort in Ebersberg zu, allerdings ist dieser für Autofahrer deutlich schlechter gelegen. Auch für die Mitarbeiter im Finanzamt läge Grafing in einer zumutbaren Entfernung.

Doch all das sind momentan nur Spekulationen. Bis Klarheit über die Zukunft der Behörde herrscht, könnte es noch einige Zeit dauern. "Wir haben noch kein offizielles Ergebnis der Marktsondierung vorliegen", sagt Alexander Ulbricht. "Bis es soweit ist, wissen auch wir nichts Konkretes."

Dass das Finanzamt händeringend nach einem Ausweichquartier sucht, ist indes kein großes Geheimnis. "Wir brauchen ein neues Gebäude, das auch an die modernen Arbeitsbedingungen angepasst ist", so Ulbricht. Davon kann derzeit in den altehrwürdigen Gemäuern des Ebersberger Schlosses keine Rede sein. So fehlen in dem denkmalgeschützten Gebäude etwa automatische Eingangs- und Brandschutztüren. Für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Krücken ist oft bereits im Eingangsbereich Schluss, spätestens aber dann, wenn sie in ein höheres Stockwerk müssen. Denn einen Aufzug gibt es in dem dreistöckigen Bauwerk keinen, dafür aber viele Treppen, auf denen die Mitarbeiter jeden Tag ordentlich Kilometer abspulen.

Auch die Brandschutzmaßnahmen sind ausbaufähig. Die Behörde ist über mehrere Abschnitte im Gebäude verteilt, was zu teils recht langen Fluchtwegen führt. Anständige Fluchttreppen gibt es aber nicht, stattdessen müsste sich die Mitarbeiter im Brandfall über Stahlleitern an den Außenwänden in Sicherheit bringen.

Alles spricht also für einen Umzug des Finanzamts. Doch nicht jeder würde es begrüßen, wenn die Behörde der Stadt Ebersberg komplett den Rücken kehrt. Eine Verlagerung nach außerhalb der Kreisstadt gelte es unbedingt zu verhindern, sagte FDP-Kreisrat Alexander Müller im Juli vergangenen Jahres. "Wir müssen für den bürgernahen Standort Ebersberg im Herzen der Kreisstadt kämpfen", so Müller damals, der forderte, dass das Finanzamt auch verkehrstechnisch gut erreichbar bleiben müsse. Doch das wäre ja auch in Grafing der Fall.