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Übertragung aus Grafing:Rätselhafte Versuchung

Beim Online-Pubquiz der Grafinger Stadthalle ist die widerspenstige Technik der Star des Abends

Von Anja Blum, Grafing

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es war irre lustig und spannend, das Online-Pubquiz der Grafinger Stadthalle am Donnerstagabend - aber nicht auf eine Weise, die man erwarten würde von so einer Veranstaltung. Star des Abends nämlich waren nicht die Akteure oder die Fragen, sondern die Technik, die komplett verrückt spielte. "Wir streamen ja schon seit März, aber das ist uns noch nie passiert", wunderte sich Stadthallen-Chef Sebastian Schlagenhaufer. Ansonsten aber blieb der routinierte Moderator sehr gelassen - genauso wie sein Publikum, die Teilnehmer an diesem Grafinger Quiz. Knapp 20 "Zuschauer" waren online, unter ihnen auch die Kabarettistin Franziska Wanninger, wie viele Menschen aber jeweils vor den heimischen Bildschirmen saßen, lässt sich freilich nicht eruieren. Angemeldet hatten sich jedenfalls elf Teams.

Ja, diese Vorstellung, gesendet aus der Grafinger Turmstube, war geprägt vom berüchtigten Trio aus Pleiten, Pech und Pannen, aber alle nahmen es mit Humor. Wie man das bei einem lockeren Treffen von Freunden eben so macht. Die "Gaudi" solle trotz Wettbewerb im Vordergrund stehen, hatte es in der Ankündigung geheißen - und so kam es dann auch. Zunächst bot eine ziemlich große Bild-Ton-Schere jede Menge unfreiwillige Komik: Man hörte Schlagenhaufer sprechen, doch sein Gesicht bewegte sich absolut nicht synchron dazu, die Mimik hinkte dem Inhalt sekundenlang hinterher. Dann wieder blieb die Übertragung komplett stehen, nie wussten die Zuschauerinnen und Zuschauer, wann es wieder weiter gehen würde, wann sie die nächste Quizfrage erfahren dürften. Denn Schlagenhaufer ließ sie im Dunkeln und nutze die Gelegenheit schamlos aus, mit eingeblendeten Plakaten Werbung zu machen für kommende Veranstaltungen. Die Sphinx ist nichts dagegen!

Moderator Sebastian Schlagenhaufer (links) und Künstler Björn Nonhoff geleiten das Online-Publikum durch einen vergnüglichen Quiz-Abend.

(Foto: Christian Endt)

Schließlich hängte sich der Stream über Youtube sogar komplett auf, in der Turmstube war offenbar die Internetverbindung zusammengebrochen. Freilich dauerte es dann auch eine ganze Weile, etwa eine halbe Stunde, bis das Problem gelöst, ein neuer Link verschickt und das Quiz wieder online war. Aber, siehe da, die Stadthalle kann sich über ein sehr treues Publikum freuen: Nur ein einziges Team hatte inzwischen die Nerven verloren und aufgegeben. Und die anderen?

Tja, bei denen haben die Verzögerungen möglicherweise die Nachteile einer Onlineversion des Pubquiz' nochmals verstärkt. Sprich: die Gefahr von übermäßigem Alkoholkonsum und Unterschleif. Der Moderator hatte zwar an die Fairness appelliert, doch zuhause ist der Kühlschrank eben ganz nah, und keines der Konkurrenzteams sieht, wenn man am Bildschirm mal schnell zur Suchmaschine wechselt. Oh ja, wer das Quiz am Donnerstag erlebt hat, weiß, wie übermächtig solcherlei Versuchungen sein können. Der Radrennsport ist nichts dagegen!

Gute Laune in der Grafinger Turmstube, trotz allerhand Schwierigkeiten.

(Foto: Christian Endt)

Klar, denn die Fragen von Schlagenhaufer hatten es auch diesmal wieder in sich. Jede Menge unnützes Wissen, regionale Details, tagesaktuelle Schlagzeilen, Promiklatsch: Wer weiß denn so etwas? Bei manchem stieß sogar Google - bei der Recherche im Nachhinein freilich - an seine Grenzen. Zum Beispiel: Welcher junge Musiker gab einst fälschlicherweise an, Vollwaise zu sein, um selbst einen Plattenvertrag unterschreiben zu können? Richtige Antwort: Bob Dylan. Aha. Oder: Welcher verstorbene Ex-Monarch wurde am 4. November 1921 im Sonderzug durch Nettelkofen transportiert, und zwar mit Kondolenzaufenthalt in Grafing Bahnhof? Ludwig III., König von Bayern. Ist doch klar.

Für Erheiterung sorgten übrigens auch die kreativen Namen der Teams: Da gab es die "Bademeister" genauso wie die "Impfkommission", die sich über den vorletzten Platz und damit eine Guiness-Lieferung freuen durften, und die zauberhaften "Cleveren Wizards", die als Gewinner von Schlagenhaufer mit Veranstaltungsgutscheinen bedacht wurden. Mal sehen, wann sie diese endlich wieder vor Ort in der Stadthalle einlösen können.

Als "Zwischenmusik" hatte der Moderator übrigens einen Grafinger Künstler eingeladen: Björn Nonhoff warf mit schnellem Strich zarte Aquarelle aufs Papier, in jeweils acht Minuten: Setzte er seine Signatur auf das Blatt, war für die Teams die Ratezeit abgelaufen, dann mussten die Antworten per Mail in der Turmstube aufploppen. Neben seinem Job als Stoppuhr erwies sich Nonhoff zudem als stoischer Fels in der Brandung, dem die Kapriolen der Technik so gar nichts anhaben konnten. Vielmehr setzte er die Sendepausen sogar grafisch um: "Nicht verzweifeln", sagte der Maler, "denn was passiert in dieser Lücke? Das Leben!"

Das nächste Online-Pubquiz aus Grafing gibt es am Donnerstag, 17. Dezember.

© SZ vom 21.11.2020
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