Umstrittenes Projekt:Der Dialog soll weitergehen

Eine geplante Anhörung, ein Verkehrsgutachten und ein neuer Verein: Rund um das geplante Wohnquartier Wimmerwiese in Pöring rührt sich einiges

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

14 Monate sind vergangen, seit in Zorneding der Startschuss für ein XL-Projekt fiel: ein Wohnquartier für 500 Menschen auf der sogenannten Wimmerwiese. Seitdem ist es ruhig geworden. Wie geht es nun weiter mit dem Vorzeigeprojekt der Gemeinde? Fest steht: Um das Projekt transparent zu machen, die Zornedinger miteinzubeziehen, wird es wieder eine Anhörung im Rathaus geben. Zuletzt hatte es eine solche Informationsveranstaltung im April 2018 gegeben. Damals ging es um die teilweise Überbauung des Pöringer Bolzplatzes; es war die erste Anhörung in Zorneding seit knapp 20 Jahren.

Mit der Neuauflage kommt Bürgermeister Piet Mayr (CSU) nun einer Forderung der Anwohner entgegen. Diese haben im April 2018 eine gut besuchte Veranstaltung organisiert und darauf beim Gemeinderat Lobbyarbeit geleistet - mit Erfolg: "Auch wir müssen aus unseren Fehlern lernen", sagt Bürgermeister Mayr. Als er die Dialogrunde für den Bolzplatz einberief, war das Kind gewissermaßen schon in den Brunnen gefallen, die Fronten verhärtet. Jetzt hat der Gemeinderat die Chance, daraus zu lernen - auch zum Wohle des über Jahre vorbereiteten Entlastungs-Projekts für die Wohnungsnot im Ort. Denn Mayr weiß auch: Wenn bei der ganzen Geschichte ein Bürgerbegehren rauskommt, könnte die Gemeinde ein Problem haben. Und genau damit haben die Anwohner immer wieder gedroht, als die Pläne für die Wimmerwiese bekannt wurden.

Zu hoch, zu dicht, zu unterversorgt, kritisierten sie. Der Ton war nicht immer freundlich. Zwischenzeitlich sprachen sie von einem geplanten "Ghetto". Dann die Kehrtwende: Anstatt Pfeile zu schießen, forderten die Anwohner den Dialog ein - und bekamen ihn. Man setzte sich an einen Tisch, sprach miteinander. "Der Ton ist wieder vernünftig geworden", sagt Mayr. Den diplomatischeren Draht zum Gemeinderat wollen die Anwohner nun nutzen, um weitere Vorschläge auf den Tisch zu legen. Für einen davon zeichnet sich bereits eine Mehrheit im Gemeinderat ab: ein Verkehrsgutachten. Eine "durchaus sinnvolle" Idee, wie Zweite Bürgermeisterin Bianka Poschenrieder (SPD) befindet. Wilhelm Ficker (FW) schließt sich an: "Es wäre Zeit, dass wir uns mal Gedanken machen." Und Helmut Obermaier (Grüne) sagt: "Die Gemeinde wäre dumm, wenn sie das nicht für ihre Zwecke nutzen würde." Der Vorschlag aus der Bürgerversammlung muss spätestens in der Februar-Sitzung des Gemeinderats auf dem Tisch liegen.

Zufrieden dürften die Anwohner auch darüber sein, dass - wie von ihnen gefordert - ein Modellbauer eine Vorabschau ihrer neuen Aussicht anfertigen wird. Das bestätigt Projektentwickler Gottfried Frick, genau wie den Plan, alle Häuser mit Aufzügen auszustatten. Mit dem Auftrag an den Modellbauer möchte er noch bis zum anstehenden Billigungsbeschluss warten - was wohl jeder als vernünftig betrachten dürfte, der die Stimmungen des Zornedinger Gemeinderats kennt.

Offen ist derweil, was mit den weiteren Forderungen der Anwohner passiert. Diese wären: eine Einbahnzufahrt über das Gewerbegebiet, die Ausnutzung des natürlichen Gefälles des Grundstücks sowie die Reduzierung der Wohnungszahl, um die Verkehrsproblematik zu entschärfen. Der letzte Punkt dürfte auf die Grünen-Fraktion mithin absurd wirken: Die hatte so lange protestiert, bis aus dem zunächst aus Doppel- und Einfamilienhäusern geplanten Quartier eines mit ausschließlich Mehrfamilienhäusern wurde. Entsprechend verhalten fällt die Reaktion von Fraktionssprecher Obermaier aus: Mit weniger Wohnungen würden auch anteilsmäßig weniger vergünstigte Wohnungen von der Gemeinde abgeschöpft werden können, so Obermaier. "Wir haben bereits eine maßvolle Verdichtung." Wie die Vergabe der vergünstigten Wohnungen konkret ablaufen soll, ist zur Zeit noch offen: Laut Projektentwickler Frick laufen Gespräche mit dem Ebersberger Landtagsabgeordneten Thomas Huber (CSU), um die Kriterien der Regierung abzufragen.

Die Anwohner der Wimmerwiese wollen derweil auch über das Projekt vor ihrer Haustür hinausdenken: Sie haben gerade einen Verein gegründet. Als "Bürger für Pöring" wollen sie den Schwung von der Wimmerwiese mitnehmen und als Lobby für den eingemeindeten Ortsteil auftreten. "Pöring ist das zukünftige Entwicklungsgebiet für Zorneding", erläutert Wortführer Christian Baretti. Man wolle im vorpolitischen Bereich tätig sein, die Entwicklung mitgestalten. "Natürlich steht die Begleitung der Bebauung an der Wimmerwiese aktuell im Fokus, aber auch danach wollen wir uns für die Belange Pörings stark machen."

Mit Blick auf die Wimmerwiese lobt er die geplante Informationsveranstaltung: "Wenn es etwas gibt, mit dem man die Bürger mitnehmen kann, dann durch so etwas." Wenn es nach ihm geht, sollte das Verfahren Vorbild für künftige Projekte sein. Auch beim Stichwort "Bürgerbegehren", das wie ein Damoklesschwert über den Plänen des Gemeinderats hing, klingt er versöhnlich. Wenn das Gesamtkonzept passe, "dann sehe ich keinen Anlass mehr, in die Richtung zu gehen." Weitergehen soll es laut Projektentwickler Frick in der Januarsitzung des Gemeinderats mit dem Energiekonzept für das Quartier.

© SZ vom 08.01.2019
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