Herbstempfang:THW Markt Schwaben präsentiert drei neue Einsatzwagen

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Herbstempfang: Neben vielen lobenden Worten gibt es für die neuen THW-Fahrzeuge am Mittwochabend auch den göttlichen Segen obendrauf.

Neben vielen lobenden Worten gibt es für die neuen THW-Fahrzeuge am Mittwochabend auch den göttlichen Segen obendrauf.

(Foto: Christian Endt)

Das Technische Hilfswerk hat Fahrzeuge für 730 000 Euro angeschafft. Finanziert werden solche Investitionen vom Staat - allerdings nicht mehr lange.

Von Korbinian Eisenberger, Markt Schwaben

Auf den Rücksitzen fühlt es sich fast schon wie auf der Wohnzimmercouch. Bisher saßen die Passagiere hier auf Holzbänken, nun dürfen sich ihre Gesäße auf Polstern niederlassen. Warnwesten und Feuerlöscher sind griffbereit, Steckdosen für Handykabel, und eine Kiste mit Sprühdosen zur Straßenmarkierung. Ein erster Sitztest ergibt: Dieses neue Gefährt ist so etwas wie der Rolls Royce unter den Gerätekraftwagen.

Der Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) Markt Schwaben hat am Mittwochabend drei neue Fahrzeuge präsentiert, die zusammen inklusive Einrichtung um die 730 000 Euro wert sind. Den Hauptanteil von 680 000 Euro machen die beiden sogenannten "Gerätekraftwagen" aus, die so wuchtig sind, dass nur eines von ihnen in der Markt Schwabener Häuslmühle Platz hat.

Finanzieren konnte das THW die beiden Wagen dank eines Investitionsprogramms der Bundesregierung. "Dafür sind wir dankbar", erklärt Stefan Sander, der stellvertretende THW-Ortsbeauftragte. Der THW handelt ehrenamtlich in staatlichem Auftrag und wird anders als die Feuerwehren nur in komplizierten Fällen eingesetzt, etwa beim Zugunglück in Bad Aibling 2014. Problem des THW: Das staatliche Sonderprogramm endet in gut zwei Jahren. Sander sagt: "Wer nach 2022 ein Fahrzeug ersetzen muss, hat ein Problem."

In Markt Schwaben ist Prominenz aus der ganzen Region zusammengekommen, ein THW-Sprecher begrüßt neben Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) den Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) die beiden Polizeichefs Helmut Hintereder (Poing) und Ulrich Milius (Ebersberg), um die 100 Gäste von Feuerwehr, THW und Nachwuchsarbeit aus der Region und aus dem Nachbarlandkreis Erding sind erschienen.

Früher 340 000 Mark, heute 340 000 Euro

Anders als im restlichen Bayern, ist das THW Markt Schwaben für zwei Landkreise zuständig, üblich ist einer. Markt Schwaben, Grenzort zum Kreis Erding eignet sich gut als Standort, um gleich zwei Landkreise im Großraum auf schnellem Weg zu erreichen. Kein Wunder also, dass auch die Ebersberger SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher erschienen ist und lobende Grußworte spricht. Politisch interessant wird es dann aber vor allem nach dem öffentlichen Teil.

Stefan Sandner hat sich günstig positioniert, er steht jetzt vor dem Gerätewagen und erzählt der Abgeordneten, was den stellvertretenden Ortsbeauftragten in diesen Tagen umtreibt. Die Vorgängerfahrzeuge stammen noch aus einer Zeit, als er noch gar nicht die THW-Uniform getragen hat. Sandner, 41, ist seit 1997 dabei, "die ausrangierten Wagen sind Baujahr 1991", sagt er. Den Vorgaben nach soll ein Gerätewagen spätestens nach 26 Jahren Nutzung durch einen neuen ersetzt werden. "Da lagen wir jetzt schon zwei Jahre drüber."

Knackpunkt und Grund, warum nicht nur das THW sondern auch viele Feuerwehren mit veralteten Gerätschaften unterwegs sind: Moderne Ausrüstung ist teuer. Atemschutzmasken, Sanitätertaschen, Rettungsdecken, Flutlichtstrahler, Kabeltrommeln, Leitern - die Liste ist lang. Zusammengerechnet kommt ein Gerätekraftwagen so auf Kosten von 340 000 Euro. Und über die Jahre ist die Anschaffung nicht gerade billiger geworden, im Gegenteil. Früher kostete ein Gerätewagen alles in allem 340 000 Mark, sagt Sandner, "jetzt zahlt man das gleiche in Euro". Sein Appell geht nicht an den Hersteller, den Preis zu drücken. Sondern an die Politik nach Berlin. Seine Hoffnung: Dass auch künftig Fördergeld für Fahrzeuge gezahlt werden.

Beim Herbstempfang in Markt Schwaben, dem mittlerweile 18., geht es nicht nur um Fahrzeuge und Fördermittel. Der Ortsverband warb zuletzt nicht nur erfolgreich um Geld vom Staat, sondern ist seit Jahrzehnten auch bei der Akquise von Nachwuchskräften gut im Soll. 60 Jugendliche zählt der Ortsverband derzeit in seinen Reihen, "so viele, dass wir fast schon am Limit sind", sagt Sandner. Seit dem Ende der Wehrpflicht in Deutschland kann man die Arbeit beim THW nicht mehr als Bundeswehr- oder Zivildienstersatz angeben - das kommt dem Ehrenamt nicht gerade entgegen. Dennoch scheint es in Markt Schwaben gut zu laufen. Warum?

Markt Schwaben hat einen Standortvorteil: Die Gemeinde liegt an der Schnittstelle zweier Landkreise und direkt an der S-Bahn. In den umliegenden Orten wie etwa in Poing zieht es viele junge Familien, deren Kinder nicht nur zum Fußball und Reiten wollen. Manche wollen zum THW.

Die beiden staatlich finanzierten Großkaliber und das vom Förderverein spendierte kleinere Einsatzfahrzeug sind an diesem Abend schick anzusehen und dürften die Anziehungskraft der Besitzer für Nachwuchs nicht gerade schmälern. Im Kern geht es aber um etwas anderes, erklärt Stefan Sander. Er erzählt vom komplizierten Einsatz im vergangenen Januar, als Schnee und Eis Teile Oberbayern in Katastrophenalarm versetzten. "Da waren wir zwei Wochen lang im Einsatz", sagt er, mit wechselndem Personal, das geben die 139 aktiven Helfer in Markt Schwaben her. Die Ausrüstung kann dann gar nicht modern genug sein - und sei es ein warmes Sitzpolster für die Heimfahrt.

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