Die Zahl der Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, hat deutlich abgenommen – das ist auch in Oberbayern und im Münchner Umland zu spüren. Nach Angaben der Regierung von Oberbayern kamen 2025 durchschnittlich 18 Asylsuchende pro Tag am Anker-Standort in München an – die erste Anlaufstelle für Asylsuchende in Oberbayern. Das ist etwa die Hälfte der Werte des Vorjahres. Dennoch entspannt sich weder in den Flüchtlingsunterkünften der Landeshauptstadt noch in der Region die Situation, denn die Zuwanderung von Ukrainern, die vor dem Krieg flüchten, hat deutlich zugenommen. Daran dürfte sich vermutlich wenig ändern, denn zuletzt hat die Ukraine die Ausreiseregeln für junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren gelockert.
Die Entwicklung der vergangenen Monate ist zum Beispiel am Landkreis Ebersberg abzulesen. Insgesamt elf Busse mit Geflüchteten, die der Landkreis unterzubringen hatte, kamen bis Anfang Oktober hier an – nur in einem von ihnen saßen noch Asylsuchende, das war im Januar. In allen anderen wurden Ukrainer in den Landkreis gebracht. Insgesamt 505 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine hat der Landkreis in diesem Jahr aufgenommen. In den Flüchtlingsunterkünften im Landkreis lebten Anfang Oktober 1592 Menschen, 594 von ihnen stammen aus der Ukraine. Laut der Regierung von Oberbayern werden momentan Asylsuchende nur noch in die Landkreise und kreisfreien Städte umverteilt, wenn sie ansonsten länger in den Anker-Zentren bleiben müssten als gesetzlich erlaubt.
Wie viele Menschen aus der Ukraine insgesamt in Oberbayern angekommen sind, lässt sich dabei gar nicht so genau sagen. Denn bei ihnen, darauf weist die Regierung von Oberbayern hin, handelt es sich in der Regel nicht um Asylsuchende. „Aufgrund ihres ausländerrechtlichen Status dürfen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Gegensatz zu Asylsuchenden visumfrei in das Bundesgebiet einreisen, müssen sich nicht umgehend behördlich registrieren, dürfen jederzeit privat Wohnraum beziehen und eine Arbeitstätigkeit aufnehmen. In staatlichen Unterkünften werden Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine daher nur aufgenommen, solange sie nicht über eigenständigen Wohnraum verfügen“, erläutert ein Sprecher der Behörde. Zahlen zu den täglichen Neuzugängen liegen daher für Oberbayern nicht vor.
In München kommen täglich mehr als 50 Ukrainer an
Allerdings gibt es Anhaltspunkte, denn die meisten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine wenden sich zunächst an die zuständige Erstaufnahmestelle der Landeshauptstadt München. Dort sind nach Auskunft des Sozialreferats die Zahlen „weiterhin auf einem hohen Niveau“, mehr als 50 Personen pro Tag werden derzeit registriert. Ein großer Teil der Geflüchteten aus der Ukraine bleibt in der Landeshauptstadt, das liegt daran, dass München seine Quote bei der Asylbewerberunterbringung nicht erfüllt – dafür werden in den Unterkünften der Regierung von Oberbayern im Stadtgebiet nun Ukrainer untergebracht.
Seit August werden alle zur Verfügung stellenden Leichtbauhallen in der Landeshauptstadt wieder für die Flüchtlingsunterbringung genutzt, zwei neue Unterkünfte in der Neuherbergstraße und der Lerchenstraße werden wohl noch in diesem Jahr in Betrieb genommen. Ein Teil der Geflüchteten aus der Ukraine wird aber auch oberbayernweit weiterverteilt, sofern sie nicht selbst eine Wohnmöglichkeit finden und deshalb auf staatliche Unterkunftsplätze angewiesen sind.
Freie Kapazitäten gibt es im Landkreis Ebersberg nicht, auch die neueste Unterkunft in Markt Schwaben, die zeitweise sehr umstritten war, ist seit Mitte September voll belegt. 63 Menschen aus der Ukraine leben hier, 23 von ihnen sind Kinder und Jugendliche. Insgesamt ist die Fluktuation bei den Ukrainern nach Erfahrungen der Fachleute im Ebersberger Landratsamt vergleichsweise groß. Im Gegensatz zu Asylbewerbern können sich Ukrainer schließlich frei bewegen und sich sofort eigene Unterkünfte suchen. Dies machen sie auch häufig, sofern es ihnen möglich ist, um nicht länger als nötig in Sammelunterkünften bleiben zu müssen.
Was die Betreuung in den Behörden betrifft, gibt es zwischen Asylsuchenden und Geflüchteten aus der Ukraine einige Unterschiede. Anfangs bekommen zwar auch Ukrainer dieselben Leistungen wie Asylsuchende. Sobald sie aber einen Aufenthaltstitel haben, können sie Bürgergeld oder Grundsicherung beziehen. Wie Marion Wolinski vom Ebersberger Landratsamt erläutert, macht das bei Ukrainern die Bedürftigkeitsprüfung zeitintensiver. Ein großer Teil der ukrainischen Geflüchteten verfüge über Einkommen beziehungsweise Vermögen. Entsprechend müssten Nachweise angefordert und Angaben überprüft werden, was sich unter anderem deshalb schwierig gestaltet, weil die Dokumente meist nicht in deutscher Sprache vorliegen, erläutert Wolinski. Allerdings plant die Bundesregierung hier Änderungen. Geflüchtete aus der Ukraine, die nach einem bestimmten Stichtag eingereist sind, sollen künftig kein Bürgergeld mehr, sondern Leistungen wie Asylsuchende erhalten.



