Tempolimit in Straußdorf Zu kurzer Bremsweg

Auf 30 Stundenkilometer runterbremsen müssen Autofahrer jetzt im Straußdorfer Ortskern. Damit erhofft man sich mehr Sicherheit für Fußgänger.

(Foto: Christian Endt)

Nach langem Ringen bekommt Straußdorf eine Tempo-30-Zone im Ortskern. Optimal scheint die Lösung aber noch nicht zu sein

Von Andreas Junkmann, Grafing

Wer mit dem Auto durch Straußdorf fährt, der muss künftig in der Ortsmitte kräftig auf die Bremse steigen. Seit kurzem gibt es dort auf Höhe der Kirche eine Tempo-30-Zone. Eine solche hatten die Dorfbewohner und die Stadt Grafing schon lange gefordert. Nach zähem Ringen und einem Termin vor dem Verwaltungsgericht hat der Landkreis nun reagiert. Ganz zufrieden sind die Straußdorfer aber immer noch nicht, denn sie halten die Strecke der Geschwindigkeitsbegrenzung für etwas zu knapp bemessen.

"Ein bisschen länger wäre natürlich besser gewesen", sagt Martin Lechner, CSU-Kreisrat, Straußdorfer und derjenige, der sich federführend für die Tempo-30-Zone ausgesprochen hat. Lechners Anliegen ist es, die Ortsmitte gerade für Fußgänger sicherer zu machen. Dieser Wunsch ist nicht aus der Luft gegriffen, denn der Gehweg entlang der Kirche misst an zwei Stellen gerade einmal 75 Zentimeter - zu wenig und darum zu gefährlich, so Lechner. Er hatte deshalb beim Landratsamt - die Straße gehört dem Freistaat Bayern - einen Antrag auf eine Tempobegrenzung gestellt. Als er dort aber weder Antwort, geschweige denn eine Entscheidung bekommen hatte, folgte die Klage vor dem Verwaltungsgericht.

Bei einem Ortstermin im Juli 2018 bestätigten die Richter Lechners Einschätzung. Der Deal damals: Die Klage wird zurückgezogen, wenn sich das Landratsamt verpflichtet, "gefahrenmindernde Maßnahmen" für Straußdorf anzuordnen. Das ist nun mit der Tempo-30-Zone umgesetzt worden. Optimal ist die Lösung Lechner zufolge aber immer noch nicht. Die Begrenzung gelte lediglich für den Bereich direkt vor der Kirche, die gefährliche Straßenkreuzung auf der Südseite sei nicht mit einbezogen worden, so dessen Kritik.

Und tatsächlich: Von Aßling kommend beginnt das Tempolimit erst nach der Kreuzung von Moosstraße/Am Hang, also unmittelbar vor der Kirche. In der Gegenrichtung ist die Kreuzung dagegen noch innerhalb der 30er-Zone. "Wir sind schon zufrieden, dass es jetzt so ist," sagt Lechner zwar, er hätte sich aber noch ein bisschen mehr gewünscht. Aufgrund der Länge von nur wenigen Metern hält er auch Geschwindigkeitskontrollen für problematisch. Die Autofahrer müssten schließlich eine gewisse Reaktionszeit bekommen, aber bis dahin seien sie ja schon wieder aus der Tempo-30-Zone draußen.

Beim Landratsamt hält man die getroffenen Maßnahmen indes für ausreichend. Der Gefahrenbereich an der Kirche sei mit der Beschränkung abgedeckt, so der stellvertretende Sachgebietsleiter für Öffentliche Sicherheit, Hermann Ziegler. An der Kreuzung sieht er dagegen keinen Handlungsbedarf. "Dort ist es nicht gefährlich." Zudem habe man sich ein zusätzliches Verkehrsschild gespart, das ansonsten direkt hinter der Straße Am Hang hätte aufgestellt werden müssen. "Das hätte auch wieder Steuergeld gekostet", so Ziegler, der mit der jetzigen Lösung zufrieden ist.

Auch Kreisrat Martin Lechner will vorerst keine neuerlichen Schritte einleiten. Auch er habe nochmals mit der zuständigen Stelle im Landratsamt gesprochen, und man sei übereingekommen, sich die Sache jetzt erst einmal anzuschauen. "Und vielleicht klappt es ja ganz gut, so wie es jetzt ist."