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Tourismus:Corona in Ebersberg: Erste Gastrobetriebe machen dicht

Hotel am Platzl in München vor Wiederöffnung nach Lockerungen in der Corona-Krise, 2020

Hotels und Gaststätten müssen strenge Hygienestandards umsetzen. Für private Zimmervermietungen gelten die gleichen Auflagen.

(Foto: Catherina Hess)

Nach dem Schock des Corona-Lockdowns erholt sich die Tourismusbranche im Landkreis Ebersberg nur sehr langsam wieder.

Von René Becker

Die Tourismusbranche musste in den vergangenen Monaten seit dem Corona-Ausbruch viel durchmachen. Die Stadt München konnte keine Messen abhalten, was die Hotels und Pensionen im Landkreis Ebersberg stark zu spüren bekamen. Messegäste waren stets eine wichtige Einnahmequelle, genauso wie die Besucher des Oktoberfests, welches dieses Jahr ebenfalls nicht stattfinden wird. Der wirtschaftliche Schaden, vor allem in den ersten Monaten der Pandemie war groß.

So berichtet beispielsweise Franz Schwaiger, Betreiber des Hotels Schwaiger in Glonn, von über 90 Prozent Umsatzverlust für die Monate April und Mai im Bereich Hotellerie. Die Konditorei und das Café sowie Fernwärmelieferungen drückten den Gesamtumsatzverlust auf knapp unter 60 Prozent. Fördermittel waren somit nicht möglich, da die 60-Prozent-Marke insgesamt nicht erreicht wurde.

Es gibt zwar noch den Tagestourismus, aber der sei statistisch schwer zu erfassen, sagt Augustinus Meusel, Wirtschaftsförderer für Tourismus im Landratsamt. Die Besucher würden nicht in Beherbergungsbetrieben einchecken und abgesehen von Abstechern in Gaststätten nicht viel Geld im Landkreis ausgeben. Seit dem 31. Mai dürfen die Betriebe neben Handwerkern, die in der Region für Montage- und Reparationsarbeiten unterwegs sind, auch wieder Urlaubsgäste aufnehmen. Ein weiteres Problem stellt die Verpflegung der Hotelgäste dar, so Schwaiger. Vor Corona konnten die Gäste sich am Buffet bedienen. Jetzt geht dies nur à la carte, was bei einer großen Anzahl an Gästen einen enormen Zeit- und Arbeitsaufwand bedeute, so Schwaiger.

Die meisten Betriebe im Landkreis konnten dank staatlicher Hilfe weiter existieren. Dennoch haben es nicht alle geschafft. So werden laut Schwaiger zum kommenden Jahr 15 Betriebe den Bayrischen Hotel- und Gaststättenverband, welcher aktuell noch etwa 90 Gastrobetriebe und 2500 Beschäftigte im Landkreis repräsentiert, verlassen und schließen.

Wie es mit den Arbeitsplätzen aussieht, ist noch ungewiss. Aktuell befinden sich beispielsweise im Hotel Schwaiger in Glonn 70 Prozent des Personals in Kurzarbeit, drei Personen wurde gekündigt und von 17 Minijobbern in Glonn aus dem Vorjahr sind im Jahr 2020 nur noch zwei Personen angestellt. So arbeiten von einst 70 Mitarbeitern nur noch 50 Personen im Hotel Schwaiger. In einem Zornedinger Hotel musste ebenfalls über die Hälfte der Angestellten in Kurzarbeit gehen.

Die Krise trifft neben Hotels auch private Zimmervermietungen. Diese dürfen genauso wie Hotels erst seit dem 31. Mai wieder Urlaubsgäste aufnehmen, obwohl in einer Ferienwohnung der Kontakt zwischen Gast und den Vermietern gering bis nicht existent sei, so Brigitte Binder vom Tourismusverein Grafing, die einen Tag nach der Lockerung wieder Urlaubsgäste verzeichnen konnte. Denn die Ferienwohnungen würden nicht vom Vermieter betreten werden, solange diese gemietet ist. Frühstück, welches Kontakt verursachen könnte, gebe es ebenfalls keines. Dies könne in den Hotels nicht gewährleistet werden, so Binder. Die Ferienwohnungen würden zudem genauso wie in Hotels regelmäßig und ordnungsgemäß desinfiziert werden.

Dennoch müssten sich private Zimmervermietungen und Hotels an die selben Corona-Auflagen halten. Binder hatte diesbezüglich bereits im Frühling eine Bitte ans Landratsamt geäußert, die Corona-Auflagen differenzierter zu betrachten und Ferienwohnungen nicht mit Hotels über einen Kamm zu scheren. Außer Verständnis und dem Versprechen sich um das Anliegen Binders zu kümmern sei bislang allerdings noch nichts daraus geworden, so die Vorsitzende.

Urlaubsgäste können die Buchungen für die Ferienwohnungen des Tourismusvereins kostenlos und kurzfristig stornieren. Somit sinkt das Risiko für potenzielle Gäste und - so der Plan - die Attraktivität des Angebots steigt.

Brigitte Binder sieht sich und den Tourismusverein Grafing in der Verantwortung im Umgang mit Hygienestandards. Gäste würden aufgenommen werden, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als zwei Tage ist. Ist dies der Fall, sei es kein Problem schnell und unkompliziert, eine Ferienwohnung zu mieten. So hat Binder einem Fahrradfahrer, der im Landkreis unterwegs gewesen war, sofort eine Wohnung gegeben, als dieser seinen frischen negativen Test vorzeigen konnte.

Der Tourismusverein Grafing kann sich wieder über seine Stammgäste freuen. Ausgebucht seien die Ferienwohnungen dennoch nicht und das sei auch gut so, sagt Binder. Es sei notwendig zwischen den Gästen ein paar Tage Zeit zu haben, die Wohnungen zu desinfizieren und die Stoffe zu waschen. Der bayrische Hotel- und Gaststättenverband beherberge fast ausschließlich deutsche Stammgäste.

Dennoch hätte sich die Bettenbelegung im Landkreis nicht gut entwickelt und sei nicht hoffnungsschöpfend, so Karolina Wojdyla, Referentin für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des bayrischen Hotel- und Gaststättenverbands. Franz Schwaiger aus Glonn berichtet davon, dass allein in seinem Hotel von 220 bis 250 Übernachtungsgästen pro Woche aus dem Vorjahr dieses Jahr nur noch 25 bis 30 Gäste zu verzeichnen sind. Wirtschaftsförderer Meusel hingegen kann nach mehreren Gesprächen mit Betrieben eine positive Tendenz an Urlaubsgästen erkennen. Dies sei jedoch angesichts der aktuell steigenden Corona-Infektionen natürlich mit Vorsicht zu genießen, betont er.

Seitdem die Beherbergungsbetriebe wieder Urlaubsgäste aufnehmen dürfen, können sie sich zu mindestens ein wenig erholen. Der Schock der ersten Monate scheint überwunden. Durch die Krise ist die Branche aber noch lange nicht.

© SZ vom 07.09.2020/aju

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