Traditionsverein gerettet Sänger unter neuer Leitung

Die Chorgemeinschaft Gelting sucht aber dringend neue Mitglieder

Von Alexandra Leuthner, Pliening

Im Jahr 1899, so steht es geschrieben in der Chronik der Chorgemeinschaft Gelting, hat ein örtlicher Lehrer, Mesner, Gemeindeschreiber und Organist einen kleinen Kreis von Menschen um sich gesammelt, um mit ihnen zu singen. Seit dieser Zeit, so ist den Erkenntnissen des Ortschronisten Willi Kneißl zu entnehmen, gibt es in Gelting einen Kirchenchor, der mal mehr mal weniger aktiv war, sich aber selbst über die beiden Weltkriege hinweg gehalten hat, bis 1950 Josef Lutz, ein hochmusikalischer Bauer aus dem Ort, die Leitung des Chors übernommen hat. Der nächste in der Reihe war Max Harttung. Bis heute hat er einen fast schon legendären Ruf in der Gemeinde, er habe den Chor zu bis dato unbekannten Höhen geführt, erzählt Eva Höcherl, die viele Jahre selbst unter Harttung gesungen hat. 2005 übergab er die Leitung an Konrad Jäckel.

Dass der nun nach 13 Jahren aus gesundheitlichen Gründen seinerseits im Frühjahr die Chorleitung abgeben musste, hinterlässt die Chorgemeinschaft "schweren Herzens und mit heimlichen Abschiedstränen", so Höcherl. Zumal es zunächst auch so aussah, als würde sich kein Nachfolger finden und die über ein Jahrhundert alte Chortradition zu Ende gehen. Umso größer war die Freude, als der frühere Schulrektor, Organist und Bruder des Heimatforschers, Richard Kneißl, einen Kandidaten für die Nachfolge aus dem Hut zauberte. Johannes Kansy, ein Musiklehrer aus München, Leiter diverser Chöre und selbst Mitglied im Münchner Orpheus-Chor, besuchte die Geltinger und erklärte sich nach einer Probe bereit, helfend einzugreifen und zumindest vorübergehend als Leiter mit dem Chor zu arbeiten. "Da hat die Chemie sofort gestimmt", erzählt Höcherl, die seit 1986 schon im Geltinger Kirchenchor singt, etwas später ist auch ihr Mann dazu gestoßen.

Eine Bedingung aber stellte Kansy: Der Chor braucht mehr Sänger. Vor allem beim Tenor hapert es derzeit. "Es sind gerade in letzter Zeit viele weggegangen, einige auch gestorben. Das hat uns doch ziemlich dezimiert." Gerade in den hohen Stimmen fehlen Sängerinnen, so könne der Chor im Augenblick nur zwei Sopranstimmen aufbieten, und eine Alt-Sängerin müsse immer wieder dort oben eingreifen. "Das geht natürlich auf Dauer nicht", sagt Höcherl. Also müsse man nun unbedingt Nachwuchs akquirieren - "was nicht zwangsweise junge Sänger" meine. Also sucht die Chorgemeinschaft, die im Ort und der Kirchengemeinde fester Bestandteil ist, nun dringend neue Stimmen. "Sie brauchen nicht unbedingt eine Solostimme haben, nicht mal eine besonders kräftige", schreibt Höcherl in ihrem dringenden Aufruf. Das Solosingen ergebe sich mit der Zeit, zumal der neue Chorleiter angeboten habe, die Mitglieder in Stimmbildung zu unterrichten. Wichtig sei außer der Freude am Singen Musikgehör, das Haltenkönnen der eigenen Stimme im mehrstimmigen Chor - wobei auch das mit wachsender Routine einfacher werde. Katholisch sein müsse übrigens niemand, der sich zum Mitsingen bereit erklärt, aber natürlich sollte man etwas übrig haben für Kirchenmusik und Gottesdienstrituale, da die kirchliche Musik das Hauptbetätigungsfeld sei. Über die klassische Kirchenmusik hinaus singe der Chor aber auch Gospels und Spirituals, habe zum Beispiel gemeinsam mit Plieninger Schulklassen und dem Poinger Kinderchor das Paulus-Musical aufgeführt. Die Hoffnung ist groß, dass der neue Leiter den Chor zu alter Größe zurück führt - als der nicht nur in der Kirchen, sondern auch auf Dorffesten und anderen Veranstaltungen aufgetreten ist. "Damals sind sogar Trinklieder von Orlando di Lasso gesungen worden."

Die Chorproben sollen Mitte September wieder beginnen, immer dienstags, 19.30 bis 21.15 Uhr. Interessenten können sich unter (08121) 8 13 90 oder per Mail an ri.ge.kneissl@kabelmail.de an Richard Kneißl wenden.